22. 06. 2017
Home / Böse Zungen / Müssen es denn immer Verbote sein?

Müssen es denn immer Verbote sein?



Rauchen ist böse, Trinken auch. Und Glücksspiel ist es nach Vorstellung von einigen Sittenwächtern auch. Es ist eigentlich etwas absurd: Der Finanzminister möchte gar nicht, dass weniger Menschen rauchen, weil er dann weniger Steuereinnahmen hat, aber dennoch werden seit diesem Jahr Schockbildchen auf die Zigarettenpackung angebracht.

Der europäische Gerichtshof hat entschieden, dass das staatliche Glücksspielverbot in Deutschland so nicht okay ist und die Bundesregierung hat daraufhin – ohne Not – die Glücksspielverordnung sehr weitgehend liberalisiert. Die Casinos lockten daraufhin Vergnügungswillige bisher mit nicht-alkoholischen Freigetränken an. Für Gelegenheitsspieler eine nette Sache: Man setzt sich für den Abend ein Geldlimit und die Getränke gehen sowieso aufs Haus.

ANZEIGE:
eTicket Stadtwerke Schweinfurt

Mal gewinnt man, mal verliert man; wenn man es nicht übertreibt, hält es sich einigermaßen die Wage – für einen Kinoeintritt zahlt man ja auch seinen Preis fürs Entertainment. Oder man überbrückt die Wartezeit zwischen zwei Zügen mit einem kleinen Spielchen im Warmen und einem Freigetränk. Soweit so gut. Nicht aber mit den Sittenwächter in der Schweinfurter Stadtverwaltung. Es musste dieses Jahr eine Verschärfung her, dass die Getränke nicht mehr kostenfrei abgegeben werden dürfen.

Klar, kann bei manchen Menschen ein übertriebener Spielreiz zu so etwas wie einer Sucht führen, obwohl das eigentlich unlogisch ist, weil ein Spielautomat definitiv nicht abhängig machen kann – und ihn zu essen hat wohl auch noch keiner versucht. Aber wenn es so etwas wie Sex- oder Magersucht gibt, dann kann es auch sein, dass eine kleine Personengruppe auf die Automaten „süchtig“ werden kann. Dass in Deutschland viel mehr Menschen von der legalen Droge Alkohol abhängig sind, hat den Gesetzgeber hingegen nicht dahin bewegt, hier sonderliche Einschränkungen vorzunehmen. Die Brauer-, Gastronomen oder Getränkemarktlobby würde auch auf die Barrikaden gehen, wenn hier irgendwelche Initiativen gestartet würden.

Wo wir jetzt zurück zum Glücksspiel kommen: In den letzten Jahren sind die Automaten-Casinos tatsächlich wie die Pilze aus dem Boden geschossen. Ob Magic Casino in der Stadt im Rückertzentrum oder „Löwenplay“ gegenüber vom East, ob Oberndorf, Bahnhofshalle oder Schweinfurter Hafen – überall findet man die Vergnügungsstätten, die – dies muss man auch mal positiv sagen – immerhin Leerstände verhindern.

Nun gibt es zugegebenermaßen einige Leute, die nicht wissen, wann sie aufhören sollen zu spielen – genau wie es welche gibt, die nicht aufhören können zu trinken bis der Krankenwagen kommt oder die sich eine Kippe anzünden, wenn die alte noch brennt. Das ist krank und ekelerregend. Kann es aber dazu führen, dass man immer mit Verboten reagiert? Beispielsweise könnte der Gesetzgeber ja auch sagen, jeder darf pro Woche nur einen Kasten Bier kaufen oder zwei Schachteln Zigaretten. Absurd.

Die Schweinfurter Casinos, wie z. B. Rubino haben auf das Verbot der Stadt Schweinfurt, kostenfrei Getränke abzugeben, so reagiert, dass sie nur den Einkaufspreis von ca. 20 Cent/Glas (ca. 0,3 l) verlangt haben. Was aber wieder die Sittenwächter in der Stadtverwaltung auf den Plan rief. Sie legten nun ihre Verordnung strenger aus, so dass Getränke nun mindestens einen Euro kosten müssen.

