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Stephan Ullrich am ETA Hoffmann Theater in Bamberg: Wie Felix Althofer nach Oberfranken kam


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BAMBERG – Wer kennt noch „Samt und Seide“? Anfangs des neuen Jahrtausends war das eine höchst erfolgreiche ZDF-Vorabendserie mit fünf Staffeln. Und mit richtig guten Schauspielern. Um einige davon wurde es danach still. Hauptdarsteller Stephan Ullrich ist nun seit der Spielezeit 2017/18 festes Ensemblemitglied am ETA Hoffmann Theater in Bamberg. Ein Ortsbesuch.

„Feeeeelix!“ Wer damals die Serie sah, wird sich vielleicht daran erinnern, wie Ullrichs Freundin und spätere Frau Natalie Seiler ihren Felix Althofer immer so euphorisch begrüßte. Ullich, heute 58 Jahre alt, erinnert sich gerne an die Zeit von 2000 bis 2005. In nahezu allen 114 Folgen spielte er den Sohn eines Augsburger Textilunternehmens, das immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten geriet.


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Wie´s zur Rolle kam? „Ich hatte zuvor ein paar Filme gemacht und konnte gut ein Dreckskerl sein“, lacht der aus Solingen stammende, ausgebildete Schauspieler. „Amerika“ oder „Atemlose Liebe“ hießen die Filme. Auch in „Weihnachten mit Willy Wuff“ spielte Stephan Ullrich mit, ebenso zwei Mal in „Polizeiruf 110“ oder in „Schlosshotel Orth“. Dann kam „Samt und Seide“ und die Rolle für ihn als Frauenheld. „Ich habe Ehen zerstört und bin dann abgehauen“, denkt Ullrich heute über die Besetzung mit ihm danach beispielsweise in ein paar „Soko“-Folgen. Auch als Verbrecher oder charakterloser Schnösel wurde er gebucht. „In Samt und Seide bekam ich für jede Staffel einen neues Porschemodell, durfte damit aber nur auf dem Drehgelände fahren“, lacht er.


2013 ist seine letzte Rolle im Film vermerkt: In einem Tatort. „Ich befinde mich jetzt im Stadium des Alterswechsels“, sagt er. Im Fernsehen wisse man derzeit nicht mehr, wohin mit ihm. „Das aber trifft Frauen noch härter. Das ist mit über 30 erstmal Schluss“, erzählt er. Der jugendliche Herzensbrecher ist Stephan Ullrich nun nicht mehr unbedingt, für eine Rolle als Traumschiff-Kapitän braucht es vielleicht noch ein paar Jahre. „Oder ich muss mir mal die Haare kurz schneiden lassen!“ Derzeit sei er für´s Fernsehen eher als böser Onkel tauglich als als Liebhaber.

„Samt und Seide“ sei aufgrund der Produktionsbedingungen damals ein Versuchsballon des ZDF gewesen. Als Regisseur Gunter Friedrich, verantwortlich für die ersten Staffeln, übergab, da legten die Produzenten Wert auf eine Abänderung der Story, fügte beispielsweise Südafrika als zweiten Schauplatz an. Letztlich setzte man trotz guter Quoten die Serie aber deshalb ab, weil die Zuschauer laut Markterhebung zu alt waren. Sehr zum Ärger des einen Hauptdarstellers. „Alte Menschen brauchen auch ein Programm“, sagte Stephan Ullrich schon damals und widmete sich überwiegend dem Theater (siehe unten). In Bochum traf er auf Sibylle Broll-Pape, die dort das Prinz Regent-Theater gründete und leitete. Sie ist heute Intendantin am ETA Hoffmann Theater in Bamberg. So kam´s zum Engagement Ullrichs in Oberfranken.

Seine Heimatstadt Solingen mag schöner sein als der Ruf, vor allem rostfrei. Bamberg freilich („jeder Stein spricht hier Geschichte!“) begeistert den heute 58-Jährigen, der nach anfangs neun Jahren am Theater von 1996 an freiberuflicher Schauspieler war und der sich erst 2017 wieder gebunden hat an ein Ensemble. Beim Besuch bereitete sich Stephan Ullrich gerade auf eine Lesung vor. Aus Marcel Prousts Romanwerken. „Eros des Bildes“ hieß es am vierten von zehn Leseabenden im Cafe des Theaters. Bis Juli stehen sechs weitere Leseabende (siehe unten) an. So eine Serie hat er aus Bochum übernommen und nach Bamberg verpflanzt, wo ihm letzten Sommer der Besuch im Wilde Rose-Keller, dem riesigen Biergarten, beeindruckte. Dort spiele eine Bayerische Kapelle.

