Home / Fußball / Was macht eigentlich / Der tolle, große Fußball-Wahnsinn: Wir erinnern in einer elfteiligen Serie an die Relegationen ab 2009 – Teil 5

Der tolle, große Fußball-Wahnsinn: Wir erinnern in einer elfteiligen Serie an die Relegationen ab 2009 – Teil 5


Sparkasse

UNTERFRANKEN – Der Fußball ruht – und damit fällt Ende Mai / Anfang Juni auch die tolle Zeit der Relegationsspiele aus, die vor allem Michael Horling so sehr vermisst. Die letzten zehn Jahre, von 2010 bis 2019, verfasste der heute 51 Jahre alte Schonunger jeweils ein Tagebuch und berichtete über seine Erlebnisse in dieser wilden Zeit.

Was passt da besser, als an in zehn schönen Folgen, die jeweils um 11.11 Uhr erscheinen, an die Relegationszeiten dieser Jahre zu erinnern? SW1.News und fuSWball.de veröffentlichen die Tagebücher und Geschichten rund um alle Partien und erinnern an die schöne, gute Zeit, als im herrlichen Frühjahr noch Fußball gespielt werden durfte.


AOK - Keine Kompromisse

Die Relegation 2013:

Das Tagebuch des ganz normalen Fußball-Relegations-Wahnsinns


SCHONUNGEN – Michael Horling war wieder unterwegs: Fußball-Entscheidungs- und vor allem Relegationsspiele sah er in den letzten beiden Wochen massenweise. Insgesamt schaute sich der Journalist an 15 Tagen 17 Partien mit insgesamt 88 Toren und 10.309 Zuschauern an. Dabei legte er von seinem Wohnort Schonungen 773 Kilometer zurück. Nun hat er ein Relegations-Tagebuch geschrieben und zeigt von jeder Partie sein Lieblingsbild.

* Spiel 1: Sonntag, 26. Mai: TSV Rannungen – TSV Steinach: 1:0

Nein, das war natürlich noch kein Relegationsspiel, sondern eine Partie des letzten Spieltages. Die Bad Kissinger Saale-Zeitung bat um einen Sondereinsatz im Spielkreis Rhön. Denn in der Kreisklasse 2 gab´s die faszinierende Situation, dass der Tabellenführer mit einem Punkt Vorsprung zum Finale auf seinen Verfolger trifft. Die Ausgangslage also war klar: Ein Unentschieden würde Rannungen reichen zur Meisterschaft, Steinach musste zudem siegen, damit der TSV Arnshausen als Dritter nicht noch vorbei huscht auf Rang zwei. Es kam, wie es kommen musste. Die Hausherren siegten sogar durch ein spätes Tor, als die Gäste alles nach vorne geworfen hatten. Und Arnshausen zog tasächlich vorbei, Während ein Team Titel und Aufstieg bejubelte, musste das andere geknickt von den Fans getröstet werden. Doch genau das ist ja der Reiz dieser Entscheidungsspiele. Keinen Reiz freilich hat ein Platz, der vom Regen aufgeweicht nun sicher wochenlang ein übler Rasen sein wird. Überhaupt das Wetter. Mies war´s und kalt, gar nicht Mai-tauglich. Und die Vorhersagen? Bittere Aussichten auf die heißen Tage des Amateurfußballs…

Mein Lieblingsbild: Bier auf andere Menschen zu schütten, ist in der entscheidenden Fußball-Phase gesellschaftsfähig. Ohne geht´s nicht – und als Motiv eignet sich das für einen Fotografen ja auch immer. In Rannungen ging´s los mit dem Gerstensaft über das Haupt…

Spiel eins nach Tag eins mit 400 Zuschauern und einem Tor sowie 45 Kilometern

* Spiel 2: Dienstag, 28. Mai: DJK Traustadt – SG Hausen: 0:2 (in Wonfurt)

