18. 04. 2018
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Flummiball




Ferber

Da war sie endlich mal wieder, die Erinnerung an schöne jugendliche Zeiten. Über 30 Jahre ist es her, als wir in einem von Mauern umringten Schweinfurter Innenhof zwischen Wilhelm- und Seestraße massenweise kleine Dopsbälle verschossen haben. Weil sie immer wieder über auch noch so hohe Wände sprangen.

Das System dieses Spiels war einfach: An einer Längsseite des Hofs stand ein Mehrfamilienhaus, das genauso eine (hintere) Eingangstüre besaß wie gegenüber der Nebenbau mit einem Büro und ein paar Kellerräumen. Diese Tore für unser Spiel lagen zwar nicht exakt auf gleicher Höhe, waren leicht versetzt. Dafür zog sich durch den Hof in etwa mittig links und rechts eines Gullys eine erkennbare Linie, die unsere Spielfläche teilte.

Auf der einen Breitseite trennte eine nicht sonderlich hohe Mauer mit Teppichstange den Hof von einem kleineren, der zum Nachbargebäude gehörte. Und auf der anderen Breiseite stand eine mächtige hintere Häuserfassade des Bauwerks in südlicher Richtung, die wiederum so hoch war, dass sie – obwohl immer wieder Putz abbröckelte – oftmals diente für unsere Art des Squash-Spiels damals mit Tennisschlägern aus Plastik und einem Softball.


Abenteuer-Allrad

Das Spiel mit dem Dopsbällen machte freilich am meisten Spaß, auch wenn täglich welche über das Dach des Nebengebäudes sprangen und danach nicht mehr auffindbar waren. Unser Ziel lautete, die kleinen, festen Flummis mit möglichst harten Schüssen am Gegenspieler vorbei in den Eingangsbereich der beiden Gebäude zu befördern. Oder anders: Tore zu erzielen. Koste es, was es wolle. Es war jahrelang ein heißer Wettkampf Mann gegen Mann. Zwei Spieler, die auch nach ihrer Volljährigkeit noch Spaß an dieser Auseinandersetzung hatten, knallten sich die Springbälle um die Ohren, trafen auch schon mal ins Gesicht des anderen, mussten aber stets damit klar kommen, dass so ein Gummigeschoss eben unberechenbar ist und auch schon mal die ein oder andere Lampe im Hof oder gar Fensterscheibe zerdonnerte.




Die im Haus wohnenden Omas fanden das wie die auch schon recht betagten anderen Mitbürger nicht unbedingt immer spaßig, ließen uns aber genauso gewähren, auch wenn wir in den Sommermonaten aus Lust am Schabernack von der Wohnung oben im zweiten Stock die unten im Hof stehenden Töchter der im Haus lebenden Griechenfamilie des Restaurants gleich nebenan bewarfen mit Luftballons, die mit Wasser gefüllt waren. Natürlich zielten wir nie auf die Personen selbst, sondern direkt neben sie.

Warum diese Erinnerungen? Weil diesen Donnerstagabend „Flummiball“ im TV lief. Auf Sport 1. Nichts anderes war es, was die Dortmunder Borussia in Salzburg bot. Die Bälle spangen immer wieder unkontrolliert auf und wieder in die Luft, selten bis nie bekamen die Gelb-Schwarzen den Fuß an das Leder, und wenn, dann nur um es gleich wieder schnell nach vorne zu knallen, meisten zu einem Salzburger. Es war hektischer, unansehnlicher Gruselfußball ohne einen Plan, wie man denn Erfolg haben könnte.

Ich schaute kurz auf Videotext, weil ich die meisten Dortmunder nicht erkannte. Zagadou, Dahoud, Isak (auf unseren Bildern zu sehen, ein Dank an www.bvb.de) – so heißen sie. Unter 20-Jährige, die Millionen kosten und verdienen, bei denen sich der Verein erhofft, dass sie bald 100 Millionen wert sind und wie andere Spieler zuvor nach Barcelona oder London wechseln, wo man ja noch weniger auf Geld schauen muss und es noch nicht mal merkt, wenn man es verbrennt.

Arsenal (London) kam übrigens weiter, in der nächsten Runde hätte sich Dortmund auf ein Wiedersehen mit den Goldeseln Mkhitaryan und Aubameyang freuen können. Doch das ist leichtfertig verspielt. Leipzig hält in der Europa-League die Fähnlein Deutschlands aufrecht. Der BVB muss derweil einsehen, dass die Zeit der 2014er WM-Helden Schürrle und Götze endgültig vorbei ist. Sie haben kein internationales Niveau mehr. So wie auch Keeper Bürki, Abwehrmann Sokratis, Mittelfeldstratege Castro, Trainer Stöger….

Was echte Männer sind, sah man anderswo am Freitag: Biathlet Martin Fleig holte endlich die erste Medaille bei Winterspielen für das schwache Geschlecht bei den Paralympics seit 2010. Und Markus Söder ist mit gerade mal 51 Jahren der jüngste Ministerpräsident Bayern aller Zeiten. Söder ist gerade mal ein Jahr älter als ich. Vielleicht kommt er ja bald mal nach Schweinfurt und wir spielen zusammen eine Runde „Flummiball“.

Michael Horling
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