20. 10. 2017
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„Ich kaufe mir ein Freizeit-Land!“: Matthias Mölter und seine Pläne mit dem Park in Geiselwind



GEISELWIND / COBURG – Vor sieben Jahren baute Matthias Mölter für sich, seine Frau und die mittlerweile zwei Kinder ein Haus. „Seitdem saß ich vielleicht sechs mal in meinem Garten“, lacht der erst 32-Jährige aus Coburg, der als Schausteller mit seinem Vergnügungsbetrieb bislang fast das ganze Jahr über und eben vor allem im Sommer in der Gegend herum reiste. Doch damit ist nun Schluss.

Mölter erwarb von der Gründerfamile Mensinger und deren Partnern das Freizeit-Land Geiselwind, ist seit 1. Januar 2017 neuer Eigentümer. Den Preis nennt er nicht, nach eigenen Angaben steckt er aber aktuell über fünf Millionen in den Park für weitere Investitionen. Und die sind auch dringend notwendig. Denn in Geiselwind ist die Zeit seit Jahren schon stehen geblieben. Von einst um die eine halbe Million Besucher jährlich gingen die Zahlen zuletzt auf um die 200.000 zurück. Und das aus gutem Grund.

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Im Restaurant Tropica und dem angrenzenden Biergarten sieht man besonders, wie der Zahn der Zeit am Freizeit-Land nagte. Beziehungsweise man sieht es so langsam nicht mehr. Denn mit Elke von Flue ist eine ebenfalls aus Nordbayern stammende Künstlerin, mit der Mölter schon lange zusammen arbeitet, gerade dabei, die entkernten Räume der Gastronomie optisch aufzupeppen. Als „Crazy Kraken-Taverne“ – so zumindest ein neues Bild an der Wand – soll künftig unter Piraten-Thematik den Gästen gutes Essen angeboten werden. Dazu passt, dass auch die Waldschänke im hinteren Bereich des Parks wieder öffnet. Als Bier-Partner konnte Mölter Tucher an Land ziehen. Aus Coburg bringt er einen Koch mit, der schon im Hofbräuhaus tätig war.

Im Biergarten der Taverne, der als solcher momentan gar nicht mehr zu erkennen ist, liegen Bäume herum. Die Kinder-Achterbahn „Doggy Dog“ hat daneben am alten Haupteingang den Zwergerl-Express abgelöst. Nicht allen Usern auf Facebook hat das gefallen, als die Nachricht verbreitet wurde. Doch Matthias Mölter weiß, dass er alte Zöpfe abschneiden muss.

„Seit zehn Jahren hat man in Geiselwind das Konzept nicht mehr überarbeitet oder überdacht. Es muss nun dringend aufgefrischt werden“, kritisiert er die wild zusammen gestellten Fahrgeschäfte auf der rund 400.000 Quadratmeter großen Fläche. Das im Juni 1969 als Vogel-Pony-Märchenpark eröffnete Freizeit-Land soll nun nach und nach thematisch gegliedert werden. „Zirkus“, Safari“ oder „Piraten“ lauten die Mottos. Ein Dino-Land könnte verlegt mehr in Richtung Wald entstehen.

Das Showprogramm ist heuer komplett neu: Licht und Feuer stehen künftig im Vordergrund, mit den Fußballartisten konnte man dank eines WM- und EM-freien Sommers Künstler bekommen, die perfekt mit dem runden Leder umgehen. „Hassmails“ habe Mölter bekommen, erzählt er, weil die jahrelange Ära der Acapulco-Springer endete. „Da hüpften acht Mann seit 1992 zwei Mal am Tag für 30 Minuten….“, sagt der neue Geschäftsführer und nennt auch finanzielle Gründe für das Aus dieser Show.

Am 8. April. dem Samstag vor der ersten Osterwoche, eröffnet das Freizeit-Land wieder. An diesem Tag gleich mal bis 22 Uhr und mit einem Event. Luftballon-Entertainer Tobi van Deisner kommt, die Band Donikkl spielt, Bauchredner Sebastian Reich unterhält mit seinem Nilpferd Amanda. Ein Musikfeuerwerk und eine Feuershow runden spät den Abend ab. Das ist aber nur der erste von bislang 17 geplanten Sondertagen. An Ostern werden Eier im Park gesucht, am 20. und 21. Mai lädt Mölter speziell alle Coburger ein. Am 25. Juni ist Opa- und Oma-Tag. „Ähnlich gute Events wie wir hat heuer nur der Europa-Park“, vergleicht Mölter. Und der ist immerhin Marktführer.