Der Wetterbericht sagte den einzigen sommerlichen Tag der nächsten Zeit voraus. Na prima! In der Tat ist es richtig schön warm, der Platz auch abgetrocknet. Man kann sich hinter das Tor setzen. Für einen Reporter ist das ein Traum. Die Straßen rund um den Sportplatz in Wonfurt sind dicht beparkt. Über 500 Zuschauer lassen sich das Entscheidungsspiel in der Schweinfurter A-Klasse 3 nicht entgehen. Beide Teams fuhren punktgleich ins Ziel ein. Und deshalb müssen sie nachsitzen im benachbarten Landkreis Haßberge. Hausen schießt in beiden Halbzeiten jeweils ein Tor durch Sven Kornetzki, obwohl Traustadt weitestgehend spielbestimmend ist. Und deshalb darf das Team aus der Gemeinde Schonungen Meisterschaft und Aufstieg bejubeln. Und das exakt 24 Stunden nach einem Horrorunfall in Schonungen, als in einem aus Hausen kommenden und am Sportplatz startenden Auto zwei Menschen sterben, darunter eine 21 Jahre junge Frau aus Hausen. Noch nie lagen Freud und Leid wohl so dicht beeinander wie in diesem Fall. Traustadts Coach Stefan Göb warf derweil kopfschüttelnd einen Blick auf den Relegationsplan. Kommt es dumm, so verliert sein Team am Samstag und müsste dann am Dienstag nochmal ran, bei einer weiteren Niederlage am Freitag erneut – und zwei Tage später schon wieder, wenn´s auch da schief geht. In der Bundesliga würde man da einen Terminplaner wahrscheinlich verprügeln wollen…

Mein Lieblingsbild: Der Moment des Abpfiffs zeigt die Hausener Bank und die spontanen Emotionen über die erreichte Meisterschaft.

Spiel zwei nach Tag zwei mit insgesamt 913 Zuschauern, drei Toren und 78 Kilometern.

* Spiel 3: Mittwoch, 29. Mai: TSV Großbardorf – Spvgg Bayern Hof: 1:6

Junge, Junge: Was für eine deftige Klatsche für die Gallier. Von wegen Regionalliga und so. Die Hofer Bayern werden nächste Saison viertklassig bleiben, die Großbardorfer verweilen in der Bayernliga und spielen damit erstmals nach längeren Jahren wieder unterhalb des FC Schweinfurt 05. Obwohl der Modus für Samstag noch ein Rückspiel vorsieht, steht das schon nach dem ersten Aufeinandertreffen im Grabfeld fest. Zu deutlich war der Klassenunterschied. Und die Partie verursachte auch ein bisschen Sorgen um die Schnüdel nächste Saison. Wenn man sieht, welche Schränke Abstiegskandidat Hof in der Innenverteidigung hat, dann sucht man solche Verteidigerbrocken beim FC 05 bislang vergeblich. Die Fahrt nach Großbardorf und zurück mit Andy Brendler war höchst unterhaltsam. Der Unterspiesheimer Spielertrainer weilte als Radioreporter im Grabfeld und verriet im Auto einige Internas, über die an dieser Stelle natürlich nie berichtet werden wird. Oder vielleicht doch mal irgendwann. Wer weiß das schon? Das Positive an einem 1:6: Die Rückparte in Hof kann man sich als Journalist getrost schenken. Und: Es regnete nicht! Das ist das Bemerkenswerteste in diesen Tagen….

Mein Lieblingsbild: Kann das sein? In Großbardorf kostet die doppelte Bratwurst das gleiche Geld wie eine einfache? Ist vielleicht das Brötchen so wertvoll? Fragen über Fragen, die sich schnell aufklärten, als ausgerechnet der in diesem Tagebuch später nochmal erwähnte Stefan Mühlfeld den Irrtum aufklärte und die Prese änderte. Die doppelte Wurst wurde danach teurer…

Spiel drei nach Tag drei mit insgesamt 1906 Zuschauern, zehn Toren und 160 Kilometern

* Spiel 4: Donnerstag, 30. Mai: Sportfreunde Holzhausen – TSV Mühlhausen / Schraudenbach: 2:3 (in Dampfach)

Auch in Dampfach regnete es (noch) nicht. Mit ein Grund wohl, warum fast 600 Zuschauer zwei A-Klassen-Vizemeister sehen wollten. Erstaunlich, dass Mühlhausens weiter gereiste Fans in den Haßbergen mehr Lärm machten die Holzhausens Anhänger bei fast einem Heimspiel. Holzhausen führte schnell 2:0, verlor dann aber noch. Während die einen dann heftig feierten (und mal wieder wunderschöne Jubelfotos verursachten, die es am Abend vorher freilich nicht zu machen galt), rätselten die anderen, wie es weitergeht. Womöglich in Königsberg am Montag gegen Aidhausen hat Holzhausen bei Chance zwei dann ein echtes Heimspiel. Chance drei würde ich am Donnerstag danach ergeben, die vierte am darauffolgenden Sonntag. Relegation bedeutet Marathon und immer einen Seitenhieb in Richtung Wetterfee beziehungsweise Petrus. Beide meinen es, was die Prognosen des anstehenden Wochenendes betreffen, alles andere als gut mit den Fußballern und Reportern. Dabei reicht es doch eigentlich, wenn Aufstiegshelden durch Bier und Sekt nass werden. So wie die Mühlhäuser /Schraudenbacher in Dampfach.

