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Bundesweites Pilotprojekt startete erfolgreich: Karriereprogramm Handwerk bedeutet: Studienanschluss statt -abbruch


Pressebeck

UNTERFRANKEN – Das Karriereprogramm Handwerk für Studienabbrecher ist erfolgreich gestartet. Insgesamt nehmen neun Studienabbrecher am Projekt teil, sieben absolvieren eine Schreiner-, zwei eine Hörgeräteakustiker-Lehre. Die Studienabbrecher können im Idealfall bereits nach zwei Jahren die Gesellenprüfung und nach drei Jahren die Meisterprüfung ablegen. Für sie bedeutet das eine Karriere im Handwerk, für die Ausbildungsbetriebe einen Schritt zur Fachkräftesicherung.

Veronika Pfeifer und Lukas Theilacker sind zwei von neun Teilnehmern am bundesweiten Pilotprojekt  „Karriereprogramm Handwerk – Studienanschluss statt -abbruch“, das mit einer Premium-Ausbildung im Handwerk wirbt. „Wenn alles glatt läuft, haben die Studienabbrecher die Möglichkeit, bereits nach zwei Jahren die Gesellenprüfung zu bestehen und bereits nach drei Jahren ihren Meister zu machen“ weiß Projektleiter Thomas Gauer von der Handwerkskammer Service GmbH, einer 100-prozentigen Tochter der Handwerkskammer, die die Vorreiterrolle übernommen hat. Drei Jahre bis zum Meister, das sind umgerechnet sechs Semester Universität, also die Zeit für den Bachelor-Abschluss, für die gleiche Qualifikationsstufe. „Bachelor und Meister sind auf einer Augenhöhe“, so Thomas Gauer. Die 29-jährige Veronika Pfeifer schloss bereits ein Pädagogik-Studium erfolgreich ab und brach ihr zweites Studium, das der Geologie, nach fünf Semestern ab. „Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr die Begeisterung wie die anderen Studierenden aufbringen konnte“, so die jetzige Auszubildende zur Schreinerin. Lukas Theilacker dagegen hat schnell erkannt, dass ein Studium nichts für ihn ist. Nach drei Monaten Englisch- und Geografie-Studium für das Lehramt an Gymnasien brach er ab. „Dann habe ich im Radio einiges über das Pilotprojekt erfahren, angerufen und kurze Zeit später war ich schon ein Teilnehmer.“ Veronika Pfeifer dagegen erhielt einen Anruf ihres Vaters, der über eine Anzeige auf das Projekt aufmerksam wurde. Ob denn eine Ausbildung im Handwerk gleich nach dem Abitur eine Option gewesen sei? „Nein, sagen beide wie aus einem Mund.  Nach dem Abi war einfach Studium angesagt, da haben wir an nichts anderes gedacht.“ Und gerade dies sei oftmals das Problem: Abiturienten bedenken einfach nicht die Alternativen der beruflichen Karriere und müssten oftmals später das angefangene Studium abbrechen, so Thomas Gauer.


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Veronika Pfeifer und Lukas Theilacker haben sich bewusst für eine Ausbildung als Schreiner entschieden, da beide Holz als Verarbeitungsmaterial als sehr angenehm empfinden. Genauso wie ihre weiteren fünf Kollegen des Karriereprogramms Handwerk, die sich für den Schreinerberuf entschieden haben. Veronika Pfeifer arbeitet bei der Werner AG in Laufach, Lukas Theilacker bei der Schreinerei Ackermann in Wiesenbronn.  Das praktische Arbeiten im Betrieb und den Werkstätten der Handwerkskammer liegt und gefällt den beiden. In ihnen steckt das Potenzial, damit sie persönlich und auch ihre Ausbildungsbetriebe später vom Karriereprogramm Handwerk profitieren können. „Insgesamt nehmen neun Studienabbrecher am Karriereprogramm teil. Sieben als Schreiner-Auszubildende, zwei als Hörgeräteakustiker“, so Thomas Gauer. Die Theorie der Berufsschule ist für die Teilnehmer leicht zu bewältigen, in der Praxis müssen sie noch etwas aufholen. Thomas Gauer: „Das schaffen unsere Teilnehmer. Und im kommenden Ausbildungsjahr werden wir von den Ausbildungsangeboten her noch breiter aufgestellt sein.“


Drei Fragen an Thomas Gauer, Projektleiter „Karriereprogramm Handwerk – Studienanschluss statt -abbruch“
Das Karriereprogramm Handwerk ist ein bundesweites Pilotprojekt. Wie kam es dazu?
Thomas Gauer: Die Studienabbrecherquote ist hoch und im Handwerk fehlt es an qualifiziertem Personal, auch an Führungskräften. Deshalb hat die Handwerkskammer Service GmbH gemeinsam mit der Handwerkskammer und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg dieses Programm ins Leben gerufen, das zudem von der Europäischen Union und dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen gefördert wird.
Im September gestartet, läuft die Ausbildung jetzt bereits über drei Monate. Wie lautet ihr Zwischenfazit?
Thomas Gauer: Das Fazit fällt sehr positiv aus. Aber man muss auch bedenken, dass dies eben ein Pilotprojekt ist, wo nicht alles auf Anhieb zu 100 % funktionieren kann. Wir werden den Kontakt zur Universität weiter intensivieren und den Projektteilnehmern so viel Unterstützung geben, dass sie ihre Ausbildung erfolgreich absolvieren können.
Wird das Projekt fortgeführt?
Thomas Gauer: Ja, angelegt ist das Pilotprojekt bis 2015. Und für das kommende Ausbildungsjahr rechnen wir mit mehr Teilnehmern in unterschiedlicheren Gewerken. Eine Evaluation des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) wird dann die Erkenntnis bringen, ob die Struktur bundesweit übertragen werden kann. Wir sind da sehr zuversichtlich.

Auf dem Bild: Veronika Pfeifer und Lukas Theilacker haben sich entschieden: Für eine praktische Karriere im Handwerk anstelle eines theoriegeladenen Studiums. Foto: Röper


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