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Dittelbrunn erwartet Hesselbach: Im Schwimmbad umziehen – und dann siegen?


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DITTELBRUNN – Spieltag eins der Rückrunde in der Schweinfurter Fußball-Kreisklasse 4 ist vorbei. Und ein Trio balgt sich nun um die ersten beiden Ränge. Mit vorsichtigem Abstand folgt ein vierter Verein, der letzte Saison beinahe abgestiegen wäre, der nun aber am kommenden Sonntag zu gerne den Tabellenführer stürzen möchte.

Die SG Dittelbrunn weist eine makellose Heimbilanz auf: Sechs Spiele, sechs Siege. Es läuft daheim, auch wenn nicht immer sonderlich viele Zuschauer zum Marienbachzentrum kommen. Zuletzt lief´s auch auswärts: Beim 6:2 in Gädheim merkte man nichts davon, dass Teile der Mannschaft am Vorabend bei Aloha meets Bavaria, einer Beach Party mit Oktoberfest, kräftig feierte.

Herr Berger, Herr Slintchenko, wann haben Sie Ihrer Mannschaft denn in der Nacht auf Sonntag den Zapfenstreich verordnet, damit das in Gädheim kein Reinfall wird?
Lucas Berger: Ich denke, jeder muss das für sich entscheiden. Wir haben natürlich auch kurz darüber gesprochen. Aber wir befinden uns in der Kreisklasse, da kann man schon mal auf einer Feier drei Bier trinken. Vielmehr sollten es natürlich nicht sein. Ärgerlich für die Jungs war natürlich, dass wir gerne Samstag schon gespielt hätten. Hier hat allerdings der Gegner nicht mitspielen wollen.
Wladimir Slintchenko: Wir sind weit entfernt davon, unseren Spielern Vorschriften zu machen oder gar zu kontrollieren. Das muss jeder für sich selbst entscheiden und ein gesundes Maß finden, um am nächsten Tag auch seine Leistung bringen zu können. Solange die passt, ist alles okay.


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6:1, zur Pause schon 4:0: Klingt wie ein Testspiel bei einem unterklassigen Verein… War die SG so gut oder Gäsheim so schlecht?
Lucas Berger: Wir haben einige Sachen, die wir uns für das Match taktisch gesehen vorgenommen hatten, sehr gut umgesetzt. Außerdem haben wir endlich auch mal frühzeitig aus unseren Chancen Tore gemacht. Dann entsteht auch so ein Spielverlauf. Gädheim hatte aber durchaus gute Ansätze im Offensivbereich.
Wladimir Slintchenko: Man muss schon ehrlicherweise sagen, dass die Gädheimer Defensive und der Keeper nicht ihren allerbesten Tag erwischten. Von den sechs Toren waren fünf auf zum Teil grobe Fehler zurückzuführen, die wir jedoch an diesem Tag konsequent ausnutzten. Das muss man unserem Team schon zu Gute halten!





Schauten da wirklich nur 20 Leute zu? Kamen keine Dittelbrunner mit, hat man in Gädheim den SSV schon aufgegeben – oder standen die Zuschauer alle irgendwo versteckt unter einem Dach oder saßen in den Autos?
Lucas Berger: Ich denke, ein paar mehr Zuschauer waren es trotz des schlechten Wetters. Viele waren tatsächlich unter einem Dach gestanden. Und natürlich waren auch vereinzelt Dittelbrunner dabei. Darunter auch wieder unsere drei Edelfans, die uns zu jedem Spiel begleiten. Vielen Dank an die Jungs.
Wladimir Slintchenko: Bei diesem Wetter hätten mich zum Zuschauen auch keine zehn Pferde vor die Haustüre gelockt. Aus Dittelbrunn habe ich fünf Zuschauer vernommen – der Rest hatte wohl noch mit Nachwirkungen des Vorabends zu kämpfen (lacht).