Mein Lieblingsbild: Mühlhausens Torjäger Thorsten Eschenbacher jubelt mit einem Fan, ballt die Faust – und beide zeigen Zähne. Ein schönes Foto eines Aufsteigers.

Spiel vier nach Tag vier mit insgesamt 2436 Zuschauern, 15 Toren und 194 Kilometern

* Spiel 5: Freitag, 31. Mai: TSV Knetzgau – SV Sylbach: 11:10 (beim FC Haßfurt)

Ja, solche Highlights lieben wir Reporter. Zwei einstige Bezirksligisten bewerben sich um einen Platz in der Kreisliga. Jeweils vier Kilometer sind es von der Haßfurter Flutbrücke aus zu beiden Orten. Ideale Vorausetzungen also für die mit annährend 1000 Zuschauern wirklich großartige Kulisse. Knetzgau führt schnell mit 2:0, liegt dann irgendwann mit 2:3 hinten, verliert zwei Spieler durch Ampelkarten – und schafft trotzdem noch den Ausgleich. Am Ende sehen die Zuschauer 18 Karten, zwei davon sind Rot, 22 Elfmeter und als finale Schützen beim Show-Down nicht weit vor 21 Uhr die beiden Keeper nacheinander antreten – weil sonst keine Feldspieler mehr übrig waren. Der Sylbacher Schlussmann trifft die Latte, der Knetzgauer, der zuvor zwei böse Fehler machte, trifft – und wird am Ende im strömenden Regen gefeiert. Fast 20 Minuten Rückstau auf dem Parkplatz krönen den Abend. Das ist denkwürdig, das ist klasse, dafür lebt man als Sportjournalist!

Mein Lieblingsbild: Knetzgaus Keeper, zuvor alles andere als gut, verwandelt den finalen Strafstoß und wird dafür von den Teamkollegen nach oben geworfen. Patschnass waren alle Beteiligten nach dieser denkwürdigen Partie.

Spiel fünf nach Tag fünf mit insgesamt 3236 Zuschauern, 36 Toren und 238 Kilometern

* Spiel 6: Samstag, 1. Juni: DJK Traustadt – SC Geusfeld: 3:2 (beim TV Haßfurt)

Und schon wieder führt die Reise in die Kreisstadt Haßfurt. Diesmal ist der benachbarte TV der Gastgeber und muss auf den Nebenplatz ausweichen, weil das durchaus schmucke Stadion mit seinem Hang überflutet ist. Keine 300 Zuschauer sehen die Partie, was die Frage erlauben muss, warum man nicht einfach nur in einem Dorf zwischen Traustadt und Geusfeld gekickt hat. Dann wären es für beide Vereine kaum fünf Kilometer Anreise gewesen. Traustadt führt bei seiner dritten Aufstiegschance binnen nicht einmal einer Woche schnell mit 2:0, kassiert dann den Ausgleich und siegt trotz Unterzahl dennoch. Wiederum fliegen am Ende vier Mann vom Feld. So wie am Tag zuvor Knetzgaus Keeper wird nun eben Traustadts scheidender Aufstiegstrainer Stefan Göb in die Luft geworfen. Kommende Saison coacht er den SSV Gädheim und plant dann sogar möglichst den Aufstieg von der Kreisliga in die Bezirksliga. Ein Samstag mit ordentlichem Wetter geht zu Ende – und mit leider der kleinsten Kulisse dieser Relegationstage.

Mein Lieblingsbild: Wie am Abend zuvor muss jemand Höhenluft schnuppern. Diesmal ist es Traustadts scheidender Trainer Stefan Göb. Ich liebe solche Fotos!

