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Die Geschichte der Geldersheimer Gaden und die Verdienste der Vorsitzenden Claudia C. Cebulla


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GELDERSHEIM – Am 11., 12. und 13. November wird in den Geldersheimer Gaden die Kleinkunst wieder ein Zuhause haben. Erst liest Klaus Gasseleder aus seinem Buch „Guuchlhupfn“, dann stellt Anne Heinelt in der Galerie ihre Werke aus. Unter dem Namen „Inside-Outside“ sind ihre Aquarelle und Collagen zu sehen.

Zu den Gaden: Das ehemalige Pfalzdorf Geldersheim war im frühen Mittelalter Absteige und Unterkunft für Kaiser und Könige, die dort genauso ihre Urkunden unterzeichnet haben wie in Aachen. Im späten Mittelalter kam Geldersheim unter den Hoheitsbereich vom Erzbistum Würzburg. In diese Zeit fällt vor etwa 500 Jahren auch die Erlaubnis der Deutschordensherren, zum Schutz und zur Verteidigung um die Kirche eine Mauer mit kleinen Vorratshäuschen zu bauen, die sogenannten Gaden.


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Solche Gadenanlagen gibt es häufig in Unterfranken, aber auch in Mittelfranken und in Thüringen. Das Wort „Gaden“ kommt aus dem Alemannischen und bedeutet: „kleiner Anbau“. Nichts anderes sind auch die Häuschen in Geldersheim, denn sie dienten lediglich zur Bevorratung von Lebensmitteln (Most und Rüben im Keller, Äpfel und Zwiebeln auf dem Dachboden). Die Anlage war damals noch ein geschlossener Ring, der im Inneren auch einen Brunnen hatte und konnte so in Notzeiten, bei Überfällen, Belagerung und Bränden das Überleben der Dorfbevölkerung sichern.


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Als Vorratshäuschen werden die Gaden von privat auch heute noch genutzt, dennoch verfielen sie in den letzten 30 Jahren zusehends. So war es ein großes Glück, dass Geldersheim mit seiner Gadenanlage 1984 in das Programm der Dorferneuerung aufgenommen wurde. Die Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung und die Gemeinde erwarben die am meisten verfallenen Gaden mit der Absicht, diese zu renovieren und, wenn möglich, damit einen „Dominoeffekt“ anzustoßen.

Im Rahmen eines Workshops einer Bürgerbeteiligung machte Claudia Cebulla danach in einer Gemeinderatssitzung den Vorschlag, in den Gaden eine Galerie einzurichten nach der Devise „Klein aber fein und warum nicht auch auf dem Land?“ Der Vorschlag fand Gefallen und der Architekt Dag Schröder plante daraufhin für die Galerie einen Zwischenboden unter dem Dach ein. Es wurden bald Menschen gefunden, die die Idee eines Gadenvereins unterstützten.

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Am 20. Juni 1994 konnte der Gadenverein im Schützengarten gegründet werden. Anwesend waren 18 Gründungsmitglieder, die alle die Satzung unterschrieben. Als Vorsitzende wurde Claudia Cebulla gewählt, als Stellvertretende Vorsitzende Bürgermeisterin Ruth-Hanna Gube. Am 11. November 1994 wurde dem Gadenverein vom Registergericht Schweinfurt die Gemeinnützigkeit anerkannt, so dass er nun ein „e.V.“ an seinen Namen anhängen durfte.

Am 20. Februar 1995 fand der erste Spatenstich für die Instandsetzung der Kirchgaden an der Gadenanlage statt. Die Gaden wurden in Eigenleistung der Teilnehmergemeinschaft der Dorferneuerung entkernt und dann nach den Plänen von Dag Schröder saniert. Nach nur einem halben Jahr fand das Richtfest am 27. September 1995 statt. Der Ausbau dauerte dann bis 1997, wo am 26. September die Gaden eingeweiht und mit einem „Tag der offenen Tür“ am 27. und 28. September der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Daraus entwickelte sich das „Gadenfest“, das jedes Jahr Ende September stattfindet.
Am 20. Dezember begann der Gadenverein seine Veranstaltungsreihe mit der „1. Galderschummer Weihnacht“.

