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Telekom-plikationen


Stern-Apotheke

Vielleicht liegt es daran, dass ich kein Sympathisant der Münchner Bayern bin. Aber vielleicht mag ich auch deshalb die Telekom nicht, weil es sich dabei um ein komplett unfähiges Unternehmen handelt.

Ende letzten Jahres fielen bei uns Telefon und Internet aus. Früher wurde ich in solchen Fällen fuchsteufelswild. Mit der Zeit lernt man jedoch, dass man bei einer Scheißhausfirma eben in erster Linie Kacke bekommt.


Abenteuer Allrad

Ich hatte mir inzwischen ein Smartphone zugelegt, gegen meine eigentliche Überzeugung. Doch ich brauche es, weil immer mal wieder das Festnetz die Grätsche macht. An die 50 Euro zahle ich dafür monatlich zwar an Tarif, eine Versicherung gegen Ausfälle ist das aber nicht.

Damals rief ich über Smartphone die Störungsstelle der Telekom an, wo mir die Roboterstimme vorschlug, ich könne den Fehler auch online finden und man würde mir gerne die Anleitung dazu per Mail zusenden. An der Stelle wurde ich fuchsteufelswild, weil ich ja eben nicht mehr ins Netz kam.


Eine sächselnde Dame (die Telekom scheint in den neuen Bundesländern zuhause zu sein) stellte als Ferndiagnose nach ein paar Hokus Pokus-Sprüchen und gewiss mit einer Zauberkugel auf ihrem Schreibtisch fest, dass mein Router defekt sei. Außerdem, so merkte sie an, sei mein Speedport ja ohnehin veraltet und ein nagelneues wäre viel besser für mich. Weil das alte ja defekt sei, sendet sie mir das neue zu, ich müsse nur tauschen, das alte zurücksenden – und hier in Schonungen wäre die Welt wieder heil und der Himmel rosa.

Zwei, drei Tage ohne Festnetz und vor allem Internet sind für einen Online-Journalisten die Hölle. Umso schöner damals für mich, dass rund eine Stunde nach dem Auflagen und dem netten Gespräch mit der Dresdnerin Telefon und Internet wieder bestens funktionierten. Am Router lag´s also nicht! Dass der neue erst nach drei Tagen kam, ließ mich deshalb kalt und ich musste nicht erneut fuchsteufelswild werden. Auch wenn ich den Sinn einer völlig falschen Ferndiagnose anzweifelte.

Jedenfalls lag der neue Router über die Weihnachts-Feiertage ein paar Wochen zuhause unverpackt herum, ehe die Januar-Rechnung der Telekom kam und ich feststellte, dass ich jeweils 4,15 Euro netto an Miete für zwei Speedports zu zahlen hatte. Das ist Blödsinn, weshalb ich beschloss, eines wieder zurückzusenden.

Leichtsinniger Weise erinnerte ich mich an die Worte der Leipzigerin, wonach das Speedport Smart 2 wesentlich besser sein soll als das Speedport W 724V Typ A, das ich freilich auch erst ein Jahr zuvor nach einer Tarifumstellung und dem angeblich defekten Speedport W 701V zugesendet bekam. Je neuer und moderner der Router, umso besser, dachte ich. Zwei, drei Mal wurde ich beim Installieren fuchsteufelswild aufgrund des unfassbaren Kabelsalats. Da meine Partnerin jedoch ein Händchen für solche Sachen hat, brachte sie das neue Gerät zügig zur Funktionstüchtigkeit.

Das war Montagmittag und meine Welt war heil, der Himmel über Schonungen rosa. Alles klappte. Auch Montagabend noch. Dienstagfrüh ebenso. Dienstagnachmittag immer noch. Die Scheißhausfirma wurde mir so langsam sympathisch. Bayern München muss Liverpool schlagen.

Ehe das Telefon klingelte und jemand anrief, dessen Nummer ich nicht kannte. Da ich zu spät an den Hörer kam, rief ich zurück und bekam zu hören, dass der Anruf desjenigen sehr wohl angenommen wurde: Von meiner im Haus lebenden Mutter, die im Untergeschoss eine andere Durchwahl hat. Genau die hätte diese Person gewählt, landete aber zunächst bei mir.

