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„Alles relativ normal“ beim Boys Day: Schüler besuchten im Rahmen des Aktionstags ein Lebenshilfe-Wohnheim


Johanniter Hausnotruf

SCHWEINFURT – Die fünf Schüler sind überrascht. Obwohl Christian Cartus, Fachbereichsleiter Wohnen bei der Lebenshilfe Schweinfurt, ihnen in einem Vorgespräch erläutert hat, was sie erwartet, haben sie damit nicht gerechnet. Jetzt stehen die 13- bis 15-Jährigen in einem Wohnheim für Menschen mit Handicap und wundern sich. Kein Hinweisschild am Hauseingang, kein Krankenhausgeruch, keine Pfleger in weißen Kitteln. Stattdessen ein mitten in einem Wohngebiet gelegenes Häuschen mit Garten, eine einladende Veranda, ein Wohnzimmer mit gemütlicher Sitzecke, hoher Holzdecke und selbstgemalten Bildern an den Wänden. „Das sieht alles relativ normal aus“, sagt einer.

Im Wohnheim An den Unteren Eichen der Lebenshilfe Schweinfurt absolvierten die Schüler der Schweinfurter Auenschule und des Würzburger Riemenschneider-Gymnasiums an diesem Donnerstag den Boys Day. Bundesweit schnuppern Fünft- bis Zehntklässler dabei freiwillig in Berufsfelder hinein, in denen bislang überwiegend Frauen tätig sind. Berufe aus den Bereichen Erziehung und Soziales, Gesundheit und Pflege: Sie stehen beim Boys Day im Mittelpunkt. Unter anderem das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt den Tag. Das Ziel: Jungen dazu zu ermutigen, bei der Berufswahl über den Tellerrand zu schauen. Vielleicht könnte man auch von einem Perspektivwechsel sprechen.


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Die fünf Schüler erleben während des Boys Days im Wohnheim immer wieder Dinge, mit denen sie nicht gerechnet haben. Jeder Bewohner hat hier ein eigenes Zimmer, das er sich nach Belieben einrichten kann. In einem hängt ein Poster des Rappers 50 Cent an der Wand. Schnell wird klar: Hier leben Menschen, die Hobbys haben, zur Arbeit gehen, einkaufen, kochen, ausgehen oder in den Urlaub fahren. Relativ normal also. „Ihn hab ich gestern in der Stadt gesehen“, sagt einer der Schüler, als er von einem Hausbewohner eingeladen wird, sich sein Zimmer anzuschauen. Auch eine Fahrt mit dem E-Rolli hilft, Normalität aus einer anderen Perspektive zu erleben. „Es war ungewohnt, nur den Oberkörper zu haben, um alles zu machen“, fasst einer der Schüler seine Eindrücke zusammen.


Barbara Brünner freut sich über die männliche Verstärkung, die sie heute hat. Seit elf Jahren arbeitet sie in dem Wohnheim der Lebenshilfe Schweinfurt, einem von über 20. Drei Mitarbeiterinnen, ein Mitarbeiter, eine Auszubildende und eine Praktikantin kümmern sich in dem Haus um zwei Bewohnerinnen und sieben Bewohner. Insgesamt haben in den Wohnheimen der Lebenshilfe Schweinfurt rund 275 Menschen ein Zuhause gefunden. „Mehr männliche Mitarbeiter wären manchmal ein guter Ausgleich für unsere Bewohner“, meint Barbara Brünner mit Blick auf den Boys Day. Es gebe eben Themen, die Männer lieber mit Männern und Frauen lieber mit Frauen besprächen.

Wenigstens heute ist für den Ausgleich gesorgt. Kuchen backen, Rasen mähen, Gartenarbeiten: Zusammen mit den Hausbewohnern machen sich die Schüler ans Werk. Drei gehen mit Lisa Rinn und Jürgen Kraus zum Einkaufen in den Supermarkt. Lisa Rinn ist angehende Heilerziehungspflegerin und erläutert den Schülern den „Assistenzgedanken“, eine der Leitideen für die Arbeit in den Einrichtungen der Lebenshilfe Schweinfurt. „Ich greife erst ein, wenn es nicht alleine geht“, erklärt sie. Jürgen Kraus kauft im Supermarkt selbstständig für das Abendessen im Wohnheim ein. Wenn er etwas aus seinem Rollstuhl heraus nicht erledigen kann, helfen ihm seine Begleiter.

Lisa Rinn ist zufrieden. Menschen dabei zu unterstützen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und auszubauen, ist eines der Dinge, die ihr an ihrer Arbeit sehr gefallen. Auch den Schülern scheint der Boys Day im Wohnheim Spaß gemacht zu haben. „Kann man in der Lebenshilfe ein Praktikum machen?“, fragt einer während des Abschlussgesprächs.

Auf den Bildern:
* Neues ausprobieren: Der Boys Day soll Jungen motivieren, bei ihrer Berufswahl auch Tätigkeiten im Sozial- und Gesundheitswesen in Erwägung zu ziehen.
* Mit dem Boys Day über den Tellerrand schauen: Bei ihrem Besuch im Wohnheim der Lebenshilfe Schweinfurt probierten die Schüler unter anderem aus, welchen Einfluss die eigenen Erwartungen, der Blick auf die Dinge, auf das haben, was man als normal empfindet.



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