Spiel sechs nach Tag sechs mit insgesamt 3506 Zuschauern, 41 Toren und 280 Kilometern

* Spiel 7: Sonntag, 2. Juni: FC Knetzgau – Sportfreunde Steinbach: 4:0 (in Zell am Ebersberg)

Am Tag zuvor war es zum zweiten Mal Haßfurt als Austragungsort, diesmal kickt der zweite Vertreter aus Knetzgau um den Aufstieg. Wäre der TSV am Freitag abgestiegen, so hätte der FC es schaffen können, künftig in der gleichen Liga zu spielen. Daraus wird erstmal nichts – doch der Aufstieg ist eine einfache Sache. Selten war ein Relegationsspiel einseitiger, doch die unterlegenen Steinbacher werden ihre weitere Chance bekommen. Relegation bedeutet auch das Kennenlernen von Orten: Zell am Ebersberg liegt sehr idyllisch unweit von Knetzgau. Am Sportplatz selbst gibt es kaum Parkplätze, weshalb sich die Autos der über 800 angereisten Fans im ganzen Dorf verteilen. Aber genau das macht den Reiz dieser Spiele aus: Chaos in der Region, Begeisterung für den lokalen Fußball pur – und hinterher natürlich Sektspritzereien beim Sieger. Und auch da wieder auf einem Platz, der hinterher so aussieht, als hätten hunderte Wildschweine gerade eine Party veranstaltet.

Mein Lieblingsbild: Wenn kleine Mädchen Schilder schreiben, um damit ihre Lieblinge zu unterstützen, dann mögen sie – das hier als Hinweis an die erziehungsberechtigten Eltern – doch bitte darauf achten, die Buchstaben anfangs nicht zu groß zu schreiben. Sonst klappt das später nicht mit der richtigen Trennung 😉

Spiel sieben nach Tag sieben mit insgesamt 4320 Zuschauern, 45 Toren und 332 Kilometern

* Spiel 8: Sonntag, 2. Juni; FC Gerolzhofen – TSV Bad Königshofen: 0:2

Spiel zwei an diesem Sonntag erfordert einigen Einsatz: Als Reporter muss man natürlich den Text des ersten Spiels schreiben und Bilder bearbeiten. Wenn aber nur rund eine Stunde nach Abpfiff der ersten Partie die zweite schon startet – und das auch noch rund 50 Kilometer entfernt – dann wird es freilich eng. Deshalb geht die erste Halbzeit im Steigerwaldstadion am Reporter auch vorbei. Macht nichts, passiert ist eh nicht viel. Dafür danach umso mehr: Daniel Haub verschießt kläglich beim Stand von 0:0 nach einer Stunde einen Elfmeter für Gerolzhofen. Das wäre die Chance gewesen, das 0:2 aus dem Hinspiel noch wettzumachen. So aber setzte sich Bad Königshofen nochmals mit 2:0 durch – und plante gleich nach Abpfiff die Reise am Donnerstag zum Hinspiel in der entscheidneden Runde zwei um den Aufstieg in die Landesliga nach Höchberg. Ehe die Nachricht kam, dass die TG aus dem Würzburger Vorort nach einem 4:1 in Kahl das Rückspiel zuhause mit 0:4 verlor. Also reisen die Grabfelder rund 150 Kilometer an einem Werktag fast bis nach Hessen. Wir reden übrigens von Amateurfußball!

Mein Lieblingsbild: Endlich mal eine Spielszene, leider ohne Ball. Man sieht aber, dass Daniel Haub im Nachschuss eigentlich den Elfmeter hätte verwandeln müssen. Mit einem 1:0 im Rücken wäre für Gerolzhofen vielleicht alles ganz anders gekommen….

Spiel acht nach Tag sieben mit insgesamt 4800 Zuschauern, 47 Toren und 374 Kilometern

* Spiel 9: Montag, 3. Juni: TSV Aidhausen – Sportfreunde Holzhausen: 0:2 (in Königsberg)

