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Auf dem Foto: Anlaufstelle in der Krise: Sechs Millionen Kurzarbeitende zählte die Arbeitsagentur auf dem Höhepunkt des Lockdowns im letzten Frühjahr. Besonders betroffen ist nach wie vor das Hotel- und Gaststättengewerbe. Foto: NGG

August-Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent erreichte das Vorkrisenniveau von August 2019


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SCHWEINFURT / MAIN-RHÖN – Mit den Impffortschritten, den weiteren Öffnungsschritten in der Gastronomie sowie dem Handel und der Kulturbranche, schwächten sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön weiter ab. 8.046 Menschen waren im August arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent.

Positiv hervorzuheben ist hierbei allerdings die nur leichte Zunahme von aktuell 327 arbeitslosen Menschen, da im Durchschnitt der letzten 5 Jahre ein Anstieg von deutlich über 640 arbeitslosen Personen im Monatswechsel zu verzeichnen war. „Der saisonübliche Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Sommermonaten ist zu einem nicht unerheblichen Anteil auf die verstärkten Arbeitslosmeldungen von jungen Menschen nach der Ausbildung zurückzuführen. Zudem werden durch die Sommerferien die Einstellungen eher in den September verschoben. Deshalb erwarten wir im Laufe des Septembers, einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit, da die Betriebe verstärkt Einstellungen neuer Mitarbeiter nach der Sommerpause realisieren und der Stellenbestand in diesem Monat ein Allzeithoch erreicht hat“, erläutert Thomas Stelzer, der Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt, die Entwicklung.



Fast alle von der Statistik ausgewiesenen Personengruppen waren im August, im Vergleich zum Vormonat, von der Sommerflaute am Arbeitsmarkt betroffen. Besonders stark war die Personengruppe der jüngeren Menschen (15 bis 25 Jahre) mit einem Anstieg von 207 Personen (29,8 Prozent) vertreten. Auch die ausländischen Mitbürger verzeichneten einen Anstieg von 56 arbeitslosen Menschen (3,8 Prozent). Die Älteren (50 Jahre und älter) verzeichneten ein Plus von 27 Personen (0,8 Prozent). Über alle Personengruppen hinweg waren Frauen besonders stark am Anstieg der Arbeitslosigkeit, mit 226 Personen (6,4 Prozent) gegenüber dem Vormonat, beteiligt.


Im August war dennoch einiges an Bewegung am Arbeitsmarkt zu verzeichnen. Dies spiegelte sich im Zugang aus Beschäftigung und bei den Arbeitsaufnahmen wider. Im August meldeten sich 789 Menschen in Erwerbstätigkeit ab. Die Zugänge aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit lagen mit 852 Personen leicht darüber.

„Noch im Krisenjahr 2020 betrug die Arbeitslosenquote im August 4,0 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank diese um 0,8 Prozentpunkte und die Arbeitslosigkeit ging deutlich um 1.888 Personen zurück. Vergleicht man die aktuellen Arbeitslosenzahlen mit dem August 2019, also vor der Corona-Pandemie, so wurde erfreulicherweise das Vorkrisenniveau erstmalig erreicht. Die Arbeitslosenquote im August 2019 ist mit der Arbeitslosenquote 2021 von 3,2 Prozent identisch“, teilt Stelzer mit.

Arbeitslose Arbeitslosen- Veränderung in %-Punkten

Anzahl absolut Quote zum Vormonat zum Vorjahr

AA Schweinfurt 8.046 3,2 % + 0,1 – 0,8

Stadt Schweinfurt 1.787 6,2 % + 0,3 – 1,4

Lkr. Schweinfurt 1.701 2,5 % + 0,1 – 0,6

Lkr. Bad Kissingen 1.850 3,2 % +/ – 0,0 – 0,6

Lkr. Rhön-Grabfeld 1.319 2,9 % + 0,2 – 0,6

Lkr. Haßberge 1.389 2,8 % + 0,1 – 0,9

Nur noch jedes zehnte Unternehmen zeigte Kurzarbeit an

Erfreulicherweise sanken die Anzeigen zur Kurzarbeit im Berichtsmonat deutlich. Im Vergleich zum Vormonat mit 1.332 Betrieben, gab es einen Rückgang der Anzeigen auf Kurzarbeit auf 1.145 Betriebe (10,6 Prozent der 10.800 Betriebe in der Region Main-Rhön). Gleichzeitig reduzierte sich die Anzahl der Arbeitnehmer von 16.540 auf 15.576. Dies bedeutet, dass für rund jeden elften sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (SvB) (8,8 Prozent der 177.290 SvB) in der Region Main Rhön Kurzarbeit angemeldet wurde. „Die Covid-19-Pandemie hat auch unsere Region mit voller Wucht getroffen. Das Ausmaß der Krise ist historisch. Die Anzahl der Betriebe die Kurzarbeit angezeigt haben lag um ein Vielfaches höher als in den Jahren der Wirtschaftskrise 2008/2009. In der damaligen Finanzkrise wurde am Höhepunkt für 350 Betriebe sowie für 25.500 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt.

