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DGB Region Schweinfurt-Würzburg warnt: Viele Jugendliche in Schweinfurt sind auf Hartz IV angewiesen


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SCHWEINFURT – Im September 2012 waren in der Stadt und im Landkreis  Schweinfurt 837 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren auf Hartz IV angewiesen. Jugendarmut ist somit keine gesellschaftliche Randerscheinung. „Diese jungen Menschen erfahren die gesellschaftliche Spaltung bereits in jungen Jahren, in dem sie in Verzicht aufwachsen und ein höheres Risiko für eine mehrfache Benachteiligung haben“, so der Vorsitzende der DGB Region Schweinfurt-Würzburg, Frank Firsching.

Die Hartz IV-Regelsätze sind in den letzten Jahren deutlich hinter der Preissteigerungsrate zurück geblieben und können auch für Jugendliche das gesellschaftliche Existenzminimum nicht sicher stellen. „Neben materieller Entbehrung erleben diese jungen Menschen Arbeitslosigkeit und niedriges Erwerbseinkommen im Familienkontext sowie oftmals schlechtere Wohnverhältnisse und geringere Chancen im Ausbildungssystem und in der Arbeitswelt. Hinzu kommt, dass sich Einkommensarmut auch verstärkt negativ auf die Gesundheit auswirken kann“, so Firsching  weiter.





Nur 86 der im Landkreis und in der Stadt Schweinfurt auf Hartz IV angewiesenen Jugendlichen waren im September 2012 arbeitslos gemeldet, weitere 109 nahmen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil. Die weit überwiegende Mehrzahl der hilfebedürftigen jungen Menschen besuchte noch die Schule, war in Ausbildung, erwerbstätig oder betreute ihre Kinder unter 3 Jahren.


Hilfebedürftigkeit in jungen Jahren hat viele Ursachen. Besonders auffallend ist, dass dabei meist nicht die eigene Arbeitslosigkeit zur Bedürftigkeit führt, sondern die Gründe vielmehr in den begleitenden familiären Lebensumständen liegen. Die Mehrzahl der als nicht arbeitslos Registrierten in dieser Altersgruppe dürfte noch zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen. Da sie oft noch bei ihren Eltern oder einem Elternteil leben, ist entweder mindestens ein Elternteil arbeitslos oder trotz Erwerbstätigkeit kann das gesellschaftliche Existenzminimum der Haushaltsgemeinschaft nicht gesichert werden. Die Armut von Jugendlichen ist weitgehend auf das Fehlen von existenzsichernden Arbeitsplätzen der Eltern zurückzuführen.

Firsching fordert: „Um hier einen dauerhaften Ausstieg aus den prekären Lebensverhältnissen zu ermöglichen, hilft ein schlichtes Parken in beruflichen Warteschleifen oder die Zuweisung in Ein-Euro-Jobs nicht.“ Um die Spirale von Armut und Perspektivlosigkeit zu durchbrechen, macht der DGB folgende Vorschläge:

* In Regionen mit hohem Anteil hilfebedürftiger Jugendlicher sollten – mit Unterstützung des Landes – die Investitionen in die soziale und bildungspolitische Infrastruktur ausgebaut werden. Zugleich benötigen leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler eine frühere und intensivere Unterstützung und zusätzliche Förderangebote.

* Bei der Förderlandschaft ist ein nicht transparenter Maßnahme-Dschungel entstanden, der von vielen Jugendliche und ihren Eltern kaum durchdrungen werden kann. Um Armut und Ausbildungslosigkeit möglichst überwinden zu können, sollten die Beratungs- und Betreuungsangebote unter einem Dach gebündelt werden. So sollten die Abstimmungsprozesse zwischen Jugendamt und Jobcenter optimiert werden. Dringend verbessert werden sollte ebenso die Verständigung, wenn eine Ausbildung abgebrochen wird und den Betroffenen geeignete Alternativen und Anschlüsse eröffnet werden.

* Junge Menschen, die die Voraussetzungen für eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung mitbringen, dürfen nicht länger mit berufsvorbereitenden Maßnahmen abgespeist werden. Das Jobcenter sollte zugleich eine Initiative ergreifen, um ihnen eine „zweite Chance“ auf Berufsausbildung zu eröffnen.

* Darüber hinaus braucht es existenzsichernde Löhne, um Jugendlichen selbst bzw. deren Eltern(-teilen) längerfristig eine Überwindung der Hartz IV-Bedürftigkeit zu ermöglichen.

Im Herbst 2012 waren nach DGB-Berechnungen in Bayern 49 % der hilfebedürftigen Jugendlichen in den letzten beiden Jahren mindestens 21 Monate lang auf Hartz IV angewiesen. Besonders gravierend ist aus gewerkschaftlicher Sicht die Armutserfahrung, wenn sich der Hilfebezug bereits in jungen Jahren verfestigt. Hier sind möglichst vorbeugende arbeitsmarkt-, bildungs- und sozialpolitische Maßnahmen sind gefragt, die die unterschiedlichen Lebensumstände einschließen.


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