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Diskussions-Veranstaltung in der Disharmonie: „Es gibt nicht ein Atommüll-Problem, sondern tausende im ganzen Land!“


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SCHWEINFURT – Am Dienstag, 21.01.2014 veranstaltet das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft um 19.00 Uhr in der Kulturwerkstatt Disharmonie in Schweinfurt (Gutermann – Promenade) eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Ursula Schönberger, der Autorin der Bestandsaufnahme „Atommüll – eine Bestandsaufnahme für die Bundesrepublik Deutschland. Es gibt nicht ein Atommüll-Problem, sondern tausende im ganzen Land!“

Im August 2013 ist die Publikation der Politologin Ursula Schönberger erschienen. Daten zu über 90 Atommüllstandorten in Deutschland hat die Wissenschaftlerin zusammengetragen. Entstanden ist ein 272 Seiten starkes Buch, das die Atommüllmisere der Bundesrepublik Deutschland abbildet. Zu lesen sind diese Datenblätter der gesamtdeutschen Atommüllära wie Szenen aus einem Kriminalroman. Im Anhang wird in kurzen Essays auf standortübergreifende Probleme eingegangen: Das „Freimessen“ von Atommüll, Transparenz oder der ungelösten Frage nach dem Lagerkonzept für das gesamte Atommüllaufkommen. Diese Bestandsaufnahme zeichnet nicht nur die ca. fünf Prozent hochradioaktiver Abfälle auf, die das Standortauswahlgesetz umfasst, sondern auch die restlichen 95 Prozent des bundesrepublikanischen Atommülls, den die Politik gerne verschweigt.


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Dem Sorgenbericht ist eine gefaltete, DIN A 1 große Karte beigelegt, die alle Atommüllstandorte noch einmal visuell sichtbar macht. Ursula Schönberger: „Ein echter Neuanfang in der Diskussion muss die Erfahrungen mit den gescheiterten Projekten und Altlasten zu einem wesentlichen Bezugspunkt der Diskussion um den zukünftigen Umgang mit Atommüll machen. Dazu gehören methodische, fachliche, aber auch gesellschaftliche Fragen. ….Wir brauchen einen Prozess, der von den realen und akuten Gefahren des Atommülls ausgeht, statt sie zu leugnen, dem das Eingeständnis von Politik und Wirtschaft vorausgeht, dass es keine Lösung für die sichere Lagerung von Atommüll über 1.000.000 Jahre geben kann, der den Betroffenen entscheidungsrelevante Rechte einräumt und der in seinem Ausgang offen ist.“


Das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft begrüsst es sehr, dass diese umfassende Atommüll – Berichterstattung nun zur Verfügung steht. Atommüll sei für die Region Schweinfurt ein wichtiges Thema – denn im AKW Grafenrheinfeld wurde und wird Atommüll erzeugt, und beim AKW ist ein Atommülllager in Betrieb. Was das für die Bevölkerung, für die gesamte Region bedeutet, werde allerdings nicht öffentlich diskutiert. Der Vortragsabend mit Ursula Schönberger wird das brisante Thema beleuchten und wichtige Informationen bieten.

„Wir finden es wichtig, dass „Atommüll – Eine Bestandsaufnahme für die Bundesrepublik Deutschland“ in den Büchereien in der Region Schweinfurt zur Ausleihe bereit steht und haben uns deshalb entschieden, allen kommunalen Büchereien im Landkreis Schweinfurt sowie der Stadtbücherei Schweinfurt jeweils ein Exemplar zu spenden – falls das Buch noch nicht im Bestand sein sollte. Die Übergabe an Vertreter/innen der Gemeinden soll im Verlauf der Vortrags – Veranstaltung am 21.01.2014 stattfinden“, sagt mit Babs Günther die Sprecherin des Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft.

AtomkraftgegnerAuch in der Nähe des AKW Grafenrheinfeld sind am 06. November 2013 500 gasgefüllte Ballons aufgestiegen – als Symbol für Radioaktivität, die im Falle eines jederzeit möglichen Unfalls im AKW freigesetzt werden würde. 21 Fundorte wurden den Organisatoren für Ballons aus Grafenrheinfeld gemeldet ( 24 / Grohnde, 10 / Isar, 16 / Lingen, 20 / Neckarwestheim, 26 / Phillipsburg, 19 / Berlin, Versuchsreaktor). Sieben Ballonfunde wurden aus Frankreich gemeldet, davon einer in der Entfernung von 484 km (aus Phillipsburg). Ein Ballon aus Grafenrheinfeld wurde bereits nach 2 Stunden und 20 Minuten gemeldet – er war ca. 75 km weit geflogen. Die Ballons aus Grafenrheinfeld waren zunächst in Richtung Süden aufgestiegen, wurden dann aber nach Westen abgedreht. Die Fundorte zeigen, dass viele im Raum Spessart gelandet sind – die Entfernung zu Frankfurt am Main ist nicht weit. Die Luftballonaktion habe sehr drastisch gezeigt, dass die Katastrophenschutzplanungen völlig unzulänglich sind: die Innenminister wurden aufgefordert, den Katastrophenschutz zu optimieren!

Es sei ein Skandal, dass die zuständigen Innenminister auch mehr als 2 1/2 Jahre nach Fukushima noch keine Konsequenzen für den Katastrophenschutz in Deutschland gezogen haben, haben Bürgerinitiativen von Atomstandorten aus ganz Deutschland und Verbände heute bei einer Kundgebung und Pressekonferenz anläßlich der Innenministerkonferenz in Osnabrück erklärt.

„Wir fordern die Innenminister hiermit noch einmal auf, der Katastrophenplanung realistische Ausbreitungsdaten zugrunde zu legen. Die Atomreaktor-Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass die Ausbreitung der Radioaktivität innerhalb von wenigen Stunden über Entfernungen von 150 – 200 km stattfindet und dass die radioaktive Freisetzungen bis zu mehreren Wochen, möglicherweise sogar noch länger, andauern können. Mit den bisherigen kleinräumigen Schutzzonen nehmen die Innenminister fahrlässig tausende Strahlenopfer in Kauf“, erklärt Dr. med Angelika Claußen, von der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW.

Obwohl das Bundesamt für Strahlenschutz schon im Herbst 2011 zu dem Ergebnis kam, dass Unfälle wie in Fukushima in Deutschland auf noch in 170km Entfernung katastrophale Auswirkungen haben könnte, berufen sich die Innenminister darauf, diese Erkenntnis sei von der Strahlenschutzkommission des Bundes bis heute nicht abschließend bewertet. So beruht die Planung des Katastrophenschutzes bis heute auf Annahmen von 2008 und früher.

„Es wäre ein Irrglaube anzunehmen, dass es nach dem Beschluss, 2022 aus der Atomenergie auszusteigen, keine akuten Probleme mehr gäbe“, erklärt Ursula Schönberger (Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad), „im Gegenteil haben wir den Eindruck, dass der Ausstiegsbeschluss dazu dient, von den akuten Gefahren abzulenken. Wir fordern die Innenminister und Atomaufsichtsminister der Länder auf, endlich ihrer Verantwortung nachzukommen und sich den Gefahren im hier und jetzt zu stellen.“


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