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Herr Otto und der Herbst


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Ich schimpfe ja immer mal wieder mit meiner Partnerin, weil für sie mit der Post ständig Kataloge kommen, wegen denen viele Bäume gefällt werden müssen – nur damit sie dort Schuhe findet, um sie zu bestellen (zu den anderen 214 Paar, die bei uns schon herumstehen).

Nun hat dieser Modeversand – nennen wir ihn der Einfachheit halber mal Otto – ihr ein Schreiben geschickt, das mich zum Wahnsinn treibt. Kooperationspartner dieses Ottos ist eine gewisse Main-Post GmbH – und die will sich nun „für die Treue zu Otto“ bei meiner Partnerin bedanken. Ein Paar Gratisschuhe wären ja okay gewesen.

Abgesehen davon, dass ich bislang immer dachte, meine Petra ist nur mir treu – abgesehen davon fuchst mich das Angebot: 2 Wochen lang könne sie „die Zeitung ihrer Region kostenlos lesen!“. Unter „Die bunten Herbstseiten“ preist man ihr das auf der Außenseite der Reklame an. Auf der Rückseite sieht man Kaffee trinkende, junge Leute und stellt mit dem Slogan „Überall mitreden können!“ in Aussicht, dass das anscheinend nur dann gelingen kann, wenn man die Produkte dieser Mediengruppe liest.


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„Mit journalistischer Qualität, lokaler Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Tiefgang“ sei „die Tageszeitung von hier unangefochten das führende Medium“. Und das könne meine Partnerin nun 2 Wochen lang gratis testen. Schreibt Susanne Gramse vom Kundenservice dieses Modeversands, den wir der Einfachheit halber hier Otto nennen.





Wenn ich einwillige, dann wird die Main-Post GmbH ihre Telefonnummer zum Zweck der Vermittlung von Information über Angebote, Produkte, Dienstleistungen der Main-Post GmbH zu Abo-Aktionen verwenden können, heißt es relativ kleingedruckt. Man könne meine Partnerin also telefonisch kontaktieren. Warum wohl? Warum hat man das als „unangefochtes führendes Medium“ überhaupt nötig?

Ich schaue mal ins aktuelle Online-Angebot dieses Mediums und sehe bei den Todesanzeigen alleine im Schweinfurter Bereich 22 leider verstorbene Personen, bei denen es naheliegt, dass sie Leser dieser Tageszeitung waren. Womöglich haben alle Kinder, die aktuell sicherlich nicht lachend einen Kaffee trinken, wie die jungen Leute auf der Werbebotschaft.

Zu vermuten freilich ist, dass sich die meisten von Ihnen die 37,70 Euro Bezugspreis pro Monat sparen werden nach dem Tod des Angehörigen. Denn es gibt ja mittlerweile zahlreiche andere Möglichkeiten, sich günstiger oder gar umsonst über alles Wichtige aus der Region zu informieren. Teilweise sind Online-Medien sogar schneller und ausführlicher in ihrer Berichterstattung. Manche sind – angeblich – auch glaubwürdig und kompetent!

Und gratis – wie im Falle dieser Nachrichtenseite, die einst mal inundumsw.de hieß, die man über diesen Namen weiterhin erreichen kann, die aber als sw1.news nun noch moderner werden soll und die weiterhin täglich an Reichweite gewinnt. Anders als anscheinend diese GmbH. Wenn die alleine in der Region Schweinfurt an einem Tag bis zu 22 Leser verliert – und in Würzburg, der Rhön, Kitzingen, den Haßbergen, Main-Spessart schaut das gewiss nicht viel anders aus – dann muss das ja irgendwann mal eine Panik auslösen.

Beim Bestellservice namens Otto wird sich meine Partnerin nun abmelden. Wegen der nicht erlaubten Weitergabe ihrer Daten und aufgrund der seltsamen Kooperation mit der Main-Post, die ja an sich den lokalen Geschäftsleuten in der Region immer verspricht dafür zu sorgen, dass „der Klick in der Stadt“ bleibt. Anscheinend aber ist es besser für das Unternehmen, wenn Herr Otto mehr Klicks bekommt.

Denn mit einem global agierenden Handelsriesen zusammenzuarbeiten, ist ein Schlag für jeden kleinen Laden in und um Schweinfurt. Aber diese können ja gerne einen Blick auf unser Portal werfen. Vielleicht sind sie dort sogar besser aufgehoben. Nicht nur mit Werbung, sondern auch mit der Möglichkeit, über redaktionelle Beiträge auf sich aufmerksam zu machen. Und das nicht nur auf „bunten Herbstseiten“, sondern auch danach im kalten Winter…

Michael Horling
redaktion@inundumsw.de







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