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Konjunkturzahlen im unterfränkischen Handwerk: Es war auch 2012 der stabilisierende Faktor der Wirtschaft – aber so langsam gehen die Lehrlinge aus


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UNTERFRANKEN – Das unterfränkische Handwerk freut sich über ein sehr stabiles Jahr 2012. Im Jahresdurchschnitt gaben 88 % der unterfränkischen Handwerksbetriebe an, mit der Geschäftslage zufrieden gewesen zu sein. Durchschnittlich 46 % bewerteten das vergangene Jahr sogar mit der Bestnote „gut“. In Bezug zum ifo-Geschäftsklimaindex des vergangenen Jahres zeigt sich deutlich: Das Handwerk war der stabilisierende Faktor für die Wirtschaft.

„Das Jahr 2012 war ein gutes für das unterfränkische Handwerk“, resümiert Hugo Neugebauer, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken. Das Geschäftsklima wurde vom ersten bis zum dritten Quartal 2012 immer besser bewertet, bis im vierten Quartal ein leichter Stimmungsabschwung zu verzeichnen war. Im vierten Quartal sagten 86,8 % der Betriebe aus, mit der aktuellen Konjunktur zufrieden zu sein. Dennoch: In Bezug zum ifo-Geschäftsklimaindex, der von April an sechs Monate in Folge verlor, zeigte das Handwerk seine ganze Stabilität. Momentaufnahme drittes Quartal 2012: Der ifo-Geschäftsklimaindex fällt von 103,2 Punkten im Juli auf 101,4 Punkte im September. „Im selben Zeitraum attestierten jedoch  90 % aller unterfränkischen Handwerksunternehmen, mit ihrer Geschäftslage zufrieden zu sein“, so Hugo Neugebauer. Sicherlich ist ein Vergleich einer bundesdeutschen Kennzahl mit einer regionalen schwierig und nicht eins zu eins plausibel, doch zeigt sie eines sehr gut: „Der Wirtschaftszweig Handwerk ist konstanter aufgestellt, nicht so großen Schwankungen unterworfen und damit eben ein stabilisierender Faktor unserer Gesamtwirtschaft“, so der Handwerkskammer-Präsident. Mit durchschnittlich 77,5 % Kapazitätsauslastung und einer Auftragsreichweite von durchschnittlich 8,8 Wochen war auch im Jahr 2012 eine solide Basis für die gute Geschäftsklimalage gegeben.





Die Stimmungslage für das erste Quartal 2013 hat sich bei den unterfränkischen Handwerksbetrieben nach dem wirklich guten Jahr 2012 etwas eingetrübt. „Dennoch sind die Erwartungen immer eine kleine Momentaufnahme, sie fallen für ein erstes Quartal erfahrungsgemäß immer etwas negativer aus. Die Stimmung kann sich im folgenden Quartal schnell wieder aufgehellt haben“, weiß Hugo Neugebauer. Insgesamt gehen 19,4 % der Betriebe im ersten Quartal 2013 von einer schlechteren Konjunkturlage aus. Gerade das Bauhauptgewerbe, dessen Betriebe aktuell für das vierte Quartal 2012 zu fast 90 % zufrieden sind, erwartet für das erste Quartal 2013 ein schlechteres Konjunkturklima: Fast 21 % gehen davon aus. „Das verwundert wirklich nicht“, so Hugo Neugebauer, „die Blockadehaltung der Länder im Vermittlungsausschuss beim Gesetz zur energetischen Gebäudesanierung und die aus handwerklicher Sicht ungerechten Umlagen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) tragen sicherlich dazu bei, dass unsere Betriebe des Bauhauptgewerbes skeptischer als im vergangenen Jahr  in die Zukunft blicken.“  Es hat sich 2011 und 2012 bereits gezeigt und wird sich auch 2013 bewahrheiten: Die Menschen investieren wieder mehr, die Zinsen sind niedrig, die Arbeitslosenquote gering. „Wir werden sicherlich nicht noch einmal so ein fulminantes Jahr wie die Jahre 2011 oder 2012 erleben. Dennoch gehen wir davon aus, dass der Geschäftsklimaindex im unterfränkischen Handwerk auch 2013 ein gutes Niveau erreichen wird“, erklärt der Handwerkskammer-Präsident.