Ein paar Minuten später passierte das Selbe nochmal. Drei Mal klingelte eine Bekannte meiner Mutter erst bei mir, dann bei meiner Mutter. Die ging ran, beide plauderten – hörbar für mich auch eine Etage oberhalb. Ehe erst mein Internet ausfiel und meine Mutter verstummte. Am späteren Dienstagnachmittag waren alle Leitungen tot und das Status-Lämpchen des von mir verachteten ISDN-Adapters leuchtete rot statt weiß.

Ich lief rot an, statt fuchsteufelswild zu werden beim Versuch, die Störungsstelle der Telekom zu erreichen, die ich eigentlich online finden wollte, was ja nicht möglich war. Ich wählte irgendeine 0800-Nummer mit beliebigen Ziffern und landete diesmal bei einem Mann, nicht sächselnd, aber durchaus womöglich aus Thüringen kommend.

Er legte aus der Distanz seine Hände auf die Glaskugel und prophezeite mir den baldigen Wechsel zu Vodaphone. Nein, natürlich nicht… Aber während er per Ferndiagnose alle meine Leitungen prüfte, plauderten wir ganz locker über mein neues superduper Speedport Smart 2, auf das ich seit einem Tag so stolz war, weil es mich über 24 Stunden problemlos ins weltweite Netz und auch noch telefonieren ließ – ohne Störungen, über einen Tag lang. Für ein Scheißhaus-Unternehmen sind das Zahlen, die den Aktionkurs nach oben treiben, den ich in diesem Moment online nicht mehr verfolgen konnte.

Ich wurde fuchsteufelswild, als mir der Erfurter erzählte, dieses Speedport Smart 2 sei schon wieder ein Ausflaufmodell, weil es längst die Version 3 dazu gibt, die viel besser sei. Die Trulla aus Chemnitz hat mir also alten Kram aufgeschwatzt. Ich drohte dem Mann aus Jena mit Selbstjustiz oder zumindest einer Klage, ehe er lachend meinte, Speedport 2 sei schon auch noch klasse und wir beide – also ich und der Router – könnten locker noch drei, vier Wochen ohne notwendigen Austausch miteinander auskommen.

Mir fehlt das Wort für die Steigerung von fuchsteufelswild. Jedenfalls hatte er dann die endgültige Diagnose für mich parat: Das DSL-Kabel sei defekt. Daran liegt es. Urplötzlich. Aber definitiv! Zufällig an diesem Tag nach dem Austausch des Routers. Er habe ein neues schon eingepackt, es sei bereits in der Post und auf dem Weg zu mir. So in zwei, drei Tagen würde der Hermes-Rumäne klingeln und es bringen.

Ich freute mich auf zwei, drei ruhige Tage ohne Festnetz und Internet und beschloss dann, mal so richtig fuchsteufelswild zu werden, weil ich mich daran erinnerte, als Online-Journalist drei Tage meine Arbeit nicht verrichten zu können, was ein bisschen blöde ist in der Zeit der nun wieder startenden Fußballsaison beim Betreuen eines Fußballportals.

Ich dankte dem Mann aus Gera für seine Hilfe, bat um Post-Stop und teilte ihm mit, ich würde Mittwoch in den Telekom-Laden fahren und mir dieses DSL-Kabel selbst besorgen. An diesem Mittwoch freilich schrieb ich über mein Smartphone, für das mir der Tarif nochmals rund 20 Euro pro Monat kostet, mit dem ich aber wenigstens ins Internet kam, die Telekom über die Chat-Hilfe an, um mich zu vergewissern, dass das erkannte Problem auch das reale ist.

Ein Helmut, zu meinem Erstaunen Westdeutsch sprechend, rief mich prompt zurück und machte einen Check. Nein, am DSL-Kabel könne das Problem keinesfalls liegen, meinte er und machte mich in dem Moment einerseits fuchsteufeldwild. Andererseits wirkte diese Diagnose aber auch beruhigend, denn aus seiner Sicht müsse es am Router liegen, der sich einfach nicht mehr installieren lasse. Klar, nach 26 Stunden der Funktionstüchtigkeit kann man schon mal die Grätsche machen.

Fuchsteufelswild hoch zwei wurde ich erst wieder, als Helmut mir lachend versicherte, dieses Speedport 2 sei völlig ungeeignet für eine Telefonanlage, wie wir sie zuhause haben. Ich überlegte spontan, woher ich einen Baukasten bekommen könne zum Basteln einer Bombe für die Zentrale der Telekom in Dresden, Erfurt oder halt doch Bonn.