Man dankt den Spielleitern dafür, dass sie seit wenigen Jahren auch den Montag für eine Ansetzung entdeckt haben. Konkurrenzlos ist der Kick zwischen den am Donnerstag noch an Mühlhausen gescheiterten Holzhäusern und dem TSV Aidhausen. Was waren das doch für Zeiten, als Aidhausen noch in der Landesliga für Furore sorgte und Holzhausen in der BOL spielte und einst mal den FC Schweinfurt 05 aus dem Pokal kegelte. Alles lange her: Jetzt will Aidhausen den Abstieg in die A-Klasse vermeiden und Holzhausen zurück wenigstens in die Kreisklasse. Das gelingt – ausgerechnet in Königsberg. Holzhausen gehört ja zu der Stadt, die einerseits so faszinierend alt ist und andererseits geprägt wird von Industrie, von Rohren und Leuchten. Und Trainer der Königsberger, die eigentlich ja aufsteigen wollten, jedoch in der Kreisklasse Hesselbach und Stadtlauringen den Vorzug geben mussten, ist mit Wolfgang Hau der Ur-Aidhäuser, der den TSV einst zum Höhenflug verhalf. 328 verteilte Flyer für das Fußball-Portal anpfiff.info und eine Halbzeit genügen diesmal als Arbeitsnachweis. Denn der Relegations-Wahnsinn geht ja weiter – für Aidhausen schon am Freitagabend in Prappach gegen Steinbach. Irgendwie finden vor allem im Landkreis Haßberge heuer heiße Spiele statt… Sicher wieder dabei sein wird der etwas nervende Mann aus Aidhausen mit seinem Megafon…

Mein Lieblingsbild: Mit einer ganz seltsamen Puppe feuerte ein Holzhausener Fan sein Team an. Vielleicht hat ja gerade das geholfen…

Spiel neun nach Tag acht mit insgesamt 5350 Zuschauern, 49 Toren und 428 Kilometern

* Spiel 10: Dienstag, 4. Juni: FSV Krum – FC Geesdorf: 1:4 (in Weyer)

Heimspiel in Weyer! Am Ort der Stammpizzeria „Pulcinella“ beim SC Weyer findet endlich mal ein Relegationsmatch statt! Und das auch nur rund sieben Kilometer von Zuhause entfernt. Klasse! Parkchaos rund ums Gelände und ziemlicher Stress am Tag sorgen dafür, dass ich ein paar Minuten zu spät komme. „Schon was passiert?“, lautet die Frage beim Eintreffen. „Es steht 2:1“, heißt die Antwort. Klasse, Teil 2, einiges verpasst. Die Partie vor rund 900 Fans flacht danach aber nicht unbedingt ab. Doch frühzeitig wird klar, dass sich Krum aus dem Aufstiegsrennen verabschieden wird und Geesdorf ins Endspiel gegen Großbardorf 2 einzieht. Die Vorfreude darauf wächst bereits in den Minuten nach dem Abpfiff. Geesdorfs Spieler feiern ein wenig, einige Akteure beider Mannschaften kehren auch noch ein im Biergarten der Vereinsgaststätte. Der Autor dieser Zeilen wählt eine Pizza Sophia und würdigt damit die eine Tochter des Hauses. Eine Pizza Franca gibt es auch. Beide jungen Damen sorgten während der Partie für die Verteilung hunderter Flyer von anpfiff.info. Dankeschön – und bis bald beim nächsten Besuch in Weyer. Dann wieder ohne Fußball.

Mein Lieblingsbild: Geesdorfs Fans euphorisch nach dem Spiel. Wenn sie da schon gewusst hätten, wie der kommende Samstag enden sollte, sie hätten gerantiert nicht so gestrahlt…

Spiel zehn nach Tag neun mit insgesamt 6250 Zuschauern, 54 Toren und 442 Kilometern

* Spiel 11: Mittwoch, 5. Juni: SV Sylbach – SG Stadtlauringen / Ballingshausen: 2:0 (in Hesselbach)

Letzte Saison spielten sie gemeinsam noch in der Schweinfurter Kreisliga 2. Doch nur einer der beiden Absteiger darf zurück. Es sind die am Freitag in Haßfurt noch so unglücklichen Sylbacher, die im Üchtelhausener Gemeindeort Hesselbach triumphieren dank der Tore von Chris Barth und Tobias Krapf. Dieser Mittwoch ist ein Stresstag, weshalb ich es gar nicht genießen kann, als der kleine Appenzeller Hund am Spielfeldrand mich nach anfänglicher Skepsis beschnuppern will. „Anscheinend kommt er aus Bellingshausen“, vermute ich in der Bildunterschrift des Fotos, das von ihm (ihr?) entsteht. Das Spiel selbst bietet 30 Minuten wenig Anschaubares. 30 Minuten? Ja, länger bleibt keine Zeit, denn vom Norden des Landkreises Schweinfurt geht es danach in den Süden. Parallel findet das für mich als Berichterstatter (und nicht nur Fotograf) wichtigere Match statt.

Mein Lieblingsbild: Der besagte Appenzeller – das schönste Fotos aus Hesselbach. Wuff!