Das Thema Flüchtlinge bewegt Stephan Ullrich privat genauso wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Sachen Bezahlung und Gage. Der Mann schaut über den Tellerrand hinaus. Und weiß, dass er dem ETA Hofmann-Theater nur dann nachhaltig seine Handschrift aufdrücken kann, wenn er längere Zeit bleibt. Das hat er vor. Der Vorteil der mittelgroßen Stadt im Vergleich zu Metropolen wie München oder Berlin ist ihm längst bewusst. Mit dem Fahrrad kommt er zum Theater gefahren, auch im Winter. Das Kapitel TV ist für Stephan Ullrich zwar noch nicht abgeschlossen, momentan aber kein Thema. Vielleicht wirklich als Traumschiff-Kapitän…

Stichwort Schweinfurt: Das kennt er, die Türme des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld sieht er immer dann, wenn er in den Westen in die alte Heimat zu Frau oder Mutter pendelt. Bei Shadi Shararah, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie im Leopoldina-Krankenhaus, war er sogar schon mal direkt für eine Behandlung. Im Stadttheater noch nicht. Das setzt bislang auf keine Gastspiele der Bamberger, die sich aber gut vorstellen könnten, mal in Schweinfurt zu gastieren. Bis dahin freilich müssen Fans von Stephan Ullrich oder Felix Althofer nach Oberfranken pilgern…

Stephan Ullrich:
Stephan Ullrich wurde 1960 in Solingen geboren. Nach seiner Schauspielausbildung an der Neuen Münchner Schauspielschule spielte er in Moers, Bochum, Düsseldorf, Aachen und Essen. Von 1986 bis 1996 war er fest am Schauspielhaus Bochum engagiert. Er arbeitete zusammen mit Breth, Steckel, Freytag (jeweils Berliner Theatertreffen), L. Haußmann, B. K. Tragelehn, Rudolph, Winkelgrund, Schütz, Troller, Redl, Helle, Jarzyna, Jaibi, Kica, Broll-Pape, Storman, Charim, Pullen. Früh kamen erste Fernsehrollen dazu, vor allem die Hauptrolle des Felix in der ZDF-Serie „Samt und Seide“. In der Spielzeit 2012/13 spielte er am Schauspielhaus Bochum den Jason in „MEDEA“ und am Prinzregenttheater Bochum in „Buddenbrooks“ den Christian sowie in der Kammeroper „Die schöne Magelone“ in einer Koproduktion mit den Bochumer Symphonikern. 2015/16 war er als Gast in „Der schwarze Obelisk“, „Doktor Faustus“, „Endstation Sehnsucht“ und „Die Möwe“ am Theater Osnabrück, sowie in „Romeo und Julia“ in einem Projekt der Wuppertaler Bühnen mit dem Tanztheater Pina Bausch zu sehen.
Seit der Spielezeit 2017/18 ist Stephan Ullrich festes Ensemblemitglied am ETA Hoffmann Theater.
Er wirkt in der Spielzeit 2018/19 mit bei DAS ACHTE LEBEN (FÜR BRIILKA), IM WEIßEN RÖSSL und HAMLET.

Demnächst im Bamberger ETA Hofmann Theater:
Nino Haratischwilis Das achte Leben (Für Brilka) ab Freitag, 11.01.
Julia Zehs Leere Herzen ab 18.01.
Im Weissen Rössl wieder ab 21.01.
William Shakespeares Hamlet ab 22. 03. mit Stephan Ullrich als Claudius
Stephan Ullrich liest in der Treffbar an zehn Abenden thematisch abgeschlossene Kapitel.
05 | 11.02.2019: Proust und die technische Welt
06 | 07.03.2019: Schreiben, Kunst, Lesen
07 | 02.04.2019: Krankheiten
08 | 02.05.2019: Epiphanien
09 | 04.06.2019: Frauen, Bilder, Erinnerung
10 | 02.07.2019: Todesahnungen

Folgendes Video entstand am Mittwoch, den 09. Januar:
www.youtube.com/watch?v=LmbZIwJa8PA&feature=youtu.be



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