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Happy Birthday, Kaiser!: Zum 75. „Burzeltag“ von Franz Beckenbauer


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von Michael Horling

SCHONUNGEN / KITZBÜHL – Vielleicht verbindet uns ja irgendwie auch das Sternzeichen: Jungfrau. Denen sagt man nach, sie seien schüchtern, bescheiden, intelligent, denken praktisch, logisch und realistisch. Auch sensibel sollen sie sein. Ich halte mich für eine typische Jungfrau. Vielleicht ist auch Franz Beckenbauer eine. Der Kaiser wird am heutigen 11. September 75 Jahre alt.


AOK - Keine Kompromisse

Der Autor dieser Zeilen hatte zwei Mal beruflich mit der Lichtgestalt zu tun: Anfang der 90er Jahre zu Beginn des journalistischen Tuns bei einem Besuch im Olympiastadion bei einem Spiel der Münchner Bayern. In der Halbzeit durfte die Presse dorthin, wo die VIPs sich aufhielten. Karl-Heinz Rummenigge weilte dort, Franz Beckenbauer ebenso. Obwohl ich nur für eine lausige Wochenzeitung aus Schweinfurt schrieb, wagte ich mich an den Kaiser heran, der kurze Zeit vorher ja als Teamchef Weltmeister wurde.


„Ja, wartet´s, ich komme gleich“, reagierte Beckenbauer locker, verschwand schnell mal, kehrte aber wenige Minuten später wirklich zurück und ließ ein Foto machen. Schwarz-Weiß war es, längst verschwunden ist es. Ein paar Textzeilen brachte das Treffen auch noch und eine unglaubliche Zufriedenheit. Der knapp über 20 Jahre alte Nachwuchs-Journalist hatte es mit dem Größten aller Großen zu tun. Investigativ war die Reportage nicht, aber sie brachte Selbstvertrauen. Und machte den Kaiser sympathisch. Weil nahbar trotz seiner Aura, die von der Zeltdach-Arena mindestens bis ins Grünwalder Stadion strahlte.

Knapp zehn Jahre später: Der Verfasser dieses Textes lebte inzwischen in der Haßfurter Innenstadt, in einer Dachwohnung zur Miete. Vermieter war Luggi Müller, lokal einer der besten Fußballer aller Zeiten. Als der seinen 60. Geburtstag in der benachbarten Stadthalle feierte, sollte das an sich ohne große Öffentlichkeit ablaufen. Doch der gute Draht hatte zur Folge, dass wir zumindest zum Sektempfang an einem Samstagnachmittag kommen durften.

Uwe Seeler war da, Erich Ribbeck, diverse weitere Alt-Internationale, alles Freunde von Luggi Müller. Und natürlich gehörte sein Spezl Franz Beckenbauer zu den Gästen. Damals ging es in München noch um die Planungen für den Bau der Allianz-Arena. Knapp 19 Jahre ist es her. Als damals Mitarbeiter der Sportredaktion der „Welt“ sollte der Schreiber dieses Textes sich an den Kaiser heran wagen….

Luggi Müller vermittelte – und natürlich reagierte die Lichtgestalt so wie erwartet und überhaupt nicht anders als rund zehn Jahre zuvor: Beckenbauer war überaus freundlich, nahm sich die Zeit, beantwortete alle Fragen ausführlich und bewies ein zweites Mal, dass er ein Mensch ist, der einfach nicht Nein sagen kann oder will, sondern für alles und jeden ein offenes Ohr hat.

Ich hatte einen Schal dabei, grün-weiß und mit Stolz ihm zeigend, denn der FC Schweinfurt 05 war damals ja kurz zuvor gerade erst in die 2. Bundesliga aufgestiegen und startete zu diesem Zeitpunkt bis Ende August überaus erfolgreich in die Saison. Wenige Tage vor 9/11 war die Welt noch in Ordnung, besonders für einen jetzt knapp über 30 Jahre alten Lokaljournalisten, der noch immer für sein Wochenblatt schrieb und der nun mit großer Freude ein Bild mitbrachte zum Verlag und zum Schnüdel-Präsidenten Gerhard Hertlein, auf dem Franz Beckenbauer einen Schal des Vereins nach oben hielt.

Hertlein, der FC 05 und auch die Wochenzeitung zeigten das Bild gerne und hingen es sogar auf – nichtsdestotrotz bekam der Auto dieses Beitrags eine Abmahnung, weil an diesem Geburtstags-Samstag der damalige Kicker-Chefredakteur Rainer Holzschuh ebenfalls zum Gratulieren kam, ein Bild einer erfunden gestalteten Jubiläums-Kicker-Titelseite mitbrachte, das Geschenk überreichte und dabei die wichtigsten Ehrengäste zusammenstellen wollte. Der in Haßfurt lebende Jung-Journalist als einziger Pressevertreter durfte das Bild machen, das im Kicker erschien – der Chef des Schweinfurter Verlages wertete es als unerlaubten Nebenjob und verwarnte deshalb. Es war der Anfang vom Ende der ingesamt zehnjährigen Geschäftsbeziehung und sorgte wenige Monate später für den Start ins Leben eines freien Journalisten…

Anfang vom Ende: Wenig später holte Franz Beckenbauer die Fußball-WM nach Deutschland. Längst hat ihn das eingeholt und es ist nicht mehr die Rede von seinen Triumphen oder dass er als einziger Mensch dank dreier Helikopter und vier Doppelgänger alle Partien des Sommermärchens 2006 live im Stadion verfolgte. Damals waren wir uns alle noch sicher, dass Beckenbauer erst der nächste Kanzler, dann Bundes- und FIFA-Präsident wird.

Heute redet alles von Schatten auf seiner Aura. Beckenbauer ist krank, soll den frühen Tod seines Sohnes Stephan – kurz nach dem Foto mit Franz in Schweinfurt zu Besuch als Bayern-Nachwuchstrainer – nie verkraftet haben, meidet die Öffentlichkeit. Seine bemerkenswerte Aussage, er hätte damals den Beratern vertraut und alles unterschrieben, was man ihm vorlegte, glaube ich ihm. Das mag dumm sein, naiv, letztlich tötlich für´s Image. Aber bewusst bestochen hat ein Franz Beckenbauer gewiss niemanden. Ohne ihn wirklich zu kennen mag ich das nicht glauben. Deshalb sollte man ihn in Ruhe lassen oder wieder als Lichtgestalt sehen, die er immer war und ist. Und bleiben wird. Hoffentlich noch lange.

Alles Gute aus der Ferne, Kaiser Franz!

Michael Horling



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