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Foto: Johanna Bonengel

Die Initiative gegen das Vergessen wünscht sich eine offene Diskussion zum Schweinfurter Beitrag zum „DenkOrt Deportationen“


Kanal-Türpe

WÜRZBURG / SCHWEINFURT – Am Würzburger Hauptbahnhof ist im Juni mit dem „DenkOrt Deportationen“ ein berührendes Denkmal der Öffentlichkeit übergeben worden. Es erinnert an die Deportationszüge, in denen 2069 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Unterfranken zwischen 1941 und 1944 gewaltsam in Konzentrationslager transportiert wurden.

Das Projekt wurde mit breiter öffentlicher Unterstützung von dem Würzburger Verein „DenkOrt Deportationen“ initiiert und durchgeführt.


Hannwacker

Benita Stolz, die Initiatorin des Mahnmal-Projektes, begründet ihr intensives Engagement so: „Ich wollte etwas, das lebt, das immer wieder neu entstehen muss, an dem viele beteiligt sind.“ Sie knüpfte Kontakte mit allen unterfränkischen Gemeinden, in denen es 1933 jüdische Kultusgemeinden gab. Bisher beteiligten sich 47 Gemeinden, die zwei identische Gepäckstücke – Koffer, Rucksäcke, Deckenrollen aus Holz, Metall, Beton oder Stein – künstlerisch gestalten ließen. Vorbilder für die Gestaltung lieferten historische Fotos von Koffern, die am Deportationsbahnhof und in Auschwitz erhalten blieben. Eines der beiden Gepäckstücke wird am großen Mahnmal in Würzburg aufgestellt, das andere in den betroffenen Gemeinden. Jedes Gepäckstück trägt ein einheitliches Schild mit dem Namen der ehemaligen jüdischen Kultusgemeinde. Damit wird ein enger Bezug zu den Herkunftsorten der deportierten Menschen hergestellt.


In einigen Gemeinden wurde bereits in einer kleinen Feierstunde, zum Beispiel in Schwanfeld, der „DenkOrt“ zur Erinnerung und zur Mahnung eingeweiht. Aus Schweinfurt wurden 52 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger deportiert. Das künstlerisch gestaltete Schweinfurter Gepäckstück (siehe Foto) erinnert an sie und soll irgendwo in der Stadt einen Platz finden. Bisher gibt es aber keine Informationen der Stadt über den Standort oder – ebenso wichtig – über ein Konzept, wie der Erinnerungsort präsentiert werden soll.

Die Initiative gegen das Vergessen, die sich seit vier Jahrzehnten intensiv und kompetent mit der Zeit des Nationalsozialismus in Schweinfurt beschäftigt, Erinnerungsorte initiiert hat und betreut, fordert dazu auf, die Öffentlichkeit in das Projekt „DenkOrt Deportationen“ einzubeziehen, ganz im Sinn von Benita Stolz, nach deren Meinung „viele beteiligt werden müssen.“

Auch Gedanken zu einem pädagogisch altersgerechten Umgang mit dem „DenkOrt Deportationen“ müssen erarbeitet werden, damit sich junge Menschen sachlich, aber auch emotional mit den Biografien der Opfer des Nationalsozialismus in Schweinfurt auseinandersetzen können. Allein damit, ein Kunstwerk irgendwohin zu stellen, erreicht man es nicht, die Menschen zu berühren, sie vielleicht sogar zu erschüttern. Erinnerung ist notwendiger denn je. Dazu gehört auch der Plan der ehrenamtlich tätigen Initiative gegen das Vergessen, einzelne Denksteine zur Erinnerung an die vielen ermordeten Jüdinnen und Juden aus der Stadt Schweinfurt zu installieren.

Foto: Johanna Bonengel



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