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Mainfränkischer Mittelstandstag 2014: „Nicht mit Steuern steuern!“


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MAINFRANKEN – Der achte Mainfränkische Mittelstandstag der IHK Würzburg-Schweinfurt beschäftigte sich mit dem Zusammenspiel von Staat und Markt. Das Zusammenwirken von Wirtschaft und Politik und die Grenzen dieser Kooperation standen im Mittelpunkt des diesjährigen Mainfränkischen Mittelstandstages der IHK Würzburg-Schweinfurt. Rund 150 Gäste begrüßte IHK-Präsident Dieter Pfister mit dem Hinweis: Während die 1990er Jahre einen Trend zur Privatisierung und zur Deregulierung erlebten, werde spätestens seit der Finanzkrise ab 2008 der Ruf nach der „helfenden Hand des Staates“ stärker: „Das Pendel zwischen Wirtschaft und Staat schlägt weltweit deutlich in Richtung Staat aus.“

Der Ökonom und Wirtschaftsethiker Professor em. Dr. Karl-Heinz Brodbeck erläuterte die ethischen Aspekte im Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik. Der Grundsatz, dass der Staat Regeln schaffe und dass diese Rahmenbedingungen in der Marktwirtschaft eingehalten werden, sei in einer globalisierten Welt nur schwer umsetzbar. Es fehle schlicht an Institutionen, die das Einhalten von Regelungen und deren Durchsetzung international verbindlich garantieren können.


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Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler Deutschland e. V., Berlin, stellte fest: „Seit den 50er Jahren haben wir keine höheren Mehreinnahmen durch Steuern genutzt, um das Ausgabenproblem des Staates strukturell anzugehen.“ Vielmehr beobachte er: „Steigen die Steuereinnahmen, steigen überproportional auch die Ausgaben.“ Die Mehrausgaben habe man dann mit Neuverschuldung gestopft. Mit der Schuldenbremse würde man nun wenigstens versuchen, den Pfad der permanenten Verschuldung zu stoppen. Dafür lange die „Krake“ aber an andere Stelle in die Taschen. Aktuell habe Deutschland 2.048 Mrd. Euro Schulden. „Dafür zahlen wir jede Sekunde 439 Euro Zinsen.“

Holznagel kritisierte ferner das deutsche Steuersystem, das zwar ertragreich, aber auch kompliziert sei. „Alleine die Erledigung der Einkommensteuererklärung verursacht jährlich 55 Millionen Stunden Aufwand.“ Es sei daher dringend nötig, es zu vereinfachen. Dazu gehöre beispielsweise, Bagatellsteuern abzuschaffen oder Gesetze mit Verfallsdatum zu belegen. Rechtssicherheit, Verständlichkeit und eine gerechte Ausgestaltung bei soliden Staatseinnahmen nannte Holznagel als Grundanforderungen für ein gerechtes Steuersystem. Vor allem solle man aber nicht versuchen, mit neuen Steuern die Wirtschaft zu steuern, wie etwa mit der Finanzmarkttransaktionssteuer oder der Kernbrennstoffsteuer.


Dr. Daniel Dettling, Zukunftsinstitut GmbH, Frankfurt am Main, wagte einen Blick auf die Politik und Wirtschaft von morgen. Der Zukunftsforscher erwartet, dass die Welt von morgen von Megatrends wie Feminisierung, Bildung oder einer neuen Arbeitswelt geprägt sein wird. Das Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft werde ergänzt durch das Zutun von Unternehmen und Zivilgesellschaft, um langfristig in eine Phase des kreativen Kapitalismus zu kommen – in der Arbeit- und Berufswelt verschmolzen sind, eine Entlohnung durch eine Mixtur aus Geld, Zeit und Sinn erfolge, neue Berufsbilder existieren und das weibliche Geschlecht das Wirtschaftsgesehen dominiert.

Der Mainfränkische Mittelstandstag ist seit 2007 fester Bestandteil des Jahresprogramms der mainfränkischen Industrie- und Handelskammer.

Auf dem Bild: Die Referenten des Mainfränkischen Mittelstandstags Reiner Holznagel (3. v. l.), Professor em. Dr. Karl-Heinz Brodbeck (4. v. l.) und Dr. Daniel Dettling (5. v. l.) gemeinsam mit den Gastgebern IHK-Präsident Dieter Pfister (links), Professor Dr. Ralf Jahn, IHK-Hauptgeschäftsführer (2. v.l.) und Dr. Sascha Genders, IHK-Bereichsleiter Existenzgründung und Unternehmensförderung (rechts).
Bild: IHK



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