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BUND Naturschutz: „Wasseraustriebspolitik“ wird zum Bumerang, Hochwasserschutz muss in die Fläche kommen


Anja Weisgerber

KREIS SCHWEINFURT – Die Starkregenereignisse der letzten Tage haben es uns wieder vor Augen geführt. „Eine flächige Wasserspeicherung im Boden und in der Landschaft dient nicht nur der Grundwasserneubildung, sondern auch dem Hochwasserschutz“, so Edo Günther, Vorsitzender beim BUND Naturschutz Kreisgruppe Schweinfurt.

Durch die Klimakrise bedingt, nehmen Starkregenereignisse zu. Die Versiegelung von Flächen und eine falsche Bewirtschaftung von Böden, führen dann rasch zu Überschwemmungen. Dies muss sich ändern! Der BUND Naturschutz fordert daher:


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* Die Drainage von Äckern und die Ausleitung des Wassers aus der Fläche sind zu stoppen.


* Fließgewässer müssen durchgehend renaturiert werden.

* Die Landwirtschaft muss wieder mit dem Boden arbeiten und den Humusanteil erhöhen. Schwere Maschinen, Kunstdünger und Spritzmittel haben zu einer Bodenverdichtung und Verarmung der Bodenlebewesen geführt. Das Porenvolumen ist stark zurückgegangen mit der Konsequenz, dass gerade Starkniederschläge oberflächig abfließen und den Boden zum Teil bis in die Wohngebiete spülen.

* Flächen müssen entsiegelt und nicht noch weiter versiegelt werden.

Verschiedene Faktoren haben in den letzten Jahren zu einer gefährlichen Gemengelage geführt, die Überschwemmungen und das Abschwemmen wertvoller Böden zur Folge haben. Durch Flurbereinigung, Entwässerung von Böden und Begradigungen sowie Kanalisierung der vielen kleinen Gewässer zu Wasser-Autobahnen wird Wasser kaum noch in der Fläche zurückgehalten. Starkregenereignisse zeigen diese Fehler immer öfter schonungslos auf. Auch ein zunehmender Versiegelungsgrad beschleunigt und erhöht den Wasserabfluss.

Durch intensivierte Landbewirtschaftung, zunehmend verdichtete Böden, die arm an Bodenlebewesen und Poren sind, wurde auch die Regenspeicherfähigkeit der Böden auf großer Fläche verschlechtert. Anstatt in den Boden zu versickern, fließt Wasser schnell ab. Insbesondere dort, wo der Ackerboden ohne Bewuchs ist, wird bei Starkregen auch wertvoller Boden abgeschwemmt – zum Hochwasser kommt die Schlammflut.

Vor allem Maisflächen sind gefährdet. Und gerade der Maisanbau hat sich von 1965-2010 in Bayern verzehnfacht. Wenn nun zu beschleunigten und erhöhten Wasser-Abflüssen auch noch die Klimakrise und die damit verbundenen verstärkten Starkregenereignisse hinzukommen, ist das ein gefährlicher Mix. „Wir bekommen nun zunehmend die Quittung für viel zu schwachen Klimaschutz und die Wasseraustreibungspolitik der vergangenen Jahrzehnte“, so Steffen Jodl, BN-Regionalreferent für Unterfranken.

Deshalb ist es von großer Wichtigkeit, die Klimakrise zu stoppen und die Wasseraufnahme und -haltefähigkeit der Böden wieder zu erhöhen, erläutert Detlev Reusch Vorsitzender der Ortsgruppe Röthlein. Alle hierfür nötigen und möglichen Maßnahmen dienen nicht nur dem Hochwasserschutz, sondern sie reduzieren auch die Auswirkungen von Trockenzeiten, die ebenfalls nach den Klimaprognosen zunehmen werden und gerade die Region Unterfranken treffen. Sie dienen auch dem Naturschutz, dem Gewässerschutz, dem Grundwasserschutz und der Erholungseignung der Landschaft. Und sie sichern die Existenzgrundlage der Landwirtschaft, nämlich intakten Boden.

Um den Wasserabfluss in erosionsgefährdeten Lagen zu verringern bzw. zu verlangsamen, muss vor allem der Anteil dauerhaft bodendeckender Kulturen (Grünpflanzen) erhöht, und der Anteil von erosionsanfälligen Kulturen, wie Mais, Kartoffeln oder Rüben reduziert werden. Mulchsaaten gehören dabei zur guten fachlichen Praxis, reichen jedoch nicht zum alleinigen Erosionsschutz aus.

Bei der Bewirtschaftung muss darauf geachtet werden, dass der Boden seine Wasserspeicherkapazität erhält bzw. erhöht – d.h. Förderung des Humusaufbaus des Bodenlebens (z.B. spielen die Regenwurmgänge für den Wasserrückhalt eine wichtige Rolle), des Porenreichtums und der Durchwurzelung.

An Gewässern 2. und 3. Ordnung müssen wieder ehemalige Schleifen und Flutrinnen reaktiviert werden, damit das Wasser breiter ausufern kann und zudem langsamer nach unten abfließt – jede Minute, in der das Wasser später unten ankommt, ist wertvolle Zeit für Schutzmaßnahmen in Häusern! Ergänzt werden müssen diese Maßnahmen je nach Bedarf durch dezentrale Regenrückhaltemaßnahmen, wie naturnahe und landschaftsangepasste Grünbecken.

Die Landschaft braucht wieder mehr Strukturen wie Hecken, Säume oder Randstreifen, die das Wasser bremsen und die Bodenpartikel aus dem abfließenden Wasser auskämmen. Wir brauchen eine „Flurbereicherung“ (als Wiedergutmachung der Flurbereinigung) und nicht noch den Umbruch zahlreicher Grünwege, wie es bei vielen aktuellen Flurbereinigungen vorgesehen ist.

Und nicht zuletzt ist auch eine deutliche Verringerung des in Bayern nach wie vor viel zu hohen Flächenverbrauchs und der Bodenversiegelungen durch Baugebiete und Straßenprojekte nötig. Täglich werden in Bayern 10,8 ha Fläche versiegelt. Bei Neuversiegelungen findet der Ausgleich „Entsiegelung“ so gut wie nie statt. Die Ziele des Flächensparens sind in Bayern bisher gescheitert. Das Verbot der Neu-Bebauung in Überschwemmungsgebieten ist ausnahmslos umzusetzen, um den Aufbau neuer Risiken zu vermeiden (zahlreiche Ausnahmemöglichkeiten sind leider immer noch vorhanden), so der BN abschließend.


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