Im Turnus von etwa 2 Monaten findet seither in den Gaden ein Reigen von verschiedenartigsten Veranstaltungen statt. So gehören Gitarrenkonzerte genauso wie Kammermusikabende, Mundartlesungen sowie Einmanntheater, Weinproben oder Kabarettabende zum Repertoire der Kleinkunstbühne in der Gadenanlage. Es gab auch schon exotische Konzerte mit Tuba, mit einer Cymbal oder mit 3 Hackbrettern. Zum festen Programm gehört außer der „Galderschummer Weihnacht“ auch die „Geldersheimer Bluesnight“, die ins Leben gerufen wurde, als die Bluestage in Schweinfurt abgeschafft worden waren. Inzwischen ist die Kleinkunstbühne des Gadenvereins in der Region zu einem festen Begriff geworden.

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Für die Galerie in den oberen Räumen der Gaden wurden dann noch Hängesysteme und Rahmen angeschafft. Am 29. Mai 1995 fand im Schützengarten unter der Anleitung des Schwarzacher Künstlers Theo Steinbrenner der Einführungsabend statt, an dem die Gruppe in die Geheimnisse der Aquarellmalerei eingeweiht wurde. Zwei weitere Abende betreute Theo Steinbrenner die Gruppe, die dann auch im Freien malte und sich dabei mit den Grundlagen der Perspektive befasste. Anschließend arbeitete die Gruppe selbständig weiter. Die künstlerische Leitung übernahm Claudia Cebulla und die organisatorische Leitung liegt seither in den Händen von Susanne Mauder.

Die Galerie wurde mit der Ausstellung „Ansichten von Geldersheim“ mit Bildern der Gadenmalgruppe am 19. Juni 1999 durch Bauoberrat Otto Kister feierlich eröffnet. Seither gibt es im Jahr 6 Vernissagen mit Künstlern, die meist aus der Region kommen. Im Jahr 2006 kam aber auch der Künstler Andres Alderete extra aus Chile angereist, um in den Gaden in Geldersheim seine Bilder auszustellen! Sonntags ist die Galerie von 15:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet und wird entweder vom ausstellenden Künstler selbst beaufsichtigt oder von Teilnehmern der Gadenmalgruppe. In den Sommer- und Weihnachtsferien ist die Galerie geschlossen. Ausgestellt wurden seither die verschiedenartigsten Kunstwerke: Aquarelle, Öl- und Acrylbilder, Bleistift- und Filzsiftzeichnungen, aber auch Holzskulpturen, Objekte aus Glas, Aufbaukeramik und Batikarbeiten.

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Claudia C. Cebulla freut sich schon auf die nächsten Veranstaltungen. Die einstige Lehrerin, Diplompsychologin und selbst begeisterte Künstlerin ist 1. Vorsitzende des Gadenvereins Geldersheim e. V. und hat in der herrlichen, historischen Anlage auch eigene Räume gemietet.

www.inundumsw.de stellte ihr drei Fragen:

1.) Frau Cebulla, wie kamen sie persönlich als Pädagogin und Psychologin zur Kunst, wie zum Gadenverein?

