Home / Corona-Krise / Der Kommentar zum Aus von zwei „Traditionen“: Corona hat nicht an allem die Schuld!

Der Kommentar zum Aus von zwei „Traditionen“: Corona hat nicht an allem die Schuld!


Beständig

STADT UND LANDKREIS SCHWEINFURT – Zwei Nachrichten der letzten Tage haben einschneidende Auswirkungen in dieser gar nicht schönen Zeit, in der alles gefühlt irgendwie anders ist als sonst. Die Krise hat zwei etablierte Namen getroffen, beide vor dem Aus stehend. Und beide auch kaum wegzudenken in der Region Schweinfurt?

Sowohl die Wernecker Brauerei als auch der gute alte Schweinfurter Anzeiger nennen das Virus als Grund für das Ende. Der Mittwochs-SAZ fühlt sich von der Pandemie „durcheinander gewirbelt“ und als Zeitungsverlag „davon betroffen“, schreibt man auf der Titelseite des letzten Sonntags-Anzeigers in der Rubrik „In eigener Sache“, weshalb man künftig unter der Woche nicht mehr erscheinen wird.


Tierheim Schwebheim

Die Wernecker Familie Lang verabschiedete sich in einem persönlichen, langen und unter die Haut gehenden Abschiedsbrief von ihrer Brauerei. Dem Kampf gegen Corona werde man sich nicht mehr stellen, es fehle die Kraft. Alle Veranstaltungen der nächsten Zeit seien abgesagt, viele große Zeltfeste, in denen hunderte Menschen Bier trinken. Aktuell und wohl noch für längere Zeit ist das auch in den Gaststätten nicht mehr möglich. Wie dann überleben?

Aber seien wir ehrlich: Corona hat in beiden Fällen nicht alleine die Schuld. Der Verfasser dieser Zeilen kennt die guten, alten Zeiten beim SAZ aus über zehn Jahren der hauptberuflichen Mitarbeit dort. In den 90er Jahren, als die Bilder noch Schwarz-Weiß waren, wurde alles zu Gold, was Verleger Gerhard Hertlein damals anpackte. Als er nach der Jahrtausendwende sein „Händchen“ verlor (und den FC Schweinfurt 05 in die vor Corona tiefste Krise der Vereinsgeschichte stürzte), zeichnete sich so langsam die Talfahrt des Anzeigers ab.


In den 90er Jahren hatte die Mittwochs-Ausgabe oft 40 Seiten. Als Sonntags-Zeitungen erlaubt wurden, war der SAZ gleich von Beginn an dabei. Damals wurde samstags mit Leidenschaft, Enthusiasmus und zahlreichen Überstunden bis in die Nacht gearbeitet, damit die Leser Sonntag vor allem das aktuelle Lokalsport-Geschehen vom Wochenende gratis ins Haus bekamen.

Ein paar Jahre später übernahm der Telefonbuch-Verlag Müller aus Nürnberg. Nach und nach wurde die Redaktion abgebaut, später mit dem Markt teilweise zusammen gelegt. Irgendwann erschien man nicht mehr Sonntag aktuell, sondern schon Samstag – und ohne die Berichte von den Spielen der Schnüdel oder aus der Fußball-Bundesliga.

Die aktuelle Wochenend-Ausgabe, auf dem man sich künftig konzentrieren werde, als Reaktion auf „ein verändertes Freizeit- und Informationsverhalten“ der Leser, ist bezeichend: Acht dünne Seiten, inhaltlich fast nur Konserven und Beiträge, die man überall anders schon lesen konnte, in erster Linie im Internet, mit dem man sich stets schwer tat beim SAZ.

Als Krönung wird auf einer halben Gastronomie-Seite darauf hingewiesen, dass diverse Restaurants und Wirtshäuser geöffnet haben. Auf der Titelseite heißt es groß als Aufmacher: „Wir helfen alle zusammen! Die Region muss sich keine Sorgen machen!“ Mit Verweis auf die letzte Seite -8-. auf der dann ohne redaktionellen Text auf Geschäftsschließungen hingewiesen wird – mit Anzeigen und einer, in der ein Grieche auf seine neuen Essenszeiten hinweist.

