Home / Lokales / „Dann können sie ja gleich das ganze Dorf mit dem Bagger abreißen!“: Schonungens Bürger kämpfen um den Erhalt ihres Delta-Marktes im Altort

„Dann können sie ja gleich das ganze Dorf mit dem Bagger abreißen!“: Schonungens Bürger kämpfen um den Erhalt ihres Delta-Marktes im Altort


Keiler

SCHONUNGEN – Der Schonunger Bürger hatte diesen Samstag ganz viele Möglichkeiten, das Schreiben seines Namens zu üben. Das Rathaus hatte zwei Stunden vormittags geöffnet für Unterschriften zum Bürgerbegehren. Stichwort Studiengebühren. Wer gleich daneben seinen Einkauf machen wollte: Auch vor und im Delta-Markt waren Autogramme begehrt. Die Arbeiterwohlfahrt, der Ortsverband Schonungen, macht nämlich mobil gegen die anstehende Schließung des Lebensmittelmarktes im Altort (wir berichteten).

Fünf Listen mit je 52 Unterschriften hatte die AWO bereits weit vor der Mittagszeit zusammen. „Es sind sogar schon um die 300“, sagt der erste Ortsvorsitzende Helmut Endres. Während seine Stellvertreterin, die Schonunger Gemeinderätin Thea Kupfer, draußen die Leute abfing, wartete Endres („es ist verdammt kalt!“) drinnen sitzend auf diejenigen, die nach dem Bezahlen auch noch Lust auf ein kleines Pläuschchen im Warmen hatten. Das Ganze vor der Theke des Höreder Beck mit seinen Waren, die wie die Frischfleischtheke oder der vor wenigen Jahren erst integrierte, kleine Getränkemarkt an sich immer gut frequentiert sind.


Mezger

Dass Geschäftsführer Burkard Pfister dennoch wohl im Juni oder Juli den Delta-Markt schließen wird, steht längst fest. Er schreibt Rote Zahlen. Weil zu viele Schonunger halt im Lidl einkaufen oder im Netto an der Hauptstraße Richtung Haßfurt. Oder im EDEKA-Laden neben dem Netto, der ebenso zur Sczygiel & Pfister KG gehört. Weil dort gleich nebenan demnächst das Gewerbegebiet „Tiefer Graben“ erschlossen wird, deutet sich ein EDEKA-Neubau an. Die bestehende ist wie der Delta-Markt in die Jahre gekommen. „Viele Schonunger fahren von Schweinfurt aus von der Arbeit auf dem Heimweg lieber über Gochsheim“, hat Helmut Endres in Erfahrung gebracht. Denn dort steht eine EDEKA modernster Prägung. Geschäftsführer dort ist Christos Didis, ausgerechnet der Sohn des Ehepaars aus Griechenland, das seit weit mehr als 30 Jahren ein Restaurant gleich neben dem Delta-Markt führt.


Dieser „Felsenkeller“ könnte bald ganz alleine sein. Schräg gegenüber gab es mal einen Schlecker. Was aus dem Drogeriemarkt wurde, ist hinlänglich bekannt. Nur die Post hält sich noch mit einer kleinen Geschäftsstelle im Zentrum in Rathaus-Nähe, ebenso ein kleiner Zeitschriftenladen. Beide profitieren noch vom Delta-Markt und dessen Kundenströmen. Auch an diesem Samstag sind die meisten der gerade mal zehn Parkplätze stets besetzt. Die Leute kaufen fleißig ein in der Ortsmitte. Nur halt nicht fleißig genug für Schwarze Zahlen. Für seine Mitarbeiter hat Burkard Pfister längst neue Stellen in Aussicht gestellt in diversen anderen Läden. Er führt noch weitere im Landkreis.

„Es kann doch nicht sein, dass die unser ganzes Dorf leer machen“, bangt eine ältere Kundin um das Leben im Schonunger Altort. Man könne dann ja gleich alles mit dem Bagger abreißen, sagt sie ein wenig erbost. Während nicht weit entfernt die Sattler-Altlasten saniert werden und dann neues, bewohntes Leben dort entstehen soll, wo auch ein Seniorenheim angedacht ist, muss der Ort wenige hundert Meter weiter bald wohl das Aus seines 35 Jahre alten Dorfladens verkraften. „Ich weiß nicht, ob wir daran noch etwas ändern können“, denkt Thea Kupfer, „aber wenn wir es nicht wenigstens versuchen, dann haben wir schon verloren.“

„Es sind zwei Kilometer bis zum Ortsrand“, weiß Helmut Endres. Soll heißen: Die Schonunger, die kein Auto mehr, die zu Fuß Probleme haben, die werden sich künftig schwer tun beim Einkaufen. „Die Leute sind aber selbst schuld“, richtet er mahnende Worte an diejenigen Anlieger, die den Delta-Markt bislang boykottierten. „Denn wenn man den im Dorf hat, dann muss man nicht rausfahren!“ Eine abgespeckte Version schlägt der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt vor. Soll heißen: Kein Vollsortiment wie bisher, sondern eher das Notwendigste. Keine Frischfleischtheke, sondern Abgepacktes in Tiefkühlern. Verkürzte Öffnungszeiten, abgespeckte zwei bis drei Verkäuferinnen. Eher so die typische „Tante Emma“-Version also. „Wir streben einen Runden Tisch an“, sagt Endres und will dort den Bürgermeister sitzen sehen und gerne auch Burkard Pfister. „Weil wir den Grund der Schließung nicht nachvollziehen können!“ Im 2011 erstellten Einzelhandel-Entwicklungskonzept hieß es, dass Schonungen neben EDEKA, Lidl, Delta-Markt und Netto durchaus ein weiteres Lebensmittelgeschäft vertragen könne. Das wird nun anscheinend bald im „Tiefen Graben“ gebaut – doch parallel soll der alte Laden im Ortskern verschwinden….

Unser Bild zeigt bei der Unterschriftenaktion Helmut Endres und Thea Kupfer zusammen mit einer unterschreibenden Stammkundin.


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