Betroffen waren 2008/2009 vor allem die Metallbearbeitung, der Maschinenbau und die Zulieferindustrie für die Automobilbranche in unserer Region. Heute stehen wir vor einer ganz anderen Herausforderung. Wir erleben eine Mischung aus Strukturwandel und der Einschränkungen aufgrund der Pandemie. Der Arbeitsmarkt der Region Main-Rhön hat sich allerdings weitgehend robust gezeigt. Das haben wir allen voran dem Einsatz des Arbeitsmarktinstruments Kurzarbeitergeld zu verdanken. Hierdurch konnten Tausende von Arbeitsplätzen in unserer Region gerettet werden“, erläutert Stelzer.

Eine Anzeige auf Kurzarbeit wird oft auch vorsorglich gestellt. Daraus lässt sich nicht exakt schließen, wie viele Beschäftigte am Ende tatsächlich und in welchem Stundenumfang kurzarbeiten werden. Diese Angaben der Betriebe liegen erst mit Zeitverzögerung vor. Für die tatsächlich eingetretene Kurzarbeit tritt der Betrieb mit der Lohnabrechnung in Vorleistung und muss danach bei der Agentur für Arbeit für den jeweiligen Monat einen Antrag auf die Auszahlung des Kurzarbeitergeldes stellen. Aktuelle Hochrechnungen der amtlichen Statistik der Bundesagentur für Arbeit zur realisierten Kurzarbeit der regionalen Unternehmen liegen deshalb lediglich bis zum Monat April 2021 vor.

Demnach wurde im April für 1.848 Betriebe und 11.810 Beschäftigte Kurzarbeitergeld abgerechnet. Im Vergleich zum Vormonat war dies ein Rückgang von 6 Betrieben, verbunden mit einem deutlichen Rückgang von 1.703 betroffenen Arbeitnehmern. Die Statistik weist seit Ende 2020 die Kurzarbeiterquote aus. Diese berechnet sich als Verhältnis aus der Zahl der Personen in Kurzarbeit, bezogen auf die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Beschäftigungsstatistik. Die Kurzarbeiterquote im April lag über alle Branchen hinweg bei 6,7 Prozent. Dies entsprach dem niedrigsten Wert seit Beginn der Pandemie im März 2020. Den Höchststand erreichte dieser Wert im Mai 2020 mit 21,6 Prozent.

Stellenbestand überholte Vorkrisenniveau und erreicht neuen Höchstwert

Die Vermittlungsfachkräfte im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter hatten im Berichtsmonat 1.250 neue Suchanfragen nach Arbeitskräften von Arbeitgebern entgegengenommen. Das waren 396 Stellen (+ 46,4 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat.

Mit insgesamt 5.794 Arbeitsangeboten im Bestand, stieg dieser im Vergleich zum Vormonat um 285 Stellen (+ 5,2 Prozent) und im Vergleich zum Vorjahr um 2.180 Stellen (+ 60,3 Prozent) an. Im Berichtsmonat 2021 hat der aktuelle Stellenbestand den Stellenbestand im August 2019 (Vorkrisenniveau) mit 5.091 Stellen, um 703 Stellen (+ 13,8 Prozent) überholt. „Die regionale Wirtschaft nimmt Fahrt auf. Die Erholung des Arbeitsmarktes spiegelt sich am Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften deutlich wider. Lediglich 1.435 der Stellenangebote richten sich an Hilfskräfte (25 Prozent aller Stellenangebote). Zu 75 Prozent wurden Fachkräfte oder Spezialisten benötigt. Die Unternehmen unserer Region suchten mit aktuell 3.366 Stellenausschreibungen (58 Prozent aller Stellenangebote) gut ausgebildete Fachkräfte, die restlichen knapp 1.000 Stellenausschreibungen (17 Prozent aller Stellenangebote) richteten sich an Spezialisten bzw. Experten. Der Höchststand der gemeldeten offenen Stellen vom August 2018 mit 5.527 wurde in diesem Berichtsmonat deutlich übertroffen. Dies ist sehr erfreulich. Somit haben die Menschen, die während der Pandemie ihre Beschäftigung verloren haben, wieder zunehmend bessere Chancen einen Arbeitsplatz zu finden“, berichtet Stelzer.

