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Der Herr Spahn


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Wenn´s nicht erst der Start der neuen Regierung wäre, man müsste eigentlich ganz konkret schon wieder den Rücktritt des Gesundheitsministers fordern. Was sich Jens Spahn geleistet hat, steht aber ganz typisch für abgehobene und realitätsfremde Politiker, die eine Verdrossenheit der Bevölkerung damit befeuern und die Wähler in Massen zu einer Partei treiben, bei der man in erster Linie aus Protestgründen sein Kreuz macht.

Mit Hartz IV habe „jeder das, was er zum Leben braucht“, meinte CDU-Mann Spahn noch vor seinem Amtsantritt. Nun mag das ja grundsätzlich stimmen: Auch wer nur ein paar 100 Euro im Monat vom Staat bekommt, kann damit ÜBERleben. Er/Sie muss zumindest nicht verhungern. Aus dem Mund eines Ministers freilich, der weit über 10.000 Euro im Monat vom Staat kassiert, der jetzt schon weiß, dass er mal eine Pension bekommt wie vielleicht zehn andere Rentner zusammen, klingt das wie eine Verarschung der einfachen, armen Leute.


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Deutschland habe „eines der besten Sozialsysteme der Welt“, sagte Spahn. Mag ja auch noch stimmen im Vergleich zu anderen Ländern. „Niemand müsste in Deutschland hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe“, sagte Spahn dann auch noch. Auch das mag korrekt sein. Verhungern würde niemand. Aber Fakt ist, dass es eben bald 1000 dieser Tafeln in Deutschland gibt und dass der Bedarf weiter steigt, dass dort meistens ehrenamtlich Rentner sich einsetzen, damit bedürftige Deutsche bald ablaufende Lebensmittel günstig einkaufen können.

Also besteht anscheinend der Bedarf, reichen ganz vielen Deutschen die Rente und eben auch Hartz IV nicht aus zum ordentlichen Leben. Mal abgesehen davon, dass eine Grundsicherung nicht vorsieht, mal nobel auswärts speisen zu können oder in den Karibik-Urlaub zu fliegen. Selbst die Tafeln verteilen keine Kino-Gutscheine oder Sitzplatzkarten für Partien von Bayern München. Bedürftige sind auch in einem funktionierenden Sozialstaat ausgegrenzt von einem Leben, das für Gutverdienende ganz normal ist.


Und Herr Spahn und seine Kabinettsfreunde sind sogar mehr als nur Gutverdienende. Es sind Spitzenverdiener, die mit ihrem Amtsantritt automatisch für den Rest des Lebens ausgesorgt haben. Die keinerlei Kompromisse eingehen müssen, außer dass sie im öffentlichen Leben stehen und irgendwann eben mal mit Tomaten beworfen werden, wenn sie Stuss erzählen. Herrn Spahn wünsche ich, dass er bald mit ganz matschigen, überreifen, alten und mies müffelnden Tomaten beworfen wird. Mit solchen, die nicht mehr gesund sind und die selbst bei den Tafeln nicht mehr ausgegeben werden.

Michael Horling
redaktion@inundumsw.de



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2 Kommentare

  1. Lieber Michael,

    ich bin grundsätzlich auch der Meinung, dass sich Herr Spahn mit seinen Äußerungen keinen Gefallen getan hat. Und man kann dies, wie Du es in Deinem Kommentar getan hast, kritisch bewerten.
    Das ist auch die Aufgabe der Presse als quasi vierte Gewalt im Staat.

    Aber was auch nicht geht: als (unabhängiger, überparteilicher) Journalist indirekt zu „fordern“, Politiker mit faulen Tomaten zu bewerfen – dies geht definitiv nicht!

    • mh

      Ich will ja auch gar nicht, dass man ihn bewirft. Aber WENN man ihn bewirft, dann doch bitte mit besonders alten, miefenden, tropfenden Tomaten, die bei der Tafel ausgemistet wurden!

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