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Der Kommentar: Wie wird die Landesgartenschau 2026 in Schweinfurt?


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SCHWEINFURT – Ein Millionengrab oder ein großes Blumenfest für die ganze Stadt? Das jetzt schon zu sagen, dazu bräuchte man schon eine Kristallkugel.

Ein Kommentar von Christopher Richter


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Aber man kann versuchen aus den Erfahrungen anderer Landesgartenschauen heraus hermeneutisch ein realistisches Bild zu gewinnen. Von der Landesgartenschauen 2018 konnte nur Bad Ilburg sein prognostiziertes Besucherziel von 500.000 Besuchern – damit planen die Macher der LGS in Schweinfurt dem Vernehmen nach auch – erreichen. Würzburg wollte 900.000 Gäste erreichen und blieb weit dahinter zurück, Bad Schwalbach schaffte gerade mal 300.000 Besucher. Die Landesgartenschauen 2019 (vorallem die LaGa Remstal) konnten hingegen mit guten Besucherzahlen aufwarten. Woran lag es?

Es lag vorallem am Wetter 2018 – zu heiß – aber auch an gärtnerisch ungünstigen Geländevorausssetzungen. Das sind keine guten Vorzeichen in Zeiten des Klimawandels für Schweinfurt, zumal auch das geplante Gelände mit unter 12 ha um die Ledward Barracks relativ klein ist (in Würzburg waren es im Vergleich 27 ha). Und ob die gärtnerisch Interessierten aus der ganzen Republik die Reise nach Schweinfurt auf sich nehmen, bleibt eine spannende Frage. Dazu wird es schon eines herausragenden Konzeptes bedürfen, was zum jetzigen Zeitpunkt – die Zeit rennt – noch nicht mal im Ansatz vorliegt. Erschreckend ist zudem, dass die Planungen der Großveranstaltung bisher noch in einem rudimentären Stadium sind. In Rottweil im Vergleich ist man mit der Planung der LaGa 2028 schon wesentlich weiter; es wird dort aber bereits heute schon seitens der Politik mehr Zeitdruck aufgebaut. Gerade hat der Schweinfurter Stadtrat beschlossen hat, es solle eine nachhaltige Landesgartenschau werden. Nachhaltigkeit klingt immer erstmal gut, aber sind es nicht die spektakulären Einrichtungen, wie ein Baumwipfelpfad – den es bei uns freilich nicht geben kann – oder ein Aussichtsturm – was soll man von dortaus sehen? – die die Besucherströme anziehen?!? Zudem wird die jetzige Pandemie eine Auswirkung auf das zukünftige Freizeitverhalten der Menschen haben. Inwieweit wird sich freilich erst noch herausstellen. Man darf aber nicht vernachlässigen, dass das Durchschnittsalter von Besuchern von Landesgartenschauen über 55 Jahren liegt. Die Zielgruppe ist also die, die in der jetzigen Pandemie zur Risikogruppe zählen.


In Bad Schwalbach müssen die Bürger aktuell die Verluste ihrer Landesgartenschau aus dem Jahr 2018 abbezahlen. Dort wird eine kräftige Anhebung der Grundsteuer die Bürger belasten, weil ein Defizit von über 3.5 Millionen Euro zu Buche schlägt. Und die Gartenschaugesellschaft muss daher eine städtische Bürgschaft in Höhe von 2,4 Millionen € in Anspruch nehmen. Man kann den Bad Schalbachern kaum vorwerfen nicht alles versucht zu haben das schlechte Ergebnis zu verhindern. Die Kosten für Marketing wurden um fast 100 % überschritten. Bad Schwalbach plante mit Marketingkosten von 360.000 € – wieviel es in Schweinfurt seien sollen ist nach der Beschlussvorlage der Stadt Schweinfurt noch unklar. Es wird nur recht grob ein Kostenrahmen von 9,3 bis 13,6 Millionen Euro angegeben.
In Würzburg kostete die LaGa 32 Millionen; Schweinfurt plant aktuell mit rund 24 Millionen. Wie in Schweinfurt sollte in Würzburg im Zuge der Landesgartenschau ein neuer Stadtteil erschlossen werden. Die Besucher interessierte dieser Aspekt jedoch wenig. Auch kann man den Würzburger nicht vorwerfen nicht bis zuletzt alles versucht zu haben ein Fiasko zu verhindern. Nachdem es zu Kritik von den Besuchern gekommen war, wurde nochmal ausführlich nachgepflanzt. Dennoch konnte ein Defizit von 5 Millionen Euro nicht verhindert werden.

Schweinfurt plant aktuell mit Kosten von 12,4 Millionen Euro für den sogenannten Investitionshaushalt und weiteren 9,3 – 13,6 Millionen Euro zur Durchführung. Ist das realistisch? In Lahr kam es zu Kostensteigerungen von 1,2 Millionen Euro durch die Marktlage und die schwierige Erschließung des Geländes. In Schweinfurt wurden mit der Realisierung der LaGa auch Begleitprojekte u.a. am Schuttberg, am Schelmsrasen und der Gutermann-Promenade versprochen, die es nicht umsonst gibt und die die Kosten weiter nach oben treiben werden. Außerdem bleibt abzuwarten, welche Altlasten die ehemaligen Streitkräfte noch zurückgelassen haben. Zudem ist die aktuelle Marktlage für Schweinfurt auch alles andere als gut: Wir befinden uns mitten in einer Wirtschaftskrise und die Europäische Union ist in einem Wirtschaftskrieg mit den USA; bereits jetzt hat ZF Massenentlassungen angekündigt und das wird Auswirkungen auf andere Unternehmen in der Region haben. Zwar soll man in der Krise investieren, aber die LGS 2026 ist noch zu weit weg, als dass damit ein positiver Konjunktureffekt für heute erzielt werden könnte.
Da die Menschen in der Region auch bekanntermaßen kostensensibel sind was Eintrittspreise angeht, bleibt zu fragen, ob der Negativtrend steigender Eintrittspreise bei Landesgartenschauen fortgeführt wird. In Würzburg kostete eine Tageskarte seinerzeit übrigens 18 €. Wenn die Arbeitslosenzahlen hochschnellen, werden sich viel mehr Schweinfurter die Tickets nicht leisten können.

Es gibt also einen ganzen Strauß von Negativpunkten, die die Planer der LGS 2026 erst einmal überwinden müssen, zudem erstmal ein attraktives Konzept hierfür zu entwickeln ist. Unmöglich ist dies aber freilich nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Schweinfurt mit einem Millionendefizit aus der Großevent herausgeht, ist aber zu groß, als dass man in der jetzigen Krise sehenden Auges ein Wagnis eingehen sollte. Man kann der schwarz-grünen Koalition in Schweinfurt für die LaGa 2026 somit nur ein gutes Händchen und manche glückliche Fügung wünschen. Nun ist Kernerarbeit angesagt.

Der Autor hat während des Rats- und Bürgerbegehrens im Jahr 2019 den größten Blog der Zweimal-NEIN-Kampagne auf Facebook betrieben und ist Kritiker des Projekts Landesgartenschau 2016 in den Ledward Barracks.



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