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Gesang von mir selbst: Neue Ausstellung des Museums Otto Schäfer mit Werken von Helm Zirkelbach und Walt Whitman vom 22. März bis 26. Juli


Pabst Frag Anna

SCHWEINFURT – „Song of myself“ gehört zum Kernbestand der berühmten Gedichtsammlung „Leaves of grass“ des amerikanischen Lyrikers Walt Whitman (1819-1892), die er 1855 erstmals – noch ohne Titel – in Druck gab und bis zu seinem Tod immer wieder erweiterte. Dabei war der spätere Titel des anfangs kaum erfolgreichen Buches ein Wortspiel. Die deutsche Übersetzung „Grashalme“ spiegelt dabei nur eine Dimension wieder.

Für den überzeugten Demokraten Whitman war Gras zum einen ein Symbol der Prärie, der nordamerikanischen Steppenlandschaft, und zugleich ein Pflanze, die in jedem Garten wuchs, egal ob dessen Besitzer reich oder arm, schwarz oder weiß, Mann oder Frau war. Zum anderen steht das Wort leaves für die Seiten eines Buches und grass in der Sprache der Verleger und Drucker – Whitman war gelernter Setzer – für mindere Bücher. Oder doch für eine Poesie, die jedes einzelne Individuum unabhängig von seiner gesellschaftlichen Stellung mit der Vokabel „Ich“ feiert: „Ich feiere mich selbst und singe mich selbst, und was ich mir anmaße, sollst du dir anmaßen, denn jedes Atom, das mir gehört, gehört auch dir.“


Mezger

Der Künstler Helmut Anton – kurz Helm – Zirkelbach (* 1962 in Schondorf) war zufällig im Nachlass seines Vaters war er auf ein Reklamheftchen gestoßen – die Grashalme in deutscher Übersetzung von Johannes Schlaf (1862-1941), die erstmals 1907 erschienen war. Mit ihr wurde seinerzeit der Whitman-Kult in Deutschland begründet, dessen Bann sich weder die Expressionisten noch Thomas Mann (1875-1955) entziehen konnten, der den amerikanischen Lyriker als „Donnerer von Manhattan“ verehrte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Whitman zu einem bedeutenden Idol der Beat-Generation.

Auch Helm Zirkelbach war von dem Gedichtband fasziniert. Dabei ging es ihm immer um seinen eigenen Zugang zu den Versen Whitmans, die ihm damals in einer persönlich schwierigen Lage Zuversicht spendeten. Obwohl er sich erst 1991 als Autodidaktik der Kunst des Radierens zugewandt hatte, schuf er in den beiden folgenden Jahren, für jede der 52 Strophen ein eigenes Blatt. Die Arbeit war zunächst als Buch geplant. Ein früher Mäzen konnte den jungen Künstler aber davon überzeugen, dass für Sammler eine lose Folge attraktiver ist als ein gebundenes Buch. Das Reklamheftchen seines Vaters bezog er in seine Grafiken ein, kopierte einzelne Textstellen, rieb sie mit Nitro ab und klatschte sie auf die jeweilige Druckplatte ab.


Der Toner blieb nun erhaben auf der Platte stehen, so dass sich die Druckfarbe beim Auswischen um die Erhöhungen sammelte. Im Endeffekt wird daher nicht die Schrift, sondern deren Kontur gedruckt. Die Farbwahl Zirkelbachs ist begrenzt: Neben Schwarz und einem kräftigen, mitunter leuchtenden Blau bestimmen Rot- und Brauntöne seine Palette. Nur selten changieren das Blau zu Violett und das Rot zu Orange. Die Form der Platten aber variiert stark. Es finden sich unregelmäßig geformte Platten mit tiefen Einschnitten, eine weitere Variante ist das Zerschneiden in einzelne Segmente. Daneben tritt aber auch die klassische Form des Rechtecks wie im Selbstbildnis des Künstlers und im Porträt Whitmans.

Die Ausstellung wird rund die Hälfte dieser Blätter präsentieren, dazu auch die neueste Folge „Ein ewig Hugärtle“ (2019) und eine Arbeit aus den „Préludes“, einer Hommage an Frédéric Chopin (2014).

Biographische Daten zu Helm Zirkelbach:
1962 Geboren in Schorndorf / Württemberg
Ab 1985 Freischaffender Bildender Künstler
1991 Erste Radierungen
1992/93 „Gesang von mir selbst”, Zyklus mit 52 Radierungen zum Gedicht von Walt Whitman
1996 „I remember where I came from”, Radierzyklus
1999 „Schläfer, Tod und Engel”, Radierzyklus
1999/2000 „Winterreise”, Radierzyklus zum Zyklus der 24 Lieder von Franz Schubert und Wilhelm Müller
2008 „Tailfinger Totentanz”, Zyklus mit 13 Radierungen
2009 „Schwarz”, Folge von 13 Radierungen
2014 „préludes”, Zyklus mit 24 Radierungen zu den „Préludes” von Frédéric Chopin
2018 „Roteisenstein“, Folge von 8 Radierungen
2019 „Ein ewig Hugärtlein“, Folge von 5 Radierungen
Ab 1994 Mitglied im Verband Bildender Künstler und Künstlerinnen Württemberg e. V.
Ab 2004 Mitglied im Künstlerbund Tübingen

Helm Zirkelbach / Walt Whitman
Gesang von mir selbst
Eine Ausstellung des Museums Otto Schäfer
22. März bis 26. Juli 2020

Museum Otto Schäfer
Buchkunst, Grafik, Kunsthandwerk
Judithstraße 16
97422 Schweinfurt
www. Museumottoschaefer.de
dosstiftung@aol.com

Öffnungszeiten
Sa 14-17 Uhr
So und Feiertage 10-17 Uhr
Im August und am 24., 25. und 31.12 sowie am Faschingsdienstag geschlossen

Auf den Fotos:

Walt Whitman: Gesang von mir selbst: Gesang 16 (Portrtait Helm Zirkelbach) Radierung / Aquatinta, 1993
Walt Whitman: Gesang von mir selbst: Gesang 24 (Portrtait Walt Whitman) Radierung / Aquatinta, 19933
Walt Whitman: Gesang von mir selbst: Gesang 28, Radierung / Aquatinta, 1993
Ein ewig Hugärtle III, Radierung / Aquatinta, 2019
Préludes. Hommage an Frédéric Chopin, Prélude Nr.24, Radierung / Aquatinta, 2014



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