Wenn Sie vor ein paar Wochen bei der Reserve von Stadtlauringen nicht verloren hätten: Würden wir nun von einem Vierkampf vorne sprechen und von echten Aufstiegsambitionen der SG?
Lucas Berger: In Tat ist die Niederlage sehr ärgerlich. Wir haben hier auswärts geführt und dürfen das Spiel nicht mehr aus der Hand geben. Aber hier hat die Mannschaft gesehen, was passiert, wenn man mal paar Prozent auf dem Feld nachlässt. Ich denke, aus dem Spiel konnten wir einige Lehren ziehen.
Wladimir Slintchenko: Ach, diese Rechenspiele machen eigentlich keinen Sinn! Ich denke, im Verlauf einer Saison hat jede Mannschaft mindestens ein Spiel, wo man sich sagt: „Mensch, das haben wir echt verbockt, da war viel mehr drin!“ Insofern ist dieses Spiel abgehakt. Ich glaube sogar, dass diese Niederlage ein entscheidender Lernprozess für die Mannschaft war. Man darf keinen Gegner unterschätzen und muss 90 Minuten lang konzentriert bleiben.

Hesselbach kommt, wo Sie im Sommer 0:3 verloren haben. Hat Ihr Team seitdem dazu gelernt, um nun die Nummer eins der Liga zu stürzen?
Lucas Berger: Hesselbach stürzen? Ich weiß nicht. Natürlich wollen wir in jedem Spiel versuchen zu gewinnen. Aber ob wir sie bei einem Sieg gleich stürzen? Im Hinspiel war Hesselbach sehr gut drauf. Sie haben in den richtigen Momenten die Tore erzielt und das hat bei den damals über 30 Grad auf dem Rasen den Unterschied gemacht. Allgemein haben die Jungs seit dem Beginn meiner Amtszeit dazugelernt. Das ist super, wenn man die Entwicklung sieht. Das freut einen als Trainer natürlich sehr.
Wladimir Slintchenko: Wir waren damals schon nicht so deutlich unterlegen, wie es das Ergebnis vielleicht ausdrückt. Mit ein bisschen mehr Spielglück kann die Partie auch anders ausgehen, wenngleich Hesselbach sicherlich verdient gewonnen hat. Die Mannschaft hat sich seitdem natürlich weiterentwickelt – individuell wie auch mannschaftstaktisch. Auch bezüglich Einstellung und Kampfbereitschaft haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Herr Berger, zuhause läuft´s bisher prächtig. Sie haben 18 Punkte daheim gesammelt. Letzte Saison waren es 14 Zähler in allen 13 Partien. Was ist passiert? Kabine oder Spielerbank gewechselt?
Lucas Berger: Ja, wir müssen uns aktuell im Schwimmbad umziehen (lacht). Nein Spaß bei Seite, die Kabinen am Marienbachzentrum werden aktuell aufgrund eines Wasserschadens saniert, deshalb stehen die Umkleiden nicht zur Verfügung. Aber das schadet uns eher in der Organisation, als es uns nutzt. Wir haben dieses Jahr beschlossen öfters auf dem Platz am Marienbachzentrum zu trainieren, wo auch gespielt wird. Außerdem haben wir uns vor der Saison schon gesagt, wir wollen gerade zuhause viel mehr Spiele gewinnen. Die Heimbilanz schaut bisher sehr gut aus.

