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Handelsverbands-Vorsitzender und Schuhhändler Axel Schöll: „Diese Begründung ist schlichtweg dumm und nicht nachvollziehbar!“


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SCHWEINFURT – Axel Schöll ist Kreisvorsitzender des bayerischen Handelsverbands. In Schweinfurt hat er in der Rückertstraße einen Schuladen, in Bad Kissingen am Marktplatz einen zweiten. Beide sind derzeit geschlossen – logisch, Corona hat Schuld. Doch nun endet so langsam die Zeit des ausbleibenden Umsatzes. Aus seiner Sicht zu spät, findet Schöll.

Herr Schöll, Läden wie Ihre dürfen nun am Montag, den 27. April, wieder öffnen. Einerseits schön, andererseits sind Sie sauer, weil kommenden Montag ja schon Bau- und Gartenmärkte wieder öffnen dürfen. Was bieten die mehr an Sicherheit für Ihre Kunden als ein Schuhladen?
Axel Schöll: Keine Ahnung, vielleicht sind die Abstände größer, weil ein Baumarkt etwas mehr Fläche hat als unsere beiden Filialen und daher kleinere Infektionsgefahr? Oder Sie fragen mal Herrn Söder, der hat ja auch immer gute und plausible Antworten!


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Können Sie es verstehen, wenn Markus Söder sagt, man wolle anderen Läden mehr Zeit geben, um sich vorzubereiten?
Axel Schöll: Nein, diese Begründung ist schlichtweg dumm und nicht nachvollziehbar. Was meint denn unser Ministerpräsident, was wir die letzten Wochen gemacht haben In der Nase gebohrt und das Büro war auch irgendwann mal aufgeräumt! Für einen Kaufmann ist Planung und vorausschauendes Verhalten völlig normal und gehört zu alltäglichen Arbeiten wie Personalplanung, Planung der Order,


Was haben Sie getan, damit Ihre Kunden künftig nicht in Gefahr geraten?
Axel Schöll: Wir haben oder werden alle Maßnhamen ergreifen, um Kunden und natürlich und vor allem auch unser Verkaufspersonal zu schützen. Ich denke, jeder ist mit den Hygieneregeln vertraut. Wir speziell haben schon Bodenmatten im Haus und Warnschilder für den Abstand. An der Kassentheke haben wir uns mit PVC-Folie geeignete Konstruktionen zum Spuckschutz bauen lassen und schon seit Dienstag installiert. Alle Mitarbeiter werden noch gebrieft und bekommen von mir FFP2 Masken, die auch schon im Haus sind. Letztendlich haben wir Desinfektionsmittel im Spender für Kunden und Personal sowie für die Reinigung von Oberflächen und Gegenständen wie EC-Gerät oder Schuhlöffel. Und es gibt Einlasskontrollen anhand der Verkaufsfläche, das heißt in Schweinfurt sieben und in Kissingen acht Kunden maximal im Laden.

Wie sah bei Ihnen der Berufsalltag der letzten vier Wochen so aus?
Axel Schöll: Mal ein paar unliebsame Arbeiten erledigt, die man gerne aufschiebt, wie Reklamationen oder Büro und Lager aufräumen. Dann habe ich die Inventur final bearbeitet und dann gleich die Warenwirtschaft umstellen lassen, das nun alle Schnittstellen für Online-Shopping vorhanden sind, um diesen neuen Channel nun auch für Umsätze zu nutzen und natürlich die Thematiken Kurzarbeit, Soforthilfezuschuss und Corona Schnell Darlehen vorbereitet und beantragt. Einige Schuhe verkauft und geliefert, die wir über unsere digitale Werbung bei Facebook angeboten haben. Das war aber in den vier Wochen an zwei Händen abzuzählen. Glück dem, der vorher schon einen Online-Shop hatte!

Können Sie in etwa beziffern, wie groß ihr finanzieller Verlust sein wird?
Axel Schöll: Kosten für Personal trotz Kurzarbeit, Mieten und bei uns vor allem für die Ware läuft und muss bezahlt werden. Einiges kann man schieben, wird aber dann aber fällig wie Ware, die ja im Haus ist seit vier bis acht Wochen! Lieferanten wollen dann auch mal Geld sehen. Skonto ist für die kommenden Wochen mal ein Fremdwort. Also, den Verlust kann ich im Moment nicht beziffern, aber einfach im März haben mir 50 Prozent vom Umsatz gefehlt, immer bezogen auf das Vorjahr. So, der April ist nun bald rum…. Wenn ich meine beiden Läden zusammenrechne, bin ich jetzt schon gut im sechsstelligen Bereich an Umsatz, der mir fehlt seit 18.03. bis heute 18.04.! Das wird man am Ende des Jahres sehen, aber wir werden nach Wiedereröffnung sicher nicht gleich auf volle Umsätze kommen. Ich gehe mal gut von einem Viertel bis ein Drittel Umsatzeinbußen aus, gerade auch weil der März/April zu den stärksten Monaten gehören!