Spiel elf nach Tag zehn mit insgesamt 6800 Zuschauern, 56 Toren und 478 Kilometern

* Spiel 12: Mittwoch, 5. Juni: SV Oberwerrn – SV Kirchschönbach / Prichsenstadt: 4:2 (in Schwebheim)

Ziemlich genau zur Pause ist Schwebheim erreicht. Parkplätze? Gibt´s dort nicht, was für ein Chaos. Ein Aufstellung für die Presse? Gibt´s auch nicht! Durchsagen zum Spiel? Nö! Irgendwie war das in Hesselbach alles besser organisiert. Zum Glück ist Kollege Volker Hensel da und kann mit den wesentlichen Infos versorgen. Kirchschönbach führte schnell mit 2:0. Am Ende heißt es 4:2 für Oberwerrn:.Aufstiegsjubel trifft auf Abstiegsfrust. Und der Fußball schreibt wieder die passenden Geschichten. Rainer Schmitt, der mit Oberwerrn nun zwei Mal aufstieg, wäre gerne geblieben. Der Verein aber entschied sich für Frank Halbig als neuen Coach, der vor nicht langer Zeit mal die Schwebheimer trainierte und der sich an alter Wirkungsstätte mit freuen kann. Nach Spielschluss feiern die vielen in Grün und Weiß gekleideten Oberwerrner Anhängern mit einer Rauchbombe. Wenn das ein paar Kilometer nördlich passiert wäre bei einem Verein in den selben Farben, dann würde der Bayerische Fußball-Verband nun einen Aufstand machen, vom Problemfans reden, das nächste Mal 50 Polizisten schicken und über Punktabzüge nachdenken. In Schwebheim freilich juckt der Rauch keine Sau und ist auch gleich gelöscht – mit Aufstiegssekt, der dafür – ander als an vielen Orten der letzten Tage – im bescheidenen Umfang verspritzt wird. Vielleicht morgen wieder im nicht weit entfernten Grettstadt!

Mein Lieblingsbild: Felix Karg hatte an diesem Mittwoch Geburtstag. Und dann stieg auch noch sein Team auf. Also durfte er auf den Schultern der Mitspieler mit dem Megaphon in Schwebheim so richtig Krach machen

Spiel zwölf nach Tag zehn mit insgesamt 7300 Zuschauern, 62 Toren und 512 Kilometern

* Spiel 13: Donnerstag, 6. Juni: Türkiyemspor SV 12 Schweinfurt – SC Geusfeld: 4:3 (in Grettstadt)

Der Relegationswahn treibt seltsame Blüten, motiviert den zuletzt nur wenig sportlichen Reporter zur Idee, von Schonungen aus nach Grettstadt zu laufen. Rund zwölf Kilometer sind das bis zum Sportgelände, verbunden dem Frust, weil der Main noch Hochwasser hat und der Weg Richtung Gädheim und Brücke gesperrt ist. Also eine neue Route über Weyer suchen. Das kostet Zeit und sorgt für Verspätung. „Tote Hose“ aber anscheinend in Halbzeit eins. Und das Gegenteil nach der Pause: Zwei Mal gehen die Türken in Führung, zwei Mal gleicht Geusfeld aus. Verlängerung. Das 3:2 für das 2012 frisch aus Hilalspor hervorgegangene Türkiyemspor, wieder der Ausgleich. Das 4:3 und Sekunden vor dem Abpfiff Geusfelds 4:4. Das aber gibt der Schiedsrichter wegen eines angeblichen Foulspiels nicht. Also kein Elfmeterschießen, feiernde Türken und total gefrustete Geusfelder, die seit der Partie in Haßfurt am letzten Samstag gegen Traustadt auch schon in Stadelschwarach am Dienstag gegen Lindach verloren hatten. Gerade mal zwei Tage Pause könnte der Spielplaner den Geusfeldern, eine Woche konnten die Türken ruhen seit ihrem ersten Spiel. Das Match in Grettstadt, das für den Reporter bei einem greichischen Teller im Vereinsheim endet, wurde einen Tag vorverlegt. Weil die gesamte Mannschaft der Türken am Freitagmittag in den Urlaub fliegt. Zur Abschlussfeier einer Saison, die im Falle einer Niederlage für ein weiteres Match am Sonntag gesorgt hätte. Da müssen die nun bemitleidenswerten Geusfelder ran. Was für eine Belastung für Hobbyfußballer!