Bis auf die Region Main-Rhön mit 81,8 % zufriedenen Betrieben im vierten Quartal (viertes Quartal 2011: 91,2 %) konnten sich die Regionen Würzburg und Bayerischer Untermain leicht verbessern. „Main-Rhön mit der Stadt und dem Landkreis Schweinfurt ist stark industriell geprägt. Zwar geht auch das ifo-Institut von einem moderaten Wachstum der Industrie im Jahr 2013 aus, doch die Unternehmen in Unterfranken stellen sich bereits auf mögliche Kurzarbeit ein.“ So haben laut Agentur für Arbeit Würzburg im Oktober 2012 22 Unternehmen mit insgesamt 905 Arbeitnehmern Kurzarbeit angezeigt, im November 2012 bereits 25 Unternehmen mit 2038 Arbeitnehmern. Die Steigerung könne auf die industriellen Großunternehmen, auch aus dem Schweinfurter Bereich, zurückzuführen sein. „Gerade handwerkliche Zulieferer des industriellen Bereichs betrachten sehr genau die Lage der Industrie. Wissend um die Auswirkungen des Krisenjahrs 2009 schätzen sie ihre Zukunftsprognosen eher verhaltener ein“, sagt der Handwerkskammer-Präsident. Positiv die Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), das vergangene Woche mitteilte, die deutsche Gesamtwirtschaft werde wieder auf Touren kommen. Dr. Ferdinand Fichtner, Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik am DIW Berlin in einer Mitteilung: „Wir erwarten, dass die deutsche Wirtschaft schon in der zweiten Jahreshälfte 2013 einen Zahn zulegen wird. […] Das heißt: Dann brummt der Laden in Deutschland wieder.“ Auch deshalb geht die Handwerkskammer für Unterfranken davon aus, dass sich die durchschnittliche wirtschaftliche Situation der unterfränkischen Handwerksbetriebe nicht grundlegend ändern wird. „Unsere Betriebe wirtschafteten zwei Jahre lang auf einem Niveau, das es seit über 20 Jahren nicht gab. So ist jetzt im Winter eine leichte Konsolidierungsphase nur natürlich.“

Die Handwerkskammer für Unterfranken verzeichnet zum 31. Dezember 2012 3002 eingereichte Lehrverträge. Das bedeutet im Jahresvergleich 2012 zu 2011 ein Minus von 5,6 %. Gründe sind vor allem der demographische Wandel und die zunehmende Akademisierung in der deutschen Gesellschaft. Dennoch ist die Handwerkskammer mit diesem Ergebnis zufrieden, denn auch unter den besser qualifizierten Schulabgängern findet Handwerk immer mehr Interesse.

„So langsam gehen unseren Betrieben die Lehrlinge aus“, bringt es Rolf Lauer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken, auf den Punkt. Insgesamt registriert die Handwerkskammer 3.002 neue Lehrverträge im Jahr 2012, was einem Minus von 5,6 % gegenüber 2011 entspricht. Die Diskrepanz zwischen den Stellenangeboten und der Nachfrage bei den Jugendlichen wird immer größer. „Ende Dezember 2012 haben wir alleine in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer schon über 1.100 freie Stellen für 2013 im unterfränkischen Handwerk gelistet“, so Rolf Lauer. Und weiter: „Alleine im Jahr 2012 hätten schätzungsweise über 1.000 weitere Ausbildungsplätze besetzt werden können, wenn es geeignete Bewerber gegeben hätte. Das ist eine Entwicklung, die uns sehr große Sorge bereitet. Denn weniger Auszubildende bedeuten weniger Gesellen. Weniger Gesellen heißt mittelfristig weniger Meister. Und weniger Meister bedeuten weniger Betriebe. Die Versorgungssicherheit der Bevölkerung sehen wir in einigen Gebieten mittelfristig als gefährdet an.“