Claudia C. Cebulla: Die Liebe zum Malen und Zeichnen und das Interesse für Kunst waren zuerst da, bereits in der Kindheit. Aber nach dem Abitur sollte ich weder Psychologie noch Kunst studieren, sondern erst mal was „Vernünftiges“. Und beim Lehramtsstudium sei das doch auch enthalten – so meine Mutter. Damals war es nicht üblich, sich den elterlichen Wünschen zu widersetzen. Dabei bin ich dann deshalb geblieben, weil ich meine junge Familie ernähren musste, mein Traumberuf war es nicht.
In den 80er Jahren habe ich dann doch ein 6-semestriges Kunststudium als Fernstudium mit Erfolg absolviert und mir dabei die grundlegenden Techniken und Fertigkeiten angeeignet. 1996 begann ich parallel zur Lehrertätigkeit ein Psychologiestudium in Würzburg, das ich 2002 mit dem Diplom abschloss. Danach war ich als Schulpsychologin am Schulamt in Würzburg tätig.
Nach dem Kunststudium habe ich mich verstärkt der Malerei gewidmet. Gerne wollte ich auch meine Bilder in Schweinfurt ausstellen. Ich erkundigte mich bei einer bekannten Institution nach Ausstellungsmöglichkeiten. „Haben Sie denn einen Namen?“ war die Frage. Offensichtlich war mein Name nicht das, was zählte. „Mieten Sie sich ein Nebenzimmer in einem Gasthaus“ war der Rat, den ich dort erhielt. Das wollte ich nicht. Es war damals sehr schwer, schöne Räume für eine Ausstellung zu finden. In der Bibliothek von Niederwerrn durfte ich dann schließlich meine erste Einzelausstellung ausrichten. Dafür bin ich heute noch dankbar.
Als in Geldersheim eine Bürgerbeteiligung durchgeführt wurde, um die Nutzung der Gaden, die zur Renovierung anstanden, zu diskutieren, war meine Chance gekommen, für eine schöne Ausstellungsmöglichkeit zu sorgen, bei der auch unbekannte, aber fähige Kunstschaffende eine Möglichkeit bekommen sollten, ihre Werke in einem angemessenen, angenehmen Ambiente zu zeigen. Um dies verwirklichen zu können, wurde mir empfohlen, einen Verein zu gründen. Das wurde dann der Gadenverein. Gründungsmitglieder waren schwer zu finden, doch ich hatte einen guten Draht nicht nur zu meinen Schülern in der Geldersheimer Schule, sondern auch zu deren Eltern. So fand ich eine Kassiererin und eine Schriftführerin und die Gründung des Vereins konnte stattfinden. Seit der Eröffnung der Galerie 1999 konnten wir vielen Künstlern „Starthilfe“ geben, nicht nur durch Einladungen und Pressearbeit, sondern auch durch jeweils eine Laudatio, die den Künstler individuell darstellte und seine Ziele so vermittelte, dass auch jeder Laie sie verstehen konnte. Viele Künstler haben nach ihrer Ausstellung in der Gadengalerie richtig „Gas gegeben“ und sind heute auf dem Weg, sich in der Kunstszene so zu etablieren dass sie tatsächlich „einen Namen“ im Sinne jener Institution erworben haben. Darauf bin ich sehr stolz. Beispiele sind Karin Lorenz, Brunhild Schwertner, Herbert Götz, Raimund Schemmel, Brigitte Heck, nur um einige zu nennen.

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2.) Beschreiben Sie doch bitte mal, was in Ihrem Bereich in den Gaden zu sehen ist, stattfindet und wie man dort als Interessierter am besten mal vorbeischauen kann!