Das Angebot an offenen Ausbildungsstellen war noch breit gefächert

„Das Schuljahr 2020/2021 war für die Schüler*innen und für Mitarbeiter*innen der Berufsberatung der Agentur für Arbeit pandemiebedingt eine ganz neue Herausforderung. Sonst übliche Veranstaltungen und Schülersprechstunden zur Berufsorientierung konnten nicht wie geplant in Präsenz durchgeführt werden. Wichtige Praktika fielen größtenteils aus. Virtuelle Angebote der Berufsberatung im Rahmen des Homeschooling waren in dieser Zeit ein wichtiger Ersatz und konnte viele Schüler*innen bei ihrer Berufswahlentscheidung unterstützen. Aber auch jetzt ist es immer noch möglich, die Entscheidung für einen passenden Ausbildungsplatz zu treffen“, betont Stelzer. Das Angebot an offenen Ausbildungsstellen ist breit gefächert. Jedem noch unversorgten Bewerber standen rechnerisch 4,7 unbesetzte Ausbildungsstellen (August 2020: 3,4; August 2019: 5,1) zur Verfügung.

In nahezu allen Branchen gab es im August noch eine Vielzahl freier Ausbildungsplatzangebote: Zum Beispiel im Handel, der Instandhaltung und Reparatur von Kfz sowie im Baugewerbe mit jeweils 283 Angeboten, im verarbeitenden Gewerbe mit 254 Angeboten, in der Verwaltung mit 117 Angeboten, im Gesundheits- und Sozialwesen mit 102 offenen Angeboten, im Verkehr und der Lagerei mit 51 Angeboten sowie im Gastgewerbe mit 47 Angeboten. „Jugendliche, die in ihrem Berufswunsch noch unentschlossen sind, können am 17. September ab 12:00 Uhr in Schweinfurt auf dem Schillerplatz die „Last-Minute-Ausbildungsplatz-Börse“ besuchen. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, die Stadt Schweinfurt, die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt sowie die Handwerkskammer für Unterfranken haben gemeinsam eine „Last-Minute-Ausbildungsplatz-Börse“ ins Leben gerufen. Junge Menschen, die noch auf der Suche nach einer Ausbildung für 2021 sind, können sich an diesem Nachmittag persönlich beraten lassen und ihre Ausbildungswünsche besprechen. Die „Last-Minute-Ausbildungsplatz-Börse“ bietet Jugendlichen noch in diesem Jahr eine Chance auf ihren Wunschausbildungsplatz“, informiert Stelzer.

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres waren noch 266 junge Menschen auf der Suche nach einer Lehrstelle. Auf der anderen Seite waren noch 1.253 Lehrstellen unbesetzt. Die Zahl der Jugendlichen, die noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle waren, lag im August um 85 Personen (- 24,2 Prozent) niedriger als im Vorjahr. Dagegen lag die Zahl der bis zum Berichtsmonat unbesetzten Ausbildungsstellen um 50 Stellen (+ 4,2 Prozent) höher als im letzten Jahr.

IAB-Arbeitsmarktbarometer auf Rekordhoch

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer erreicht im August mit 107,6 Punkten ein neues Allzeithoch. Gegenüber dem Juli kletterte der Wert um 0,8 Punkte. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) signalisiert, dass sich der Arbeitsmarkt weiterhin auf einem Erholungskurs befindet. Die Aussichten auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit und der Beschäftigung sind sehr positiv. „Der Optimismus der Arbeitsagenturen wächst trotz der anrollenden vierten Corona-Welle. Dafür verantwortlich seien auch die Impffortschritte und der wirtschaftliche Aufschwung. Entscheidend für die weitere Erholung des Arbeitsmarkts ist, ob die Pandemie ohne neuerliche gravierende Einschränkungen kontrolliert werden kann“, so ein Experte des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“.

„Es ist zu erwarten, dass die alljährliche Herbstbelebung auf dem regionalen Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten einsetzen wird. Insbesondere werden die Ausbildungsabsolventen sowie viele Frauen in Erziehungs- und Lehrberufen, Arzt- und Praxishilfen, sowie Bürofachkräfte nach den Betriebsferien eine neue Stelle antreten. Allerdings sind die Auswirkungen einer möglichen vierten Corona-Welle sowie die aktuellen Probleme in den Lieferketten der Wirtschaft weitere Herausforderungen für den Arbeitsmarkt der Region Main-Rhön“, fügt Stelzer hinzu.


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