Als Gründe erkennt die Handwerkskammer vor allem den demographischen Wandel und den – auch durch die OECD vorangetriebenen – Akademisierungswahn in Deutschland. „Weniger Schüler heißt: weniger Schulabgänger und damit weniger Jugendliche, die eine Ausbildung absolvieren können. Gehen von diesem weniger gewordenen Klientel vermehrt Schüler auf weiterführende Schulen oder ans Gymnasium, dann wird es eng für die duale Ausbildung“, so der Hauptgeschäftsführer. Diese Entwicklung unterstreicht die geringe Zahl an neuen Auszubildenden mit dem Abschluss der bayerischen Mittelschule: Den Handwerksbetrieben fehlten  genau 228 Schulabgänger aus der Mittelschule im Vergleich zu 2011. Dabei stehen gerade im Handwerk vielfältige Karrieremöglichkeiten bereit. „Unsere Ausbildungsberatung gibt hier jede erdenkliche Unterstützung“, so Rolf Lauer.

Hatten 2008 noch 67,8 % der Auszubildenden im unterfränkischen Handwerk einen Hauptschulabschluss, sind es 2012 noch 60,1 %, was einem Rückgang von 7,7 Prozentpunkten entspricht. Dagegen stieg der Anteil der Schüler mit mittlerer Reife von 22,8 % im Jahr 2008 auf 30,3 % im Jahr 2012. Auch der Anteil der Abiturienten steigerte sich von 3,3 % (2008) auf 5,6 % (2012). „Diese Entwicklung überrascht uns nicht“, weiß Rolf Lauer, „die Anforderungen in den Handwerksberufen werden immer komplexer, die Anforderungen an die Auszubildenden steigen.“ Zudem habe die Handwerkskammer in den vergangenen Jahren die Nachwuchswerbung kontinuierlich ausgebaut. „Gerade 2012 haben wir intensiv mit unseren Programmen „Realschule trifft Handwerk“ und „Ferienwerkstatt für Realschüler“ die guten Karrieremöglichkeiten im Handwerk auch und gerade für diese Schülerinnen und Schüler aufgezeigt“, so Rolf Lauer*. Für Studienabbrecher startete die Handwerkskammer das „Karriereprogramm Handwerk“, ein bundesweites Pilotprojekt, mit dem Studienabbrecher eine verkürzte Ausbildung im Handwerk absolvieren können.

Zudem habe die 2010 gestartete Imagekampagne des deutschen Handwerks durchaus Erfolge gezeigt. In der Umfrage aus dem Frühjahr 2012 sagten 63 Prozent der Befragten, dass sie in letzter Zeit vom Handwerk gehört oder gelesen hätten. 2011 waren es 57 Prozent.
Vor allem Jugendliche haben das Handwerk immer stärker im Blick. 54 Prozent der 14- bis 18-Jährigen haben das Handwerk zuletzt wahrgenommen, und damit deutlich mehr als im Vorjahr (40 Prozent).  55 Prozent der Jugendlichen sehen das Handwerk als „zukunftsorientiert“ (2011: 40%), 53 Prozent als innovativ (2011: 40%) und mit modernster Technik ausgestattet an. Selbst der Anteil derjenigen, die dem Handwerk die „Erfindung neuer Produkte“ zutraut, ist um die Hälfte von 24 auf 36 Prozent gestiegen.

