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Die ungehaltene Schweinfurter Neujahrsansprache 2022 der Freien Wähler: „Bei lauen Lüftchen werden wir und andere Wind machen!“


Eisgeliebt

SCHWEINFURT – Irgendjemand muss sie ja halten, die Neujahrsansprache in Schweinfurt zu 2022. „Na dann eben wir“, dachten sich die Freien Wähler, „auch sonst in Bayern dafür da, dass es weiter geht, wenn´s vorne mal hapert“, so der Fraktionsvorsitzende Stefan Labus, gleichzeitig Vorsitzender derKreisvereinigung Schweinfurt Stadt.

Also, hier ist sie, die Schweinfurter Neujahrsansprache 2022:


Abenteuer Allrad 2022

„Hallo Schweinfurt,
mal ehrlich, das letzte Jahr war nix. Immer wieder Streit, Geldsorgen und vor allem Corona. An dem Virus sind viele gestorben – wir trauern mit den Hinterbliebenen und denken an alle, die Schaden genommen haben an Leib und Seele!


Leider gab es Überforderungen, auch an den wichtigsten Stellen, warum sollte man es nicht zugeben, wer hatte schon Erfahrungen mit einer Pandemie. Und dennoch: demokratische, stabile, mutige und kreative Führungsarbeit, da geht noch mehr in Stadt und Land, da sind wir (selbst-)kritisch. Wären da nicht die vielen hochengagierten Menschen in den Gesundheitsberufen, Polizei und Sozialdiensten – nicht auszudenken.

Statt Hätte-Wenn-und-Aber machen wir doch lieber einen „Zug durch die Gemeinde“ (Zitat Dschungelbuch). Wir starten am Rathaus und flanieren durch die 1A-Lage – oder was davon übriggeblieben ist. Wir suchen nach den Spuren des jahrelangen City-Managements und der Konzeptdiskussionen. Hmmh, vielleicht doch lieber ein eigenes Profil suchen, als den Wettlauf mit Amazon? Aber Rückert und der Rathaus-Giebel werden da nicht reichen, zumal die neueren Steinplatten-Bodenbeläge bröckeln und auch nicht viel geh-freundlicher sind, als das antike Kopfsteinpflaster, wo immer noch Wege für Rollstuhl- und Rollatornutzer*innen fehlen. Und auch der Streit ums Taubenfüttern ist ebenso nervig, wie ungut für die Stadt. Wir sind gespannt ob es bis zum Sommer mindestens einen versprochenen Taubenschlag gibt.

Und dann „go west“, Richtung Industrie. Auf dem Weg ist viel Platz und Fläche, die auf den „Regen“ der Landesgartenschau-Finanzen warten, um aufzublühen. Wir müssen am Gericht vorbei und denken einen kurzen Moment, dass hoffentlich keine Verhandlung über die erstaunlichen Grundstücksgeschäfte der Stadt dort stattfinden muss. Aber dann endlich wird die Schweinfurter Industrie deutlich sichtbar, manches außen Pfui, aber innen Hui – sehr viel gute Erfahrung, Wissen und Potential. Reicht das für die neuen Herausforderungen der Elektro-Mobilität, der Nachhaltigkeit und der neuen Technologien? Reicht das für Schweinfurt?

Die Tagesordnungen der städtischen Gremien, der Terminkalender der Bürgermeister*innen und die E-Mail-Postfächer der Planenden der Stadt quellen doch sicher über von diesen Themen, weit vor allen anderen Anträgen – oder etwa nicht? Wir haben uns jedenfalls gefreut über den Artikel in der SZ vom 5.1.2022 unter dem programmatischen Titel „Neuschweinfurt“ (klingt fast wie Neuschwanstein, nur ländlicher). Es geht um die Frage, ob es Schweinfurt tatsächlich gelingen kann, klimaneutral zu werden, ohne zu viele Jobs zu verlieren, und es wird Robotik und Wasserstoff empfohlen. Also auf geht´s, keine Zeit verlieren, gemeinsam, Stadt und Industrie, und spürbar aktiv. Nicht verwalten, sondern gestalten!

Wir gehen weiter zur Bellevue, einem Beispiel wirklich engagierter Stadtentwicklung. Da kann man zuschauen, wie sich Wohnraum entwickelt. Wirklich gut. Noch besser wäre es, die Anregungen aus der Bevölkerung ernster zu nehmen, zum Beispiel die des Seniorenbeirates, der genossenschaftlich organisiertes Seniorenwohnen mit angepasstem Baukonzept angeregt hatte. Immerhin wurden die angesehenen Schweinfurter Bauunternehmen besonders berücksichtigt, und Schule und Kindergarten sind in Planung. Apropos „Bellevue“ (Schöne Aussicht). Schön sichtbar ist von dort die wahrlich wenig schöne Obdachlosenunterkunft der Stadt im Euerbacher Weg. Wer einmal dort landet, hat/ist verloren. Keine Stadt sollte es sich leisten können, Menschen, die gescheitert sind, so wohnen zu lassen.

Weiter geht´s Richtung LGS-Gelände. Die Landesgartenschau ruft, bedrohlich und Sirenen-gleich oder hoffnungsfroh und Erfolg versprechend? Der erste Schritt ist getan, eine neue, wirklich vorzeigbare Flaniermeile ist hinter den früheren Ledward-Barracks, oder aktueller: hinter den PCR-Testzentrum im Kasernenweg entstanden. Und im Hinterkopf macht sich ein trüber Gedanke auf den Weg: Ob wir es schaffen, die Landesgartenschau bis zum geplanten Eröffnungstermin fertig zu stellen? Eine „sportliche“ Aufgabe ist das, nicht nur wegen der gestiegenen Kosten im Baubereich, sondern auch wegen der begrenzten Ressourcen bei den Bau- und Handwerksfirmen.

Dennoch, gute Idee, gute Gelegenheit, die LGS Schweinfurt. Aber dann wieder: Wenn nur nicht gerade so viele andere Themen drängen würden. Vor allem das Kulturforum – nein, Spaß – wir meinen den Neubau der Maxbrücke, das Theater, das Kassengebäude, das Parkhaus Leopoldina, die Tiefgarage Graben, den Neubau Körnerschule Bellevue, die Sanierung der Franz-Josef-Strauß-Brücke, das Friederike-Schäfer-Heim, den Rückert-Bau, die Sanierung des Servicebetriebs, den sozialen Wohnungsbau, die Schulsanierungen, die immer noch fehlenden Kita-Plätze und nicht zuletzt die Gewinnung von qualifiziertem Personal, um all diese Aufgaben zu bewältigen.

Für alles gibt es einen Plan. Wie werden wohl die Prioritäten sein? Wird die LGS der Grund sein dafür, dass die genannten Baustellen verschoben werden? Und werden freiwillige Leistungen für Kultur-Initiativen, soziale Projekte, Integration und Zusammenhalt im Stadtteil, für Fahrradwege, ja, und auch die Bahnhofsmission und ähnlich menschenfreundliche Projekte gekürzt oder gar nicht erst besprochen werden?

Wir sind gespannt auf 2022 und den frischen Wind. Wenn es ein laues Lüftchen wird, werden wir und andere Wind machen.

Wir wünschen ein gesünderes und glücklicheres Neues Jahr 2022!“


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