Mal abgesehen von Wladimir Slintchenko als Verstärkung hinten wie vorne: Wo hat sich Ihr Team seitdem noch verbessert?
Lucas Berger: Ich sage ja, jeder einzelne hat sich verbessert. Als ich vor zweieinhalb Jahren in Dittelbrunn angefangen habe, stand die Mannschaft nach dem Aufstieg mit dem Rücken zur Wand. Aus der Aufstiegsmannschaft sind nicht mehr all zu viele dabei. Leistungsträger hatten nach dem Aufstieg ihre Schuhe an den Nagel gehängt. Einige Studenten haben uns verlassen. Die jetzigen Spieler mussten mehr Verantwortung übernehmen. Das braucht Zeit. Jetzt mit einigen neuen im Team und den Jungs die gewachsen sind, haben wir eine gute Truppe. Die Jungs sind reifer geworden, einige Neuzugänge haben uns verstärkt. Wir spielen deutlich anders Fußball. Der Kader lässt es zu, auch offensiver zu spielen und mehr im eigenen Ballbesitz zu sein. Wir wollen weiter hart arbeiten und uns weiter verbessern. Natürlich ist es super, dass Wladi uns auf dem Feld zur Verfügung steht. Er gibt den Jungs zusätzliche Sicherheit und ist immer für ein Tor gut. Aber auch als Trainer bringt er neue Ideen mit. Auch hier klappt es mit unserer Zusammenarbeit super und es macht sehr viel Spaß mit ihm. Das ist wichtig bei einem Trainerteam.

Herr Slintchenko, haben sich alle Erwartungen erfüllt, die mit Ihrem Wechsel von Euerbach nach Dittelbrunn verbunden waren?
Wladimir Slintchenko: Es war ehrlich gesagt schon ein Start ins Ungewisse, schließlich ist das meine erste Trainerstation. Ich hatte mir erhofft, dass die Jungs gut mitziehen und nicht nur ein bisschen in der Freizeit kicken wollen. Eine gewisse Ernsthaftigkeit ist mir wichtig, egal in welcher Klasse man sich befindet! Ich wurde nicht enttäuscht. Wir haben eine sehr gute Trainingsbeteiligung, das Team zeigt sich super lernwillig, die Arbeit im Trainerteam ist sehr homogen und wir haben es geschafft, weg vom Underdog-Fußball der letzten Saison zu kommen. Es macht sehr viel Spaß zu sehen, wie sich jeder einzelne, aber auch das Team im Gesamten, weiterentwickelt.

Kann Euerbach in die Bayernliga aufsteigen? Und hätte Sie das nicht gereizt, da mitzumischen?
Wladimir Slintchenko: Natürlich hat die Mannschaft das Potential, am Ende ganz oben zu landen. Es gibt zwar keinen klaren Favoriten neben den Euerbachern, aber gerade da sehe ich auch die Gefahr. Eine starke Konkurrenz wie es im letzten Jahr Abtswind, Vach oder Unterpleichfeld war, kann sich auch positiv auf die eigene Leistung auswirken. Man darf sich nur wenige Ausrutscher erlauben und muss ständig fokussiert bleiben.

Das offizielle Saisonziel ´Klassenerhalt´ haben Sie aber schon über Bord geworfen?
Lucas Berger: Naja, wir wussten schon, dass wir uns gut verstärkt haben und als Mannschaft einen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben. Deshalb haben wir gesagt, wir wollen uns entwickeln diese Saison. Wenn man letzte Saison sich erst am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt sichert, sollte man aber auch nicht vergessen, wo man her kommt. Wir stehen gut da und wollen noch einige Punkte einsammeln und schauen dann, was am Ende auf der Habenseite steht.
Wladimir Slintchenko: Klar können wir uns jetzt mit 26 Punkten nicht hinstellen und sagen, nur der Klassenerhalt ist weiterhin unser Ziel. Wir wollen weiterhin Schritt für Schritt gehen, mehr Dominanz und Konstanz in unser Spiel bringen, taktisch variabler werden sowie die Fehlerquote minimieren. Sollten wir dies schaffen, so können wir von einer gelungenen Saison sprechen. Doch bis dahin ist es noch ein schwerer Weg. Wenn wir uns jetzt ausruhen und in Selbstzufriedenheit schwelgen, kann aus einer bisher ordentlichen Saison schnell auch eine schlechte Saison werden.

