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Nur ein Wimpernschlag der Merkershäuser Geschichte: Mit dem Gasthaus „Haßbergblick“ verschwand eines der letzten Dorfgasthäuser


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MERKERSHAUSEN – Ursprünglich wollte der Bad Königshöfer Ortsteil Merkershausen diesen Sommer seine 1225-jährige urkundliche Ersterwähnung mit einem großen Fest feiern. 45 Jahre sind 1,7 Tausendstel davon und vergleichsweise ein Wimpernschlag der Geschichte. So lang bzw. kurz gab es in Merkershausen das Gasthaus „Haßbergblick“.

Keine jahrhundertelange Wirtshaus-Tradition, aber für unzählige Gäste aus dem Dorf und der Region ein willkommener, familiär betreuter Kommunikationstreffpunkt. Für eine Vielzahl unserer Leser sind die Wirtsleute, der Höllers Egon und seine Resi, bekannt wie der viel zitierte bunte Hund. Egon, 2013 gestorben, war bis zu seiner Verrentung als Angestellter beim Milchprüfring München auf vielen Bauernhöfen Nordbayerns unterwegs und als Fußball-Trainer mehrerer Vereine auf allen Sportplätzen der Region bekannt.


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Zwei Gasthäuser im Dorf einer Größe von Merkershausen waren in den 1960-er-Jahren üblicher Durchschnitt im Altlandkreis Königshofen. In Merkershausen gab es nur eines, das Gasthaus Diemer (bis 31.12.1995). Es sollte ein zweites dazukommen. Auch in Bundorf, dort, wo Rosa Thürmer, ihre Tochter Resi und ihr Schwiegersohn Egon Höller, ein gebürtiger Merkershäuser, zuvor wohnten, bevor sie (wieder) Merkershäuser wurden, trugen sich zwei Gasthäuser.


Man schrieb das Jahr 1967: Egon und „seine zwei Frauen“ wagten als Zuerwerb den Schritt als Gastwirte. Aus dem Stand und ohne jedwede einschlägige Erfahrung pachteten sie die Gaststätte Brünner in der Schweinfurter Straße in Königshofen. Und weil es so gut lief, betrachteten sie das etwas mehr als eine Jahr als Testlauf. „Den entscheidenden Anstoß gab uns Frau Wittmann von der Brauerei Büttner, die uns zu dem Schritt überzeugte“, erinnert sich Resi Höller, die einzige noch Lebende aus dem Trio. Dann ging es relativ schnell: Sie bauten in Merkershausen am Althäuser Weg 1 neben dem Höller´schen Elternhaus ein zweistöckiges Gebäude, als Wohn- und Gasthaus „Haßbergblick“. Eröffnung war am 1. Februar 1969.

„Die Höllern“ leisteten sogar einen kleinen Beitrag zum aufkeimenden Fremdenverkehr, hielten fünf Fremdenzimmer vor für Urlauber und zur Übernachtung auswärts beschäftigter Berufstätiger. Als das Gasthaus Diemer schloss und das MSV-Sportheim noch nicht gebaut war, entwickelte sich für die Dorfbevölkerung, aber auch für viele Gäste aus Bad Königshofen und den Nachbarorten, die „Wirtschaft“, wie man in Merkershausen sagt, zu einem beliebten Kommunikationszentrum. Nicht zuletzt deshalb, weil es ein klassischer, heimischer Familienbetrieb mit regionaler Speisekarte und gemütlichem, ländlichem Flair war.

Resi Höller erinnert sich an die beinahe täglichen Stammtische, den Montags-Stammtisch, Dienstag war Ruhetag, den Altherren-Fußballer-Stammtisch am Mittwoch, „die jungen Leut´“ am Donnerstag oder etwa den Silvester-Club am Sonntag. Sonntagabend war auch Landkreis-Fußball-Börse bei Höller, wurden – im analogen Zeitalter – Ergebnisse von den Sportplätzen ausgetauscht und Spielanalysen vorgenommen. Rosa und Resi zauberten in der gutbürgerlichen Küche die weit und breit bekannten guten, knusprigen, goldbraunen „Göögerlich“ auf den Tisch ihrer Gäste oder die telefonisch bestellten „über die Straße“. Weitere Spezialitäten gab es an den Kirchweihtagen, die stets am letzten Wochenende vor dem ersten Advent gefeiert wird: Am Kirchweih-Freitag „Schweinshaxen mit Kraut und Erbsenbrei“, am Samstag und Sonntag Geflügel- und Wildgerichte nach Hausmannsart.

Rosa, Resi und Egon waren ihren Gästen nicht nur Wirtsleut´, Köchin und Bedienung, sondern auch Ersatz-Schafkopfspieler, geduldige Gesprächspartner, Zuhörer und hin und wieder gute Ratgeber und Tröster. Der „Haßbergblick“ war Veranstaltungsort für Spielerversammlungen des MSV (vor dem Sportheimbau), von Preisschafkopf-Turnieren, Feierlichkeiten wie Geburtstage, Hochzeiten oder Leichenschmaus sowie Terrassenfeste im Sommer. Das in der Region ortsübliche Wirtshaus-Sterben ging auch an Merkershausen nicht vorüber. Dem „Haßbergblick“ waren biologische Grenzen gesetzt. Als die Senior-Chefin Rosa Thürmer 1992 starb und Egon Höller noch berufstätig war, blieb mehr Arbeit an Resi Höller hängen. Unterstützt wurde sie zu besonderen Anlässen von Familienmitgliedern und Verwandten. Als Egon 2013 starb, zeichnete sich das Ende ab. Ihren Kindern und Verwandten wollte sie ihre Abhängigkeit von ihnen nicht zumuten. Und so gingen am 1. Mai 2014 die letzten „Göögerlich“ und Biere über die Theke.

45 Jahre „Haßbergblick“ waren ein großer Teil ihres Lebens. Resi Höller, der man lange nicht zutraute, dass sie den Mut zum Aufgeben habe, hat diesen Schritt ebenso wenig bereut wie jenen damals zum Bau des Wirtshauses. An ein ehemaliges Wirtshaus erinnert nach diversen Umbaumaßnahmen nichts mehr. Ein bisschen Wehmut schwingt aber schon mit, wenn man sie in Erinnerungen an diese 45 Jahre ihres Lebens erinnert: „Ich hab´ mich immer g´freut, wenn die Leut´ zufriede´ war`n, wenn´s ihne g´schmeckt hat.“ Oft hat sie auch spezielle Wünsche und Kreationen außerhalb der Speisekarte erfüllt. „Ja, scho´, ich ho halt leidenschaftlich und gern gekocht.“ Es sei erlaubt hinzuzufügen: „…und sehr gut.“

Rudi Dümpert für SW1.News und Rhön1.News und HAS1.News


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