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Analysen und Vorschläge der Lokalen Agenda 21 für die anstehende Konversion: Westpark, grüne Meile, Multfunktionshalle und ein neuer Volksfestplatz?


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SCHWEINFURT – Nicht, „was wünsch ich mir?“, sondern „was darf nicht sein, was schadet der Stadt und dem Landkreis?“, fragte die Lokalen Agenda 21 und setzte dagegen „was brauchen sie nachhaltig?“ Es geht um die Flächen der Amerikaner, die künftig frei werden. Die Lokalen Agenda 21 empfiehlt, die Konversion selbst zu gestalten, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, sich Zeit einzuräumen und besonnen zu handeln, will Bedrohliches ausschließen, Wünschenswertes formulieren, rechtzeitig Investoren ansprechen.

Der hier nun veröffentlichte „Rote Faden“ zeigt zusammenfassend einige Ideen und Vorschläge der Lokalen Agenda 21. In Klammern nach den einzelnen Punkten stehen immer die Namen derjenigen, die Autoren dieser Abschnitte sind. Wir übernehmen im Wortlaut das Schreiben der Lokalen Agenda 21. Alle Abbildungen stammen vom Architektur + Ingenieurbüro Perleth, Dittelbrunn-Hambach.

1.) Arbeitsplätze (Mario Roosingh, Michael Dörfer)

Im Herbst 2014 werden in der Region Schweinfurt ca. 650 Army-Beschäftigte arbeitslos. Dazu kommen noch mindestens 250 Betroffene in privaten Betrieben, die für die Army in Schweinfurt arbeiten. Dies wirkt sich auch auf Handel, Gewerbe und Handwerk aus. Viele der Beschäftigten sind zwar tarifvertraglich abgesichert (TASS), aber dies schafft noch keine Ersatzarbeitsplätze. In dieser Krise sollte man den Strukturwandel auch mit Fördermitteln gestalten. Am besten nimmt eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQG) den Konversion-Bestand auf und nutzt die unterschiedlichen Kompetenzen ihrer Mitglieder. Die Beschäftigten können mit ihren Betriebs- und Ortskenntnissen Altlastenkataster erstellen, Altlasten beseitigen, sowie die Liegenschaften warten, pflegen, erhalten und umstrukturieren. Dabei kann / sollte die heimische Wirtschaft einbezogen werden. Die Rechtskonstruktion der BQG muss im Einzelfall geprüft werden. In jedem Fall sollen die beteiligten Akteure wirkungsvoll die Gesellschaft steuern.



2.) Altlasten (Dr. Erich Ruppert)

Eine BQG kann frühzeitig Altlasten kartieren und bewerten. Viele Liegenschaften sind mit Altlasten behaftet. Ob es sich um Nutzungsrückstände, ob um Ausbau mit Asbest oder anderen toxischen Stoffen handelt oder „nur“ um nicht dem heutigen Standard entsprechend entsorgten Müll: Es besteht in der Regel kein Altlastenkataster. Die BImA, die nach der Rückgabe der Liegenschaften an die Bundesrepublik für deren Verwaltung und Vermarktung zuständig ist, haftet gegenüber einem Käufer in der Regel bis zu maximal 90 % des Kaufpreises und für die Dauer von maximal 3 Jahren für die Altlastenbeseitigung. Hier verbergen sich materielle Risiken für die öffentlichen Hände. Nur so viel scheint klar: Die Stadt muss sich um fundierte Altlast-Untersuchungen bemühen und von der BImA verlangen, die Altlasten zu entsorgen, bzw. die Aufwendungen von den Erwerbskosten abzuziehen.

3.) Wohnen (Dr. Erich Ruppert)