Claudia C. Cebulla: Die renovierten Gaden, in der Gemeinde nennt man sie die TG-Gaden, Nr.7, sind zur „guten Stube“ der Gemeinde Geldersheim geworden. Dort werden gerne hochrangige Gäste aus Politik und Kultur aus dem In- und Ausland empfangen. Man kann diese Räume aber auch privat für repräsentative Feiern mieten und so einen stilvollen Rahmen bieten. Nicht nur am Gadenfest im September, auch am „Tag der Musik“ Anfang Juli oder am „Adventlichen Kirchgadenfest“ mit Weihnachtsmarkt am 1. Advent sowie an weiteren Veranstaltungen von Kirche, Gemeinde oder diversen Vereinen kann man die stimmungsvollen Gaden in froher Runde drinnen oder draußen genießen.
Die Bücherei der Pfarrgemeinde ist in der Anlage untergebracht. Sie ist montags und donnerstags geöffnet und wird gut angenommen.
Das archäologische Museum ist eine Besonderheit. Vor allem zu verdanken der reichhaltigen Frühgeschichte, die den Geldersheimer Boden mit reichen Relikten aus der Steinzeit, der Epoche der Kelten und Römer bestückt hat. Doch ohne das Engagement des verstorbenen Arztes Dr. Hans Hahn und dem Landwirt Erwin Pfister wären diese Schätze wohl nie gehoben worden.
In der Anlage befinden sich auch noch das Jugendzentrum, das „kleine Bauernmuseum“, in dem Michael Popp seine Schätze bäuerlicher Kultur zusammengetragen hat, die Proberäume des Faschingsvereins „Biegenbacher Elf“ und das „Atelier CCC“, wo jährlich auch die Ausstellung des „Offenen Ateliers“ der „Interkommunalen Allianz Oberes Werntal“ zu sehen ist.
Vor allem ist das Rathaus in der Gadenanlage untergebracht, im größten „Gaden“ war dieses Gebäude früher ein Vorratsspeicher. In der Mitte steht die katholische, sehr sehenswerte Kirche St. NIkolaus mit Deckengemälden vom Rhönmaler Johann Peter Herrlein und einer Krypta aus der romanischen Zeit. Daneben ein kleines Gebäude, heute als evangelische Kirche genutzt, war es vor gut 1000 Jahren eine Königskirche, deren Fundamente 1988 freigelegt worden waren.
Doch auch nach einer anstrengenden Radtour kann man sich einfach in der Gadenanlage auf eine Bank setzen und den Blick auf den blühenden Magnolienbaum oder das schöne Fachwerk genießen.

3.) Was glauben Sie, werden die nächsten und übernächsten Generationen aus den Gaden machen? Gibt es genügend Nachwuchs, um den Verein, um die Anlage dauerhaft am Leben zu erhalten?

Claudia C. Cebulla: Mit Nachfahren ist das so eine Sache. Es ist schwer, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Die Gaden gehören der Gemeinde und die wird dafür sorgen, dass dieses schöne Ambiente erhalten bleibt. Es hat viel Geld und Ressourcen gekostet, um sie zu renovieren und inzwischen sind auch Gegner der Renovierung überzeugt, dass es sich gelohnt hat.
Der Gadenverein allerdings könnte dringend jugendliche Mitstreiter brauchen. Doch die Jugend einzubinden ist nicht so einfach, auch wenn der Verein jedes Jahr ein Programm für Kinder anbietet, das meist sehr gut angenommen wird. Doch Sportverein oder Feuerwehr tun sich leichter, junge Menschen einzubinden. Selbst der Heimat- und Brauchtumverein, der Tanzproben anbietet, die Galderschummer Kerwa mit den Fichtenpaaren zu einem Höhepunkt des Dorflebens werden lässt und viele attraktive Fahrten anbietet, hat einen leichteren Zugang zur ländlichen Jugend. Daher steht es in den Sternen, wie lange der Gadenverein noch existieren wird. Doch wir hoffen, dass es immer wieder kunst- und kulturliebende Menschen auch auf dem Land geben wird, die sich in diesem Verein engagieren wollen und sich so auch selbst verwirklichen können.

Übrigens darf jetzt auch schon auf die 20. Galderschummer Weihnacht hingeweisen werden und das Klavierkonzert mit Boris Radulovic. Am 17. Dezember gastiert der Pianist ab 20 Uhr mit einem weihnachtlichen und klassischen Programm in den Gaden. Und auch das Jahresprogramm für 2017 ist bereits online.

Mehr unter www.gadenverein.de


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