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Reiner Neumann in Gochsheim: „Das hier darf auch gerne etwas Längeres sein!“


Keiler

GEROLZHOFEN / GOCHSHEIM – Dass Reiner Neumann am 19. Juli 63 Jahre alt wird, glaubt ihm eigentlich niemand. Der neue Fußball-Trainer des TSV Gochsheim, der als Nachfolger von Dominik Ruh künftig das Gespann mit Stefan Riegler bildet, wirkt mit durchtrainiertem Körper wie maximal Mitte 55. Wenn überhaupt. Was beim Vorstellungsgespräch mit ihm auch gleich auffällt: Ihm sind die Mitstreiter wichtig.

Selbst Fitnesstrainer Olaf Bertling muss unbedingt erwähnt werden neben Riegler, Daniel Grabarac, Patrick Ebert und Marco Kuhn, die alle zum Team gehören, das den Landesliga-Neuling anleiten soll. „Der TSV Gochsheim ist schon sehr professionell aufgestellt“, lobt Neumann, „sowas habe ich auf meinen Stationen bisher nicht immer erlebt. Oft war ich der Alleinunterhalter“, sagt er und erwähnt natürlich auch Dominik Ruh für „sieben Jahre gute Arbeit“.


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Ohne den scheidenden Coach wäre der noch 62-Jährige vielleicht eher schon beim TSV gelandet. „Abteilungsleiter Achim Eisend hat mal zu mir gesagt, dass ich der Erste bin, den sie fragen, wenn sie mal einen suchen“, verrät Neumann schmunzelnd, „aber ich habe ihm damals geantwortet, dass ich das nicht glaube!“ Es kam aber so – und damit zahlten sich viele Besuche in Gochsheim aus, unter anderem als Zuschauer bei den Relegationspartien 2018 und 2019, „und weil ich den attraktiven Fußball hier schon immer gerne angeschaut habe“.


Seit rund zehn Jahren wohnt Reiner Neumann in Gerolzhofen, vorher war er längere Zeit in Geiselwind zuhause. So erklären sich auch viele seiner Stationen über all die Jahre. Fußball spielte er selbst erst ab dem Alter von 14, vorher war er Geräteturner. Die Jugend in Gerolzhofen beim FC, danach Frankenwinheim, Brünnau, Wiesentheid, Wiesenbronn, Geiselwind, Schwebheim, mit 36 nochmal Gerolzhofen in der Bezirksliga.

Es folgten schnell Trainerstationen. Fünf Jahre A-Jugend beim FC Geo, drei Meisterschaften, zwei zweite Plätze. Dann Greuther Fürth mit unter anderem Keeper Felix Hörrlein als sein Schützling. „Danach wollte mich der 1. FC Nürnberg, aber für 450 Euro bei fünf Mal Training die Woche“, erzählt er. Er lehnte ab, würde es heute vielleicht nicht mehr machen. Und parallel eventuell eher seine A-Lizenz erwerben, was er 2004 tat.

Weiter ging´s mit immer mal wieder Stationen in Wiesentheid im Nachwuchsbereich, wo auch sein heute 27 Jahre alter Sohn Tim spielte, inzwischen Silberschmied in Hanau, als Leichtathlet einst der schnellste 12-Jährige in Deutschland über 75 Meter. Das aber ist eine eigene Geschichte. Wie auch die, dass Reiner Neumann mal Leichtathletik-Trainer war und selbst als Staffellläufer, erst mit der TG 48 Schweinfurt, später mit der TG Kitzingen, in der Senioren-Nationalmannschaft rannte. Und bei einer EM in Italien sogar in die Medaillenränge kam. Weit- und Dreisprung ist ebenso sein Ding. Fitness natürlich auch. Seit 40 Jahren. „Kein Bodybuilding, nur auf Erhalten“, sagt er und lacht. Man sieht´s.

Der Trainer Reiner Neumann: Beim Würzburger FV war er lange im Nachwuchsbereich aktiv, hatte da auch Irnes Husic unter sich, nun Zugang beim TSV. Zweiter in der A-Jugend-Bayernliga hinter Jahn Regensburg wurden die Würzburger mal. Nach der Trennung von Stefan Heissler coachte er zusammen mit Hans-Jürgen Schäffer sogar die erste Mannschaft über einen Zeitraum, kann sich an ein 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg 2 erinnern, bei dem ein gewisser Stefan Kießling spielte.