Was ist drin für die SG Dittelbrunn mittel- bis langfristig? Kreisliga? Oder vielleicht mal zusammen mit den in der A-Klasse ebenfalls aufstrebenden Hambachern, mit denen Sie ja schon länger kooperieren, auch mal noch mehr?
Wladimir Slintchenko: Klar ist, wir wollen den Verein weiter voran bringen. Mit dem Anspruch bin ich schon hergekommen. Die SG Dittelbrunn hat mit seinen Rahmenbedingungen sicherlich das Potential, in Zukunft auch mal höher zu spielen. Es macht jedoch keinen Sinn jetzt große Töne zu spucken und sich selbst Druck zu machen. Die Zusammenarbeit mit Hambach läuft sehr positiv. Eine intakte zweite Mannschaft ist für uns sehr wichtig, damit kein Spieler in irgendeiner Weise hinten abfällt. Da machen alle Beteiligten einen super Job. Doch ein Zusammenschluss der ersten Mannschaften ist derzeit überhaupt kein Thema. Da besteht auch keine Notwendigkeit, da beide Teams personell sehr gut aufgestellt sind. Ich bin sowieso der Meinung, dass jeder Verein seine eigene Identität wahren muss und Spielgemeinschaften wirklich nur das letzte Mittel darstellen sollten.
Lucas Berger: Mittelfristig wollen wir uns im Training und in den Spielen ständig weiter verbessern. Langfristig gesehen schließe ich mich Wladi voll an. Am Marienbachzentrum haben wir super Vorrausetzungen.

Sie haben in der Vorrunde gegen die Top-Drei der Kreisklasse SW 4 gespielt, nur gegen den TV Jahn einen Punkt auswärts geholt. Wen aus dem Trio ganz oben schätzen Sie als Favoriten auf die Meisterschaft ein?
Lucas Berger: Alle stehen zurecht oben in der Tabelle. Da möchte ich noch keinen Favoriten nennen. Ich denke entscheidend ist, wer am besten ins Jahr 2019 startet und wer von Verletzungen verschont bleibt.
Wladimir Slintchenko: Das ist schwierig zu beantworten. Alle drei Teams haben das Zeug, am Ende ganz oben zu stehen. Hesselbach hat in meinen Augen den besten Eindruck hinterlassen. Das kann aber im neuen Jahr schon wieder hinfällig sein, wenn sich Schlüsselspieler verletzen sollten oder man einen Negativlauf hat.

Sind Sie froh, dass schon am Sonntag danach in Burgpreppach das Spieljahr endet oder würden Sie gerne noch etwas länger kicken als nur bis zum 11. November?
Lucas Berger: Das Wetter war bisher überragend. Jetzt geht das „Sauwetter“ los. Von daher macht es schon Sinn, dann in die Winterpause zu gehen. Wochenlang bei Kälte zu trainieren und zu spielen ist uns bisher erspart geblieben.
Wladimir Slintchenko: Es ist schon in Ordnung so. Jetzt wo die Temperaturen fallen und die Plätze schlechter werden ist es natürlich etwas anderes, als im Sommer zu trainieren und zu spielen.

Wir danken für die Infos und wünschen alles Gute!

Dieses Interview stellte uns das lokale fränkische Fußballportal www.anpfiff.info ausnahmsweise in kompletter Länge zur Verfügung – um mal zu beweisen, wie sehr sich ein Abo lohnen kann angesichts der Ausführlichkeit, mit der sich anpfiff den unterklassigen, kleinen Vereinen der Region in und um Schweinfurt widmet. Während etablierte, altbackene Printmedien ihre Redakteure zu Bundesliga- oder Champions League-Partien senden, besucht anpfiff mit seinen Mitarbeitern bei Wind und Wetter ohne ohne Tribünen, Sitzplätze oder VIP-Lougen für die Journalisten die Partien der niedrigen Klassen. Dieses Interview veröffentlichte www.anpfiff.info übrigens schon am Donnerstag – mit zahlreichen weiteren Fotos und zusätzlichen Informationen.







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