Denn meisten Menschen wird das egal sein, weil sie ohnehin nicht in die Spielcasinos gehen. Doch zeigt es eine Mentalität in der Stadtverwaltung, Gewerbetreibenden – und das sind die Casino-Betreiber auch – in ihr Unternehmen mit einem erhobenen Zeigefinger hineinzureden. Denn eine Einschränkung der Unternehmerfreiheit ist es auf jeden Fall. Ein Gastronom darf ja auch entscheiden, ob und zu welchem Preis er seine Speisen oder Getränke verkauft. Wäre ja auch noch schöner. Ist die Einschränkung wirklich geeignet, den Spieltrieb der Bevölkerung zu zügeln? Polemisch gesprochen: Darf dann künftig einer der großen Supermärkte in Schweinfurt seinen Kunden nichts mehr zum Probieren reichen, weil ja dann auch die Gefahr besteht, dass man fettsüchtig wird?

Das Thema ist kontrovers. Mein Kollege meint, Glücksspiel sei gefährlicher als Heroin. Ich halte das, milde gesprochen, für völligen Blödsinn. Wenn man aber manchmal sieht, wie Leute auf drei oder vier Automaten gleichzeitig spielen und zugleich recht ärmlich gekleidet daherkommen, dann kommt man freilich schon ins Grübeln. Das kommt man aber auch bei Kettenrauchern, Alkoholikern und anderen Drogensüchtigen. Soll man alles verhindern, was einem nicht passt? Wenn ja, steht am Ende der Verbotsstaat.

 

gluecksspiele-2

Leichter geht es sicherlich mit dem Bierchen zu Hause zu spielen, z. B. mit dem Spielportal spielautomaten.com.de



Sag uns Deine Meinung zu diesem Artikel!





© 2fly4 - Alle Angaben ohne Gewähr!
Endzeiten der Events sind Schätzungen!
Fotos ggf. beispielhaft!
Kommentare von Lesern stellen keinesfalls die Meinung der Redaktion dar!

#schlauwieharry #Schweinfurt #News #Nachrichten #Veranstaltungen #Events

Lesen Sie auch

Überörtliche, professionelle Autoaufbrecher schlagen weiter zu – Sachbeschädigungsserie in Euerbach geht weiter

SCHWEINFURT - Zu den im gestrigen Pressebericht gemeldeten zwei Autoaufbrüchen in der Straße „An den Brennöfen“ und in Werneck ist jetzt ein weiterer hinzugekommen.

7 Kommentare

  1. Ich betreibe selber seit 25 Jahren Spielhallen in Norddeutschland.
    Es wird seitens der Politik eine regelrechte Hetzjagd gegen uns
    getätigt. Die Suchtpräventionionen in legalen Spielhallen sind um
    einiges besser als in den Spielbanken ( Spieleinsatzlimits, Stundenverlustgrenze,
    sowie absolutes Alkoholverbot)!
    Trotzdem sollen wir enteignet werden, damit der Staat das Monopol hält.
    Es gegt dem Staat nicht um die Spielsucht, die sie uns vorgaukeln, sondern
    lediglich ums Geld.
    Ich finde Ihren Artikel ausgesprochen gelungen, denn er entspricht der Realität.
    Mit freundlichen Grüßen

  2. Gott sei Dank gibt es sie noch. Reporter, die nicht durch die ideologische Brille schauen, sondern mit gesundem Menschenverstand. Und ja, es gibt zur Zeit eine Kultur des Verbiedens und Reklementierens, die besorgniseregend ist. Ich nenne sie „Talibanpolitiker“. Alles was uns nicht gefällt dürfen andere auch nicht.

  3. Markus Hubert

    Aick Jeßberger, Ulrich Schmitt, Patrick Wieauchimmer

  4. Andreas Pracht

    Die Leute haben einfach nichts zu tun … sollen sich mal um wichtigere Dinge kümmern … Ständig diese verbote und regeln … soll doch jeder Mensch für sich entscheiden …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.