Auch bei den Schnüdeln war Neumann mal aktiv als Trainer: In der U19 natürlich, die Zweiter wurde. Trotzdem wollte ihn der FC 05 nicht mehr. „Der Diskothekenbesitzer“ habe ihn rausgeworfen, ihm das auf der Heimfahrt über Autotelefon mitgeteilt. Mutmaßlich der damalige Vorstand Edgar Gleinser. Mit Namen hat es der 62-Jährige nicht so. Wilde Zeiten bei Grün-Weiß waren es damals aber eh.

Neumann erinnert sich, dass Wolfgang Hau, Coach der ersten Mannschaft, zum Saisonfinale aus der Jugend vier seiner Spieler zu den Herren hochholte. Florian Hetzel, Fabian Benkert und Peter Mrugalla sollen es gewesen sein. Und Wladimir Slintchenko oder Mirza Mekic, der mit Irnes Husic nun aus Euerbach nach Gochsheim kommt. Alles Vergangenheit.

Wie auch Wiesentheid als nächste Station im Trainerleben. Wieder Nachwuchs. Es folgte Untereisenheim, erste Mannschaft, Erwachsene. Nach eineinhalb recht erfolgreichen Jahren die Rückkehr nach Wiesentheid. Dann Gerolzhofen. Wieder die Erste als Nachfolger von Udo Romeis. Und wieder ein Ende nach nicht zwei Spielzeiten. „Weil der Verein dachte, unter einem anderen Trainer steigt er nicht ab!“ Tat er dann doch. Mit Robert Tioka-Wirth ging´s in die Kreisliga, FC-Heimat bis heute.

Reiner Neumann ging zum Würzburger FV. Wieder Jugend. Danach FV Karlstadt, Bezirksliga Unterfranken West, eine im sich Auflösen begriffene Mannschaft. Abstieg und der Wechsel zur neuen SG SpVgg Untersteinbach /SC Geusfeld mit einem ordentlichen Kreisklassen-Platz vor dem neuen Engagement nun in Gochsheim.

Und das darf… „gerne etwas Längeres sein“, sagt er und verweist auf „unergründliche Geschichten“, die einst in Eisenheim und Gerolzhofen zum vorzeitigen Aus führten. Verbiegen lässt sich ein Reiner Neumann natürlich nicht. Aber wenn es passt, dann kan es auch mal über zwei Saisons hinaus passen. Selbst bei den Erwachsenen. Die Erfahrung im Jugendbereich zeigte es ja.

Das Alter: Er ist ein Jahrgang mit Werner Dreßel, heute Coach in Rannungen, als Spieler Bundesligastürmer und einst Neumanns Gegner in der U15 bei der Kreismeisterschaft in Grettstadt, als Gerolzhofen gegen den FC Schweinfurt 05 mit 1:2 verlor. Beide sind Fachleute, mit Vita, mit Standing, mit Ansichten. Beide charakterstark. Und deshalb vielleicht auch mal unbequem. Aber rundum sympathisch und umgänglich.

Reiner Neumann, im Berufsleben in Gerolzhofen Maschineneinsteller im Kosmetik- und Schmierölbereich bei der Firma Rettner, denkt ein bisschen schon an die Rente mit 65. „Danach könnte ich mir vorstellen, an einer Schule Fußball oder Leichtathletik zu unterrichten. Oder in der Jugend-Bundesliga tätig zu sein oder als Co-Trainer im Profibereich“.

Oder halt in Gochsheim bei einem etablierten Landesligisten, der den neuen Modus mit der Zweiteilung ablehnte. „Weil wenn wir in Runde zwei um den Klassenverbleib spielen sollten, dann wäre das wie früher in der BOL!“ Ob es soweit kommt? Jetzt startete erstmal die Vorbereitung. Und auch Reiner Neumann ist gespannt, wie sich der TSV schlagen wird.


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