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Abschied vom grünen Rasen: Gärten in der Region müssen sich auf trockene Sommer umstellen


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LANDKREIS SCHWEINFURT – Niederschläge bleiben aus, so mancher Brunnen versiegt und der Grundwasserspiegel sinkt. In unseren Regionen wird das Wasser knapp. Das macht es Gartenbesitzerinnen und -besitzern nicht einfach: Ein sattgrüner, dichter Grasteppich braucht viel Wasser.

Andererseits lautet bei der anhaltenden Trockenheit die Devise: Wasser sparen und auf künstliche Bewässerung der Rasenfläche verzichten. Auch die Regierung von Unterfranken ruft in einer Pressemitteilung „alle Bürgerinnen und Bürger zur besonders achtsamen und sparsamen Verwendung von Wasser“ auf. So sollte auf Rasensprengen derzeit verzichtet werden, teilt die Regierung mit. Die Zukunft der Gras-Rasen in den Gärten sieht deshalb eher schlecht aus.





Von manchen Gartenbesitzern geliebt, von anderen verachtet, wird dem Rasen nach wir vor viel Aufmerksamkeit zuteil. Unter Naturgartenfreunden hat der Rasen zwar einen schlechten Ruf, da sein Nutzen für die Tierwelt als gering erachtet wird. Doch ein Rasen kann wichtige Funktionen erfüllen. Er ist Spiel- und Liegefläche oder Treffpunkt und Raum der Erholung. Diese Rolle kann eine Kies- oder Pflasterfläche nicht so gut erfüllen, ebenso wenig eine Blühwiese.


Anpassen und umgestalten

Bleibt uns dann jeden Sommer der trostlose Anblick einer braunen, verdorrten Rasenfläche im Garten? Nein, sagt Brigitte Goss, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege. Denn es gebe viele Möglichkeiten der Anpassung und Umgestaltung. Wer das Thema unverkrampft sieht, überlässt die braune, vertrocknete Rasenfläche den natürlichen Gegebenheiten, denn spätestens im Herbst oder bei einsetzenden Regen wird sich auch hier wieder eine grüne Fläche entwickeln. Sie besteht dann aus Gräsern und Wildkräutern, deren Zusammensetzung die Natur übernimmt.

„Wer sich aber über die braune Fläche ärgert, sollte sich Gedanken machen, ob denn eine Rasenfläche nötig ist, ob sie als solches auch genutzt wird oder auch umgestaltet werden kann“, sagt Goss. „In langanhaltenden Trockenperioden, wie wir sie zurzeit erleben, sehen Beete in der Sonne mit trockenheits- und hitzeverträglichen Stauden wie Heiligenkraut, Lavendel, Kräutersalbei, Blauraute, Spornblume und Lavendel immer noch schön aus“, erklärt sie. Diese Alternative lasse sich mit wenig Pflegeaufwand zumindest silber-grün erhalten.

Als flachwachsende und gelegentlich zu betretende Anlage böte sich ein Kräuterrasen an, der unter diesen Begriff als Saatgutmischung im Handel angeboten wird. Kräuterrasen wächst auf nährstoffarmem Untergrund und besteht aus flachwachsenden und strapazierfähigen Kräutern wie Thymian, Schafgarbe, Habichtskraut und Wiesensalbei. Fünf bis acht Mal im Jahr kann er gemäht werden.

Geduld ist gefragt

Auch Rasensaatgutproduzenten haben das Dürreproblem ebenfalls erkannt und bieten Grassaatgutmischungen für trockene Standorte an. Die Gräser sind im Grunde nicht besonders trockenheitsverträglich, sie wurzeln einfach tiefer als andere Gräser. Während die Gräser klassischer Rasenmischungen nur etwa 15 bis 30 cm tief wurzeln, können die Gräser für trockene Standorte sich mit ihren bis zu 80 cm tief wachsenden Wurzeln noch sehr lange selbst versorgen.

Gras, das tief wurzelt, ist zum Beispiel Rohrschwingel Festuca arundinacea. „Leider keimt es langsamer als gewöhnliche Gräser“, erklärt Goss. Über drei Wochen benötigten die Samen gleichmäßige Feuchtigkeit. „Die Trockenheitsresistenz entwickelt sich also erst später, wenn die Gräser eingewurzelt sind. Somit wird eine Neuanlage zur Geduldsaufgabe“, so die Kreisfachberaterin.

Vielversprechend sind Rasenmischungen mit Mikroklee, auch „Microclover“ genannt. Die kleine Kleeart wird zwar nur in geringen Mengen eingemischt, bietet aber in Trockenperioden länger ein grünes Gesamtbild als ohne. Zudem bringt der Klee Stickstoff aus der Luft in den Boden und versorgt die Gesellschaft der Gräser mit Nahrung.

Bei einer Neuanlage einer Grünfläche ist eine gute Bodenvorbereitung auch eine Vorsorge auf Trockenzeiten. „Steine, Unkräuter und Wurzeln sollten Sie entfernen, den Boden gut lockern und plan rechen. Dann sollte die Fläche einige Tage ruhen“, erklärt Goss. „Sandige, humusarme Böden, aber auch schwere Lehmböden verbessern Sie mit ausreichend Humus. Humus ist der beste Wasserspeicher. Verwenden Sie zum Düngen organischen Dünger, Kompost oder auch Bodenaktivatoren.“ Ein lebendiger Boden mit Mikroorganismen wirkt wie ein Puffer bei Trockenheit, aber auch bei Starkregen.

Obwohl Gras-Rasen von April bis Oktober angesät werden kann, ist die Anlage der Rasenfläche erst ab Mitte September oder im April sinnvoll. Wobei die Großwetterlage immer eine Rolle spielt. Regnerisches Wetter ist und bleibt ideal.

Im Bild: Es herrscht Trockenheit, das bedeutet für viele Gartenbesitzer, dass die Rasenflächen verdorren – von einer künstlichen Bewässerung sollte aufgrund der aktuellen Wasserknappheit allerdings abgesehen werden. Kreisfachberaterin Brigitte Goss rät: Umgestalten oder abwarten – spätestens im Herbst oder bei einsetzendem Regen wird sich auch hier wieder eine grüne Fläche entwickeln.
Foto: Landratsamt Schweinfurt/Goss

Das zweite Bild zeigt Kreisfachberaterin Brigitte Goss (Fotografin: Lisa-Marie Kaspar)


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