Helmut riet mir zu einem ganz anderen, viel besser tauglichen Speedport, das ich mir aber von der Telekom nicht leihen könne, weil ich meinen Mietvertrag ja über das Speedport 2 abgeschlossen hätte. Aus Kulanzgründen könne man mich da womöglich aus dem Vertrag entlassen. Er würde mir freilich erst einmal ein funktionstüchtiges Speedport 2 zusenden, was der Hermes-Rumäne womöglich in zwei, drei Tagen liefern würde.

Oder ich könnte es mir wahlweise leihen oder mieten bei der Telekom im Laden in der Schweinfurter Innenstadt. Ein Anruf dort ergab, dass man dort nur dieses eine Modell Speedport 2 vorrätig habe, keines der anderen, womöglich für mich tauglicheren Modelle. Mit dem Speedport 2 könnte ich jedoch, sagte mir Helmut, den ISDN-Adapter ausschalten, der ohnehin unnötig wäre. Einziger Nachteil: Meine Mutter im Stockerk tiefer könne dann nicht mehr telefonieren. Aber dafür gibt´s ja Smartphones…. Ja, die Telekom: Eben ein Scheißhaus-Unternehmen.

Um zumindest kurzfristig wieder ins für mich beruflich dringend so notwendige Internet zu kommen, beschloss ich den harten Weg in die Schweinfurter Innenstadt zum persönlichen Besuch der Filiale des Scheißhaus-Unternehmens. Dort erkannten zwei Mädels – Respekt! – den Ernst der Lage schnell und rieten zu einer so genannten FRITZ!box, mit der alles einfacher werden könnte. Man würde sie mir auf dem Postweg zusenden, mit etwas Glück sei sie Samstag bei mir.

Es war Mittwoch – und ich inzwischen fast einen Tag ohne Internet, was mich so langsam fuchsteufelswild werden ließ. Ich fragte nach einer solchen Box aus dem Laden dort zum sofortigen Mitnehmen, sie kostete gerade mal 180 Euronen, fast ein Schnäppchen. Allerdings: Nur eine auf dem Postweg zugesendete könnte ich wieder umtauschen, falls das Problem doch woanders liegt. Die direkt gekaufte müsste ich behalten, auch wenn ich sie gar nicht benötigen würde.

Wir riefen beim MediaMarkt an, wo die Dame am Telefon nicht weiter helfen konnte, ob man eine FRITZ!box dort zurück geben könne. Sie riet zu einem Verkaufsgespräch vorab vor Ort. Also machten wir uns auf den Weg in den Schweinfurter Hafen, liefen zuvor aber in der Rückertstraße zufällig beim mediazehe-Shop vorbei, der außen mit der Telekom viel Reklame macht.

Drinnen schilderten wir das Problem und bekamen exakt diese FRITZ!box angeboten. Allerdings für 80 Euronen mehr. Der Preis bei der Telekom war ein Sonderangebot. Immerhin ließ sich die Fachberaterin Julia Riedel, die an dieser Stelle wie ihre Mitarbeiterin Stefanie Bürger besonders zu loben ist, auf 219 Euro ein – und ich könnte das Ding jederzeit zurückgeben, wenn es meine Probleme nicht löst. Sollte es aber – und dann würde man auch die Rücksendung meines geliehenen Speedport 2, dem anscheinend ja defekten Router, an das Scheißhaus-Unternehmen Telekom für mich übrnehmen.

Zuhause angekommen nahm die Spannung unaufhaltsam zu. Wir tranken zunächst einen Kaffee und installierten dann die FRITZ!box. Und siehe da: Alles klappte, nachdem ein weiterer, freundlicher Mitarbeiter von mediazehe zurückrief und letzte, offenen Fragen beantwortete! Plötzlich war auch das Kabel-Wirrwarr beseitigt, weil wir uns die ISDN-Box künftig sparen können.

Meine Mutter kann wieder telefonieren, ich kann telefonieren, wir haben nun eine eigene FRITZ!box mit Garantie statt eines Leihrouters einer Scheißhaus-Firma. Wir kommen alle wieder ins Internet und haben gleich mal gegoogelt nach möglichen Alternativen zu Verträgen bei der Telekom. Und  Mittwoch – da war ich jetzt Liverpool-Fan!

Michael Horling
redaktion@sw1.news



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