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Auch mit Maske und Abstand lässt sich protestieren. Die Kundgebungen für die Infomärkte, sowie weitere Protestaktionen sind schon in Planung. - Foto: Stockmann

Stromleitung – „Heißer Herbst“ mit Kundgebungen und Gesprächen erwartet


Pressebeck

Der Netzbetreiber TenneT plant den Bau einer weiteren Stromleitung durch die Region. Die Fulda-Main-Leitung soll das Umspannwerk Dipperz bei Fulda mit Bergreinfeld verbinden. Der Bau ist als Freileitung geplant. Es gibt eine Erdkabeloption. Schon einmal erlebte die Region Proteste von mehreren Bürgerinitiativen mit Kommunalpolitikern zum Leitungsprojekt SuedLink. Mit dabei auch der Vorsitzende der Elfershäuser Bürgerinitiative Gegenstrom, Markus Stockmann.

SuedLink kommt als Erdkabel im östlichen Landkreis. Nun kommt noch eine weitere, die Fulda-Main-Leitung mit dazu. Wie ist der aktuelle Stand?
SuedLink hat uns seit 2014 intensiv beschäftigt. Aktuell begleiten wir als Initiativen das Verfahren auch über den RhönLink konstruktiv, aber dennoch kritisch mit. Nun und das sollten wir nochmals unterstreichen, kommt eine neue Stromleitung auf unsere Region zu. Die Fulda-Main-Leitung soll von Dipperz bei Fulda nach Grafenrheinfeld gebaut werden. Nach jetzigem Stand auf dem kürzesten Weg, wieder durch die Rhön. TenneT hat schon zum Planungsdialog geladen. Für den Herbst sind Infomärkte geplant und wir als Bürgerinitiativen breiten uns im Hintergrund darauf vor. Alles für das wir seit 2014 gekämpft haben, das „sensible Gebiete“ geschützt werden sollen ist durch eine Vereinbarung der Energieminister Altmaier mit Aiwanger kaputt gemacht worden.



Sie haben schon ein paar Mal öffentlich gesagt, Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat die Region verraten. Warum?
Unser Einsatz war und wird es bei der Fulda-Main-Leitung auch sein, dass die Schutzwürdigkeit des UNESCO-Biosphärenreservates Rhön gewahrt wird. Nach vielen Protesten und Gesprächen hatte sich die Große Koalition im Juli 2015 darauf geeinigt, das „schützenswerte Gebiete“, darin sehen wir die Rhön, ausgespart werden, SuedLink im Erdkabel und die Fulda-Main-Leitung mit einer Netzerneuerung kommen soll. Nun haben wir eine Entscheidung aus dem vergangenen Jahr. Die Fulda-Main-Leitung wird kommen, dafür eine Stromleitung von Coburg nach Grafenrheinfeld wegfallen. Wir fühlen uns schon verraten, weil man sich fragen muss, was Vereinbarungen, die auch im neuen Koalitionsvertrag der Berliner Regierung bestätigt wurden, noch Wert sind.


Wieso sehen Sie und Ihre Mitstreiter eine Überlastung des Netzverknüpfungspunktes Grafenrheinfeld?
Mit dem Bau des Suedlinks kommen 2000 MW Energie im Raum Schweinfurt an. Die Fulda-Main-Leitung kommt nun noch mit dazu. Wir erleben aktuell schon Netzoptimierungsmaßnahmen, auch Strom der sogenannten Thüringer-Strombrücke gelangt nach Grafenrheinfeld. Wenn wir zurückschauen, sehen wir eine Produktion von rund 1400 MW Strom durch das ehemalige Kernkraftwerk. Hier kommt viel mehr Energie an, die sonst hier produziert wurde. Entweder muss man den Leuten ehrlich sagen, dass noch mehr Netzzubau im Raum Schweinfurt kommen muss und damit eine Überlastung des Netzverknüpfungspunktes Grafenrheinfeld. Und man muss sich fragen, ob der Strom für unsere Region oder einer anderen ist und warum man deshalb diesen Punkt nicht direkt anfährt.

Beim Prüfen von Bündelungsoptionen sieht der Vorsitzende der BI Gegenstrom, Markus Stockmann, die A7 als möglichen Trassenverlauf im Rennen. Die Bürgerinitiativen entlang der Autobahn sind alarmiert. – Foto: Stockmann

Aber wieso sehen Sie bei der Fulda-Main-Leitung keinen Bedarf für Bayern?
Dies meinte ich vorweg, in dem ich sagte, den Bedarf in die Region zubringen, wo er benötigt wird. Wenn man sich die Netzentwicklungspläne anschaut, muss man sagen, dass der Strom vorrangig für den Raum Frankfurt benötigt wird. Deshalb wäre es aus unserer Sicht doch einfacher eine Netzoptimierung von Fulda Richtung Frankfurt vorzunehmen. Denn es gilt auch die Vorgabe, das Netzoptimierung vor Ausbau steht.