Mein Lieblingsbild: 2006 war es, als Thorsten Frings bei der WM in Deutschland nach dem Spiel gegen Argentinien seine Mitspieler quasi „umkegelte“. Mit den selben Bewegungen machten das die Türken in Grettstadt. Jubeln kann so schön sein!

Spiel 13 nach Tag elf mit insgesamt 7634 Zuschauern, 69 Toren und 538 Kilometern

* Spiel 14: Freitag, 7. Juni: TSV Aidhausen – Sportfreunde Steinbach: 2:3 (in Prappach)

Am Montag gesehene Aidhäuser spielen gegen am Sonntag betrachtete Steinbacher. Der Gewinner hält die Kreisklasse, der Verlierer darf am Sonntag in Donnersdorf gegen Geusfeld ein weiteres Mal ran. Die Relegation heuer bringt übertriebene Belastungen für die Vereine. Und deshalb hält sich an manchen Orten der Andrang in Grenzen. Keine 500 Fans kamen nach Prappach auf diesen so idyllisch in einem Kessel gelegenen Sportplatz mit den Weinbergen seitlich. Prappach ist ein idealer Relegationsort: Der alte Platz unten dient bestens als Parkgelegenheit, der neuere oben am Berg mit dem gewaltigen Rang bietet ideale Möglichkeiten für die Zuschauer zum Verweilen. Aidhausens Fans, optisch und akustisch wieder deutlich in der Überzahl, haben sich hinter dem Tor plaziert. Der Mann mit dem Megaphon ist wieder dabei und beschallt die gesamte Region. Doch wieder verliert der Ex-Landesligist, übrigens vor den Augen von Ex-Trainer Wolfgang Hau, der zur Kenntnis nehmen muss: Der Höhenflug des Vereins ist längst vorbei. Dazu passt das Spiel: Jonas Giebfrieds Eigentor zum ersten Treffer für Steinbach ist bezeichnend für das fehlende Niveau. Es wird Zeit, dass die Fußballsaison endet. Für Aidhausen endet sie noch nicht (wohl aber am Sonntag mit dem Abstieg nach der Niederlage gegen Geusfeld). Für den Reporter aber endet diese Partie bereits zur Pause beim Stand von 2:1 für Steinbach. Am Ende ging´s mal wieder in die Verlängerung. Man muss nicht jeden Tag 120 Minuten sehen….

Mein Lieblingsbild: Jonas Giebfried gegen Kim Schütz – endlich mal wieder eine dynamische Spielszene an dieser Stelle zwischen dem Aidhäuser und dem Steinbacher. Und im Hintergrund sieht man die vielen Zuschauer.

Spiel 14 nach Tag zwölf mit insgesamt 8084 Zuschauern, 74 Toren und 586 Kilometern

* Spiel 15: Samstag, 8. Juni: FC Geesdorf – TSV Großbardorf 2: 3:5 (in Wülfershausen)

Fußball kann so grausam sein, definitiv. Mein Lieblingsspruch lautet bei solchen Partien kurz vor dem Abpfiff: „Fertigmachen zum Feiern!“ Das bedeutet: Weg von der Position seitlich eines Tores, wo man normal die besten Fotos machen kann, hin zu einer Fangruppierung beziehungsweise der Bank einer Mannschaft, die dicht vor einem Aufstieg steht. In Wülfershausen heißt es in der 87. Minute 3:1 für den FC Geesdorf. Da brennt nichts mehr an! Also auf zum Block der Anhänger, die schon bereit sind für den Jubel. Das 3:2 von Waios Dinudis nehmen sie halt zur Kenntnis. Die Nachspielzeit läuft schon. Und da fällt der Ausgleich. Der Rest des Spiels war zu erwarten. Dinudis trifft noch zwei Mal für Großbardorf 2, das nun auch moralisch eindeutig im Vorteil ist. Geesdorf brachte zudem in der Schlussphase im Gefühl des sicheren Sieges Ersatzspieler, die es nun nicht richten können. Schade um die wackeren Jungs von Trainer Hassan Remaithi, dessen stets unterschiedlich auftauchenden Schreibweisen des Nachnamens mir für immer ein Rätsel bleiben werden.