Nichts passt da besser als der zusätzliche Hinweis vorne bei „In eigener Sache“: Man weist darauf hin, dass auch künftig immer wieder Fotos erscheinen, „auf denen mehrere Personen in trauter Gesellschaft“ zu sehen sind. Diese wären …“ schon vor den erlassenen Restriktionen aufgenommen“. Der SAZ bekennt sich also auf der Titelseite dazu, dass er auch künftig mit Wochen altem Material Werbekunden anlocken will.

Dieser Schweinfurter Anzeiger war auch das Haupt-Werbemedium der Wernecker Brauerei. Wann immer der Bierlieferant eine neue Gaststätte übernahm oder ein neuer Pächter begrüßt wurde, durfte der SAZ berichten und vergaß es der Senior-Chef, junge, dynamische Online-Medien einzuladen.

In der Wochenzeitung erschien dann neben einer bezahlten Anzeige der Brauerei meist ein Bild mit fünf Personen nebeneinander, wenig zu sehen von der Gaststätte, schon gar keine Bilder von leckeren Speisen, um die es ja geht und die Gäste anlocken sollen. Dazu ein paar karge Zeilen. Jahrelang erhoffte man sich so volle Wirtshäuser. Nun schreiben die Wernecker im Abschiedsbrief von schon länger bekannten massiven Problemen zahlreicher Gastronome. Mag es vielleicht auch am fehlenden Werbekonzept gelegen haben und noch liegen?

Die Wernecker hatten ein paar Jahre lang das beste Bockbier der gesamten Region, brauten es aber einfach die letzten zwei Jahre nicht mehr. Unter der zweiten Marke FRANKONIA kreierte man dafür ein Clanbier, führte mit der Spezialität die irische, schottische und fränkische Kultur zusammen, vergaß aber, dieses Bier bei der Einführung zu bewerben oder zumindest den Medien anzukündigen. Gerade dieses Portal SW1.News hätte jederzeit gerne einen Beitrag gebracht…

Auf der Homepage der Brauerei finden sich heute noch unter den Events die Ankündigung der Wernecker Bierwoche 2018 in Stettbach und die Übertragung der Fußball-EM 2016 via Public Viewing in der Lkw-Halle. Internet? Online? Spielte für die Familie Lang leider nie eine Rolle!

Und deshalb verschwindet nach der Werner Bräu in Poppenhausen und dem Brauhaus Schweinfurt nun schon wieder eine der ohnehin wenigen in der Region Schweinfurt. Bleiben noch Rothbier der Familie Borst in Schweinfurt und Uli Martins kleine, aber anerkannte Brauerei in Hausen bei Schonungen.

Wenn die Zahlen noch aktuell sind: Elf Brauereien gibt es im Bamberger Stadtbereich und rund 60 Brauereien im nahen Bamberger Land. Alleine in der Gemeinde Memmelsdorf sind es fünf Brauereien, in Aufseß im Landkreis Bayreuth vier – bei weniger als 1300 Einwohnern.

Corona wird die ein oder andere Brauerei in Franken sicherlich an die finanziellen Grenzen bringen oder darüber schubsen. In Werneck freilich kämpfte man schon länger. Wenn über 70 Brauereien in und um Bamberg bislang überleben konnten – und in vielen der Gaststuben dort ist oft die Hölle los – wie kann es dann sein, dass in es in Stadt und Landkreis Schweinfurt nun nur noch zwei gibt? Trinkt der Schnüdel wirklich so wenig Bier? Oder ist doch nicht alleine ein Virus daran schuld, wenn ein Unternehmen oder ein Produkt den Bach runter gehen?

Michael Horling
redaktion@sw1.news



Heute mal ausgehen/bestellen? Wie wäre es mit:
Eisgeliebt
Gastro-Musterbanner
Pure Club
Maharadscha
Yummy
Ozean Grill
Du willst hier auch DEINE Werbung sehen?








© 2fly4 - Alle Angaben ohne Gewähr!
Endzeiten der Events sind Schätzungen!
Fotos ggf. beispielhaft!
Kommentare von Lesern stellen keinesfalls die Meinung der Redaktion dar!

#Schweinfurt #News #Nachrichten #Veranstaltungen #Events

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.