Regional zeichnen sich stärkere Unterschiede bei den Ausbildungsverträgen ab. Die Region Bayerischer Untermain (Aschaffenburg Stadt und Landkreis, Miltenberg) stellt einen Rückgang von 7,1 % im Vergleich zum Vorjahr fest, wobei Miltenberg mit 11,6 % einen massiven Rückgang zu verzeichnen hat. „Hier liegt der Hauptgrund in der demographischen Entwicklung. Weniger Mittelschul-Abgänger heißt, weniger Auszubildende im Handwerk mit Mittelschulabschluss. Zudem sind in dieser Region weniger Ausbildungsangebote für Mädchen auf dem Markt“, so Rolf Lauer.  In der Region Würzburg (Würzburg Stadt und Landkreis, Kitzingen, Main-Spessart) verzeichnet die Handwerkskammer ein Minus von 8,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem in der Stadt Würzburg ( – 10,7 %) und im Landkreis Würzburg ( – 11,1 %) ist ein niedriger zweistelliger Rückgang festzustellen. Rolf Lauer: „In Würzburg gibt es ein breites und attraktives Ausbildungsplatzangebot und damit einen sehr großen Wettbewerb verschiedenster Bereiche um potenzielle Auszubildende. Somit sind die Zahlen sicherlich verständlich.“

Die Region Schweinfurt / Main-Rhön (Schweinfurt Stadt und Landkreis, Kissingen, Hassberge, Rhön-Grabfeld) verzeichnet mit einem Minus von 1,6 % den geringsten Verlust an Ausbildungsverträgen im Vergleich zum Vorjahr. Maßgeblich tragen dazu die Ergebnisse aus der Stadt Schweinfurt (+ 8,5 %) und dem Landkreis Schweinfurt (+ 6,5 %) bei. „Hier haben wir ein starkes Plus bei den Auszubildenden ohne Schulabschluss und zudem bei den Realschülerinnen und Realschülern.“ Dagegen muss Rhön-Grabfeld ein Minus von 15 % beklagen. „Auch hier zeigt sich ganz klar der demographische Wandel.“

„Es wird leider eine Tatsache sein: In den kommenden Jahren werden wir weiter mit rückläufigen Zahlen an Auszubildenden rechnen müssen. Dem demographischen Wandel können wir nicht entgegensteuern“, blickt Rolf Lauer in die Zukunft, formuliert jedoch auch ein gesellschaftspolitisches Ziel: „Wir müssen in Politik und Gesellschaft dem Akademisierungswahn entgegenwirken. Wir müssen den Menschen klar und deutlich sagen: Wenn es immer weniger Auszubildende im Handwerk gibt, steht die Versorgungssicherheit auf dem Spiel. Waren insgesamt 2005 im unterfränkischen Handwerk noch 9.749 Auszubildende beschäftigt, registriert die Handwerkskammer 2012 noch insgesamt 8.350 Auszubildende.“ Alleine bei den Auszubildenden im Lebensmittelhandwerk beispielsweise ist ein klarer Trend zu erkennen: In einem Zeitraum von nur sieben Jahren, von 2005 bis 2012, hat sich die Anzahl derjenigen, die eine Metzgerausbildung begonnen haben, unterfrankenweit von 88 auf 40 mehr als halbiert. Die Bäcker erleben einen Einbruch von 159 auf nur noch 82 Ausbildungsbeginner. Das ist ebenfalls fast die Hälfte. Auch bei den Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk sieht es ähnlich aus. Rolf Lauer: „Hier müssen wir alle daran arbeiten, diesen Trend entgegenzuwirken.“ Und weiter: „Ich habe viel von den negativen Strömungen gesprochen, möchte aber zum Schluss an die Eltern schulpflichtiger Kinder und an die Jugendlichen selbst appellieren: Durch die aufgezeigte Entwicklung hat natürlich derjenige, der sich für eine Karriere im Handwerk entscheidet, enorme Aufstiegschancen. Ein Drittel der unterfränkischen Betriebsinhaber ist über 50 Jahre alt. Bereits heute sind in der Betriebsbörse der Handwerkskammer fast 50 Handwerksbetriebe registriert, die einen Nachfolger suchen. Wer sich also jetzt für eine Ausbildung im Handwerk entscheidet, hat gute Möglichkeiten, seinen individuellen Karriere-Turbo im Handwerk zu starten.“


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