Mein Lieblingsbild: Zum Ende der Nachspielzeit zeichnet sich schon ab, dass Großbardorfs Trainer Karsten Schilling geduscht wird. Edelfan Daniel, der Bäcker aus Schweinfurt, der auf seinem Auto sogar ein Großbardorfer Vereinswappen fährt, übernimmt den Job. Während Schilling Spieler Marco Prediger herzt, kippt Müller beiden den Inhalt einer Sektflasche über den Kopf. Parallel kommt von der Seite jemand und richtet einen kompletten Wassereimer auf beide. Das sieht auf dem Foto toll aus.

Spiel 15 nach Tag 13 mit insgesamt 8574 Zuschauern, 82 Toren und 660 Kilometern

* Spiel 16, Sonntag, 9. Juni: TSV Hausen – DJK Waldberg: 1:4 (in Burglauer)

Besagter Bäcker Daniel wusste von einem Spiel in der Rhön am Sonntag mit Brisanz. Der Plan, die Bad Königshofener zu beobachten, macht es möglich, im rund 30 Kilometer entfernten Burglauer zunächst noch eine Partie mitzunehmen. Warum Hausen in der Rhön und Waldberg zwischen Münnerstadt und Bad Neustadt spielen und nicht in der Gegend um Bischofsheim, mag zwar keine Logik bedeuten. Doch schon am Ende des Autobahn-Zubringers sieht man es, dass den Leuten der Austragungsort egal ist. Oben am Berg in Burglauer ist die eine Seite voll mit Zuschauern. 1500 Leute sollen es sein, schätzt mein Verwandter, der Kreisspielleiter Michael Ritter. Offiziell ist dann von 1265 Zuschauern die Rede. Rekord in diesen Relegationstagen! Bei Hausen, einst über Jahre unser Urlaubsort, spielt Stefan Mühlfeld mit, ausgerechnet der einstige Waldberger also, der danach für Großbardorf kickte und der in Fladungen als Standesbeamter arbeitet. Hilft nichts, weil Waldberg recht locker den Klassenerhalt klar macht gegen den aufstiegswilligen Gegner. Ich sehe das 1:0 und das 2:0, ehe es weiter geht zum nächsten Austragungsort.

Mein Lieblingsbild: Der Blick auf die Kulisse in Burglauer. So müsste es jeden Sonntag sein….

Spiel 16 nach Tag 14 mit insgesamt 9839 Zuschauern, 87 Toren und 701 Kilometer

* Spiel 17: Sonntag, 9. Juni, TSV Bad Königshofen – Viktoria Kahl: 0:1

Natürlich hätte der Abschluss krönender sein können. Die Partie lässt viele Wünsche offen, die Kulisse ist relativ mau. Und Bad Königshofen hat irgendwie gar keine sio richtigen Chancen auf das Tor zum 1:0, das sie nach dem 1:2 auswärts am Donnerstag in Kahl gebraucht hätten für den Aufstieg in die Landesliga. Mit Tobias Saam fehlte der Goalgetter, der sich Karten besorgt hatte für „Rock im Park“. Nun denn… So sind es die Kahler, die in der Nachspielzeit treffen. Zumindest gab´s in Bad Königshofen die besten Bratwürste der Relegation und dürfen sich die Königshofer trösten: Denn in der Landesliga hätten sie gar kein Derby gehabt. So geht´s künftig wenigstens gegen Großbardorf 2. So wie auch die Kahler auf Nachbarduelle in der Landesliga künftig total verzichten müssen, nachdem die Erlenbacher in die Bayernliga aufstiegen. Doch das ist dann ja alles erst wieder ein Thema für die nächste Saison…

Mein Lieblingsbild: Direkt nach Spielende rutscht ein Kahler Feldspieler auf Keeper Andreas Will zu, um ihn zu herzen. Naja, ein Knallerbild ist es nicht. Doch ganz so euphorisch feierten die Sieger auch nicht unbedingt. Die Fotoauswahl passt zum wenig schönen Ende von rund zwei Wochen Relegations-Wahnsinn.

Spiel 17 nach Tag 15 mit insgesamt 10.309 Zuschauern, 88 Toren und 773 Kilometern



Heute mal ausgehen/bestellen? Wie wäre es mit:
Geiselwind oben
Maharadscha
Gastro-Musterbanner
Yummy
Ozean Grill
Du willst hier auch DEINE Werbung sehen?








© 2fly4 - Alle Angaben ohne Gewähr!
Endzeiten der Events sind Schätzungen!
Fotos ggf. beispielhaft!
Kommentare von Lesern stellen keinesfalls die Meinung der Redaktion dar!

#Schweinfurt #News #Nachrichten #Veranstaltungen #Events

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.