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Foto: Lutz

Hauptblüte in den fränkischen Steinobstanbaugebieten: Obstbauern setzen auf Mauerbienen


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UNTERFRANKEN – Letzte Woche begann die Hauptblüte in den fränkischen Steinobstanbaugebieten. Gerade während der frühen Blüte von Aprikose, Pfirsich, Zwetschge und Süßkirsche sind in manchen Jahren noch nicht ausreichend Insekten für die Bestäubung unterwegs.

Seit jeher leistet hauptsächlich die Honigbiene vieles an Bestäubungsarbeit, jedoch leidet sie häufig unter Befall durch bestimmte Krankheiten und ist vor allem bei kühleren Temperaturen kaum aktiv. Als Ergänzung zur Honigbiene nutzen die Obstbauern seit einigen Jahren verstärkt die Hilfe natürlich vorkommender heimischer Wildbienen wie beispielsweise die der gehörnten (Osmia cornuta) und der roten Mauerbiene (Osmia bicornis). Gehörnte Mauerbienen fliegen bei sonnigem Wetter bereits ab 4°C, rote Mauerbienen ab 10°C. Honigbienen werden dagegen erst ab etwa 12°C flugfähig.


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Mauerbienen leben solitär, d.h. sie bilden keine Staaten. Jedes Weibchen baut seinen eigenen Nistgang und bringt eine relativ kleine Anzahl an Nachwuchs hervor. Sie schlüpfen im Frühjahr und paaren sich sogleich. Anschließend suchen sich die Weibchen geeignete längliche Hohlräume, in denen sie einzelne Zellen zum Nisten anlegen. Sobald jede Zelle mit einem Pollen-Nektar-Gemisch gefüllt ist, wird je ein Ei in jede Zelle abgelegt. Nach drei Tagen schlüpft die Bienenlarve und er-nährt sich von dem Futtervorrat. Im Anschluss an die Verpuppung verbleibt die Biene bis zum kommenden Frühjahr in ihrem Kokon.

Mauerbienen sind käuflich erhältlich, eine Population in einer Obstanlage kann aber auch gezielt gefördert werden. Dazu werden Nisthilfen (Nistblöcke, gebündelte hohle Pflanzenstängel, Hartholzblöcke mit Bohrlöchern, Strangfalzziegel) an trocken-warmen Stellen in den Anlagen aufgestellt. Um eine gesicherte Überwinterung mit gleich bleibenden Bedingungen zu gewährleisten, werden die Kokons im Herbst aus den Nisthilfen entnommen und bei 1-4°C und hoher Luftfeuch-tigkeit gelagert. Pflanzenstängel oder Holzblöcke können aber auch mitsamt den Kokons an einem kühlen Ort gelagert werden. Dies beugt vorzeitigem Schlüpfen vor, das oft schon durch einzelne sonnig-warme Tage im Winter hervorgerufen werden kann. Durch zu frühes Schlüpfen im Winter sind die Bienen dem Kältetod ausgesetzt.


Der Einsatz von Wildbienen ist auch ein Beitrag zur Förderung der Biodiversität. Gerade die Obst-anlage stellt ein vielfältiges Habitat dar. Durch die langen Standzeiten von 15-25 Jahren ohne extreme Strukturveränderungen weisen die Flächen einen hohen Nutzen als Rückzugsort, Nahrungs- und Nisthabitat auf. Blühende Pflanzen in den Randstrukturen und den Fahrgassen bieten Bestäu-bern eine wertvolle Nahrungsquelle. Aber auch viele Nützlinge, die gegen Schädlinge im Obstbau wirken, profitieren von der vielfältigen Struktur. Durch Greifvogel-Stangen und Nistkästen tragen die fränkischen Obstbauern zudem dazu bei, dass sich ein ausgeglichenes Verhältnis verschiedenster Arten in ihren Anlagen entwickeln und halten kann. Blühende Rand- und Fahrgassenbereiche und die Pflege der Nisthilfen erfordern von den Obstbauern ein gezieltes Management der Flä-chen. Dadurch können die kleinen Flächenstrukturen in Franken erhalten werden und bieten regi-onal angebautes Obst und den Erhalt sowie die Förderung der Artenvielfalt.

Die Einrichtung von Mauerbienen-Nisthilfen ist nicht nur für Obstanlagen, sondern auch für den Hausgarten empfehlenswert. Je mehr Habitate den Wildbienen angeboten werden, desto besser. Dabei sollten die Nisthilfe-Einheiten am besten klein gehalten, dafür aber an mehreren Orten auf-gestellt werden. Mauerbienen „mauern“ ihre Zellwände aus feuchter Erde. In trockenen Jahren ist es wichtig, ihnen feuchte Erde in der Nähe der Nisthilfen anzubieten. Nistbrettchen mit unter-schiedlichen Lochdurchmessern sind hier gut geeignet, da sie variabel gestapelt und die Kokons daraus gesammelt werden können. Außerdem können sie optimal gereinigt werden. Aufgeschichtet in Holzkisten mit kleinem Dach oder in Mörtelkisten und mit einem engmaschigen Gitter ver-sehen können sie noch bis Mitte April geschützt vor Regen und Vögeln in Richtung Süd-Ost oder Süd-West aufgestellt werden.

Text: von Thomas Riehl und Maria Lutz, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kitzingen, Abteilung Gartenbau.

Bilder:

Mauerbiene an Süßkirschen-Blüte
Thomas Riehl, AELF Kitzingen

Mauerbiene an einer Nisthilfe
Maria Lutz, AELF Kitzingen

Foto: Riehl


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