Was ist aus Ihrer Sicht die alternative zur Fulda-Main-Leitung oder insgesamt zum Netzausbau?
Zunächst sollte man vorhandene Netze optimieren. Dies ist auch so vorgeschrieben. Netzoptimierung vor Ausbau. Deshalb wollte man vorhandene Leitungen, mit neuer Technik ertüchtigen. Wir sollten uns aber mehr mit dem Thema Digitalisierung von Stromnetzen beschäftigen. Smart Grids ist hier das Stichwort. Und wir brauch endlich mehr Einsatz von und Investitionen in Zukunftstechnik wie die Power-to-x-Technologie.

Power-to-x, können Sie uns das näher erklären?
Wir haben mit Gründung der BI Gegenstrom nicht nur gesagt, dass wir gegen den Netzausbau sind, sondern auch gesagt, wie wir uns Alternativen vorstellen. Zum einen regional, aber auch nutzten von Zukunftstechnologien. Hier haben wir vorgeschlagen, die Power-to-Gas-Technik umzusetzen. Das heißt: der vorhandene Strom wird im Norden der Republik erzeugt, in Wasserstoff umgewandelt und mit den vorhandenen Gasleitungen, das auch als Speicher dient, in den Süden Deutschlands gebracht. Hier können z.B. Gaskraftwerke mit Windstrom angetrieben werden.

Für was steht aber dann das „X“?
Das „X“ kennen wir aus der Mathematik. Es ist ein Platzhalter. X steht z.B. für Gas. Es kann für das X aber auch Liquid (Flüssigkeit) oder Heath (Wärme) stehen. Bei Power-to-Liquid geht es um die Produktion von alternativen Kraftstoffen. Bei Power-to-Heath geht es um die Produktion von Wärme. Das spannendste an der Power-to-X-Technologie ist, dass ein wichtiges Thema immer mit betrachtet wird, nämlich die Speichertechnologie. Die Speichertechnik ist der Schlüssel für eine gelungen Energiewende.

Wir haben mit Schweinfurt in Unterfranken einen Industriestandort, aber auch Wirtschafsverbände in Bayern fordern den Netzausbau. Wie begegnen Sie diesen Forderungen.
Bayern ist Innovations- und Technologieland. Wir erleben aber auch eine Industrie und das nicht erst durch Corona, die sich im schweren Fahrwasser befindet. Ich glaube wir sind in einem Transformationprozess. Und da möchte ich ansetzen. Wir werden in Zukunft elektronisch oder wasserstoffgetrieben fahren. Wir müssen und die Industrie tut dies, hier auf Zukunftstechnologien setzen. Ich habe diese vorhin schon einmal z.B. die Power-to-X-Technik erwähnt. Diese X-Stoffe auch noch regenerativ erzeugt fördert auch das „grüne“ fahren. Dieser „grüne Strom“ kann auch regional erzeugt werden.

Aktuell erleben wir die Corona-Pandemie. Wird es da schwierig sein, die Bevölkerung zu mobilisieren?
Ich hoffe nicht. Denn die Bürgerinnen, Bürger und Mitglieder müssen wissen, dass wir vor derselben Lage wie 2014 stehen. Das „Land der offenen Ferne“, unsere Rhön soll mit bis zu 85 Meter hohe Masten verschandelt werden. Diese einzigartige Kulturlandschaft ist wieder in Gefahr. Sie müssen auch wissen, dass das Erdkabel Augenwischerei ist. Aktuelle können nur bis zu 10 Km Wechselstrom verkabelt werden. Die A7 wird wieder als Vorschlagskorridor in den Planungen auftauchen. Deshalb hoffen wir auch wieder auf zahlreiche Unterstützung aus der Bevölkerung. Wir werden unsere Veranstaltungen z.B. Kundgebungen auf Grundlage der gültigen (Hygiene-) Regeln und Vorgaben planen und organisieren.

Wie planen Sie die nächsten Wochen?
Die Initiativen in der Rhön waren und sind im ständigen Austausch. Erst kürzlich fand eine größere Runde mit Behördenvertretern statt. Wir planen für die anstehenden Infomärkte des Netzbetreibers TenneT Kundgebungen. Unsere Mitglieder werden nun, so bald es wieder etwas neues gibt, schneller Informiert. Auch planen wir für Anfang September eine gemeinsame größere Aktion aller Bis um auf das Thema aufmerksam zu machen. Es wird in den nächsten Wochen viele Gespräche geben auf allen Ebenen, ob Politik, Genehmigungsbehörden oder Netzbetreiber. Wir als Initiativen haben auch Wirtschaftsminister Aiwanger und Altmaier zu Gesprächen eingeladen. Die zuständigen Fachminister aber auch Ministerpräsident Söder haben wir angeschrieben. Wir sind einsatzbereit und erwarten einen heißen Herbst!



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