Kennen Sie Geschäftskollegen, denen Corona womöglich finanziell zum Verhängnis werden könnte?
Axel Schöll: Ja, das kann jeden treffen. Auch uns. Aber ich weiß von einigen kleinen Läden, die speziell um Ostern viel Umsatz machen und denen jetzt der Umsatz gefehlt hat. Es wird sicherlich Schließungen geben. Vielleicht einige in den kommenden Wochen, viele vielleicht dann erst in sechs bis zwölf Monaten! Da sollten Herr Scholz und Herr Aiwanger ihre Schatullen insofern öffnen, das eventuell Darlehn zinslos bleiben oder teilweise nicht zurückgezahlt werden müssen als ein Beispiel der Hilfe.

Sie sind Mitglied der Schweinfurter Qualitätsroute. Hält man in Krisenzeiten in so einer Gemeinschaft noch enger zuammen?
Axel Schöll: Ja, wir waren jetzt auch schon vor der Schließung in regem Austausch. Wie fülle ich den Soforthilfeantag aus? Gerade heute morgen hat mich eine Firma angeschrieben und mir ein Angebot für Desinfektionsmittelspender gemailt. Das habe ich gleich an alle Qualitäter weitergleitet und an alle meine Mitglieder im Verband hier im Kreis und Stadt Schweinfurt. Das sind ja immerhin 150.

Zwei der 16 inhabergeführten Einzelhandelsgeschäfte, Messer Hoffritz und Porzellan Weitzel, beide vom Marktplatz, haben – unabhängig vom Virus – die Geschäftsaufgabe angekündigt. Sehen Sie Schwarz für die Schweinfurter Innenstadt?
Axel Schöll: Hoffritz und Weitzels Aufgabe ist ja geplant. Wir haben aber schon wieder vier neue Mitglieder. Ich denke, wir werden in jeder Straße dann einige Geschäftsaufgaben sehen und dann eben noch ein paar mehr Leerstände. Hier ist dann das Rathaus endlich gefragt, die vielen vom Handel angeregten Ideen umzusetzen, vor allem finanziell. Städtebau-, Handel- oder Kulturfonds hat der Handelsverband die Tage nicht das erste Mal von der Politik gefordert. Und jeder Kommunalpolitiker, der jetzt noch zu uns Händlern kommt und dann, wie so oft in der Vergangenheit, sagt „Ihr Händler müsst aber auch was tun“, der muss sich wirklich fragen, ob er noch seine Sinne beisammen hat! Wir kämpfen seit vielen Jahren und jetzt noch mehr!

Haben Sie Ideen für die Belebung der City – und wäre es da vielleicht besser gewesen, die Schweinfurter hätten Sie in den künftigen Stadtrat gewählt?
Axel Schöll: Klar wäre es richtig gewesen, jetzt im zukünftigen Stadtrat zu sitzen, besser als manch andere Person oder Partei. Aber was nicht ist, wird schon noch werden. Dass man mit der Politik nicht wirklich einverstanden war, zeigen ja die Ergebnisse. Die Ideen bleiben die Gleichen, die ich während des Wahlkampfes auch schon zum Thema Innenstadt vorgeschlagen habe. C-Lagen in Wohnraum umwandeln für Studenten oder Ältere barrierefrei, die dortigen Läden in die Kernlagen konzentrieren, um dort die Kaufkraft zu konzentrieren und allen bessere Möglichkeiten zu geben, dies unterstützt wie viele andere Maßnahmen durch einen Fonds – Mietanteile übernehmen, keine Stellplatzablöse.. – da könnten wir stundenlang reden. Ja reden wäre auch wichtig, aber immer auf Augenhöhe Stadt – Politik – Vermieter – Handel – Mieter – Gewerbe…..das ist oft auch nicht der Fall. Schweinfurt braucht ein Dachmarken-Werbe-Konzept und dann die Aufteilung, wer macht was und mit welchen Finanzen. Schweinfurt erleben soll sich um Events kümmern, die Qualitätsroute und der Handelsverband um Handel, Stadt um Infrastruktur und alles miteinander verzahnt… und dann noch vieles digitalisieren.

Zum Schluss das: Warum sollten die Kunden ab dem 27. April unbedingt zu Schuhmoden Schöll kommen? Gibt es besondere Angebote oder neue Modelle?
Axel Schöll: Das Angebot wird in erster Linie sein, dass wir uns wieder persönlich gegenüberstehen, mit Abstand. Die Kunden sollen zu uns, aber auch allen anderen inhabergeführten Fachgeschäften kommen. Wir haben die neuesten Trends und Themen im Haus und wollen diese gerne mit gutem Service und Beratung den Kunden präsentieren. Leider eben mit knapp sechs Wochen Zeitverzögerung. Wir hoffen, dass alle kommen und regulär kaufen und den Erhalt der Innenstadt unterstützen.

Wir danken für das Intervew und wünschen alles Gute!



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