Der Mietwohnungsmarkt ist relativ ausgeglichen. Finanzkräftige Nachfrager interessieren sich für Wohnungen in gehobener Wohnlage. Die amerikanischen Wohnsiedlungen stufen wir als mittel bis eher schlecht ein. Nach Berichten der Tageszeitungen werden mit Abzug der Amerikaner 1449 Wohnungen frei. Wohnbaugesellschaften befürchten örtlich stagnierende Mieten, was notwendige Modernisierungen stark einschränkt und eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung zum Schaden der Mieter gefährdet. Probleme gibt es auch, falls die BImA Mehrgeschossbauten und Kasernen an Unternehmen („Heuschrecken“) verkaufen, die diese dann als Eigentumswohnungen weiterverkaufen. Es zeigte sich bisher, dass neue Eigentümer meist überfordert sind, anstehende Instandhaltungsmaßnahmen nach Kauf einer Eigentumswohnung auch noch zu finanzieren. Es würden sich neue Problem-Ghettos bilden. Wir befürchten insbesondere, dass die gesamte Wohnbauentwicklung in der Stadt und in Dorfzentren gehemmt und damit auch ausgewiesene Sanierungsgebiete betroffen sein werden. Deshalb sollten auf dem Gelände der Ledward Kaserne keine Wohnungen stehen, auch wenn die Bausubstanz es zuließe. Das Gelände von Askren Manors ist für gutes Wohnen geeignet. Statt der 697 Wohnungen im Geschosswohnungsbau, sollten per Bebauungsplan Wohnhäuser oder kleinteilige Wohnanlagen mit Gärten ausgewiesen werden. Die Schweinfurter Wohnbaugesellschaften sind nicht an weiteren Mehrgeschossbauten interessiert. Sie können sich aber vorstellen, „unbebaute Grundstücke, die für Wohnbebauung geeignet sind, zu erwerben.“ Wir halten diese Haltung für klug. Wenn die Stadt neue Baustrukturen per Bebauungsplan festschreibt, können Schweinfurter Wohnbaugesellschaften und Architekten für einen längeren Zeitraum attraktive Wohnungen für Zu- und Umziehende schaffen. Die 34 Holz-Doppelhäuser in Yorktown sind natürlich für Wohnungssuchende attraktiv, vorausgesetzt, sie sind ökologisch unbelastet, was noch zu prüfen ist. Yorktown kann südlich noch erweitert werden. Wenn die Stadt zusätzlich den Volksfestplatz in das von Altlasten geräumte Gelände der Ledward Kasernen verlegt, kann sie auf dem bisherigen Festplatz eine nachhaltig gebaute Wohnsiedlung im Grünen planen und von verkauften Grundstücken, anzukaufende Konversionsflächen refinanzieren.



4.) Gewerbeflächen (Dr. Erich Ruppert)

Nach Berichten der Stadt Schweinfurt gibt es ausreichend Gewerbe- und Industrieflächen im Industrie- und Gewerbepark Maintal. Im Landkreis Schweinfurt steht ein Angebot an 227,6 Hektar Gewerbeflächen zur Verfügung. Circa ein Drittel (67,2 Hektar) dieser Flächen sind erschlossen und können im Rahmen von Gewerbeansiedlungen kurzfristig bereitgestellt werden. Nachgefragte, große und zusammenhängende Grundstücke können bisher jedoch nicht angeboten werden. Das Landratsamt folgert daraus: „Solche Gewerbeansiedlungen können prioritär auf bereits erschlossenem Gebiet – wie z.B. den Conn-Barracks – umgesetzt werden. Die Fläche bietet hierfür ein großes Entwicklungspotenzial und der Flächenneuinanspruchnahme kann mit der Nachnutzung der Konversionsflächen entgegengewirkt werden.“ Unser Fazit: Es gibt genügend erschlossene Gewerbeflächen in Stadt. Der Landkreis hat noch Bedarf an großen, zusammenhängenden Flächen.

Die Agenda-Gruppe sieht drei prinzipielle Möglichkeiten für das Areal der Conn-Barracks:
1.    Die BImA sucht intensiv (sonst hat es wenig Sinn) mit einem Flächenmanager nach interessierten Investoren. Findet sie bald einen Nachfrager für die große Fläche, sollte sie den Verkauf abschließen.
2.    Finden sich bald erste, kleinere Investoren, können nach und nach weitere hinzukommen. Bleiben Anfangserfolge jedoch aus, ist dieser Versuch gescheitert. Die BImA wählt Variante 3:
3.    Die BImA gibt die Flächen von Altlasten bereinigt an die Natur zurück. Sie könnte mit den freien Flächen beginnen und sukzessiv ungenutzte Gebäude abreißen.
Uns ist klar, dass die BImA nur zur Variante 1 oder 2 bereit sein wird. Deren Scheitern ist aber wahrscheinlich. Stadt und Landkreis Schweinfurt haben auch keine Vorteile von Variante 2, da sie mit mindestens ebenso guten Standorteigenschaften erschlossene Flächen denselben Investoren anbieten können. Wahrscheinlich wird die BImA die Gewerbeansiedlung versuchen bis die Gebäude nach und nach verfallen. So bleibt nur noch Variante 3, zu der sie sich nicht aufraffen kann. Die Natur wird sich dann das Gelände zurückerobern. Es bleiben mit Altlasten verseuchte Böden und zerfallene Häuser. Vielleicht kann sich die Stadt und der Landkreis zusammentun, ein zumindest teilbereinigtes Gebiet erwerben und „geordnet“ (in Flächennutzungsplänen als Ausgleichsflächen) der Natur zurückgeben. Die dort lebende große Saatkrähen-Kolonie wird es ihnen danken.

5.) Sport und Bildung (Horst Laschka, Sebastian Bauer und Mitarbeiter des ISB Schweinfurt)









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