Von August an aber soll´s richtig rund gehen: An den ersten vier Samstagen des achten Monats öffnet der Park wieder bis 22 Uhr, steht wieder das Feuer im Mittelpunkt von hoffentlich zauberhaften Sommernächten. Am 25. August ziehen für eine Woche die Gaukler ein zum Mittelaltermarkt. Ende September bis Anfang Oktober wird… natürlich: Oktoberfest gefeiert mit Weißwürsten und Bayerischen Spielen wir Bierkrug-Schubsen, Hufeisenwerfen oder Maibaumlaufen. Und danach bis 1. November begeht man in Geiselwind erstmals Halloween mit lebenden Geistern, einem Grusel-Labyrinth, im Geisterwald oder dem Restaurant des Grauens.

Das Horror-Land als eines der neuen Themangebiete mit dem giftgrünen Horror-Lazarett von Dr. Lehmann, einem Geisterhaus, das alleine schon optisch von außen zum Durchlaufen animiert, entsteht gerade auf dem Bereich der einstigen Fasanerie mit der Kleintierzuchtanlage und dem Ziergeflügel. An das nordöstliche Ende des Parks verirrten sich dahin zuletzt kaum noch Besucher. „Nun wird es dort recht blutig“, lacht Matthias Mölter kündigt einen Live-Erschrecker an. Empfohlen sind Horror-Land und Geisterhaus für Besucher ab zwölf Jahren. Sonst gibt es in Geiselwind keinerlei Altersbeschränkungen.

Generell freilich ist das Freizeit-Land Geiselwind für alle Altersklassen gedacht. Jugend-Attraktionen wie ein Autoscooter, ein 38 Meter hoher Free-Fall-Tower ooder ein Scheibenwischer-Fahrgeschäft ziehen ein. Dazu für Familien eine große Oldtimer-Fahrt, für die gerade die Schienen gelegt werden, ein 20 Meter hoher Familien-Freifallturm und neue Tiere wie Kängurus, Lamas oder Stachelschweine. Affen gibt es nach wie vor, für deren Reservat entsteht gerade eine neue Aussichts-Plattform.

Um die 70 Mitarbeiter kümmern sich derzeit um die Umgestaltung des Parks. Wenn er öffnet, werden in den Hauptzeiten bis zu 200 Leute in Geiselwind eine Beschäftigung finden. Der Grillshop wird gerade umgebaut, um später für das „Piraten-Thema“ geeignet zu sein. Sämtliche Toiletten will Mölter 2018 komplett sanieren. Mit Kanalisation und Stromanschlüssen traten bei den Bauarbeiten Probleme zu Tage. Auf sandigem Untergrund wurden einst viele Bäume gepflanzt, zahlreiche sind nun schon weg. Auch aus Sicheheitsgründen. Doch gerade der Waldbereich mit rund einem Drittel der Fläche hat für den neuen Chef großes Potenzial.

Rund 100 Kilometer müssen Matthias Mölter und seine Familienmitglieder nun einfach fahren zum Arbeitsplatz. Rund eine Stunde. Ein Klacks angesichts der 300.000 Kilometer, die der Freizeit-Land-Geschäftsführer letztes Jahr noch zurück legte für seinen Schaustellerbetrieb. Coburg und Umkreis, zuletzt auch Polen und Holland, deckten die Mölters mit den Fahrgeschäften ab. Die Coburger und Kronacher Weihnachtsmärkte bestückt man noch, sonst endet jede Reiserei künftig in Geiselwind, wo die Mölters ihre Kräfte nun bündeln. Der 32-Jährige Chef stieg mit 16 Jahren in den Schaustellerbetrieb der eigenen Familie ein. „Weil mir meine Lehre nicht gefallen hat“, lacht er.

„Ab sechs Millionen Euro bekommt man eine vernünftige Achterbahn. Zehn bis 15 Millionen kostet eine Holzachterbahn“, weiß Matthias Mölter. Und er weiß auch: Wenn das Freizeit-Land jetzt erstmal drei Jahre konstant angenommen wird, dann lassen die Banken leichter mit sich reden für weitere Investititionen. Mindestens zehn Prozent Steigerung, also 220.000 Besucher im ersten Jahr, strebt er an. „Ein Potenzial von 400.000 halte ich für realistisch“, sagt er und nennt die gute Lage mit der benachbarten Autobahn, von der aus man die hohen Fahrgeschäfte sehen kann, als Standort-Vorteil.

Bis zu 700.000 Gäste kamen mal in den besten Geiselwinder Zeiten. Bis dahin ist es ein weiter Weg, aber ein gehbarer, wenn man Matthias Mölters Visionen kennt. Natürlich hat er schon im Hinterkopf, wie man auch Übernachtungsmöglichkeiten in Park schaffen könnte – seien es nun Baumhaushotels oder Erdhügelhäuser für ein Wohnen unter der Erde, was den bekennenden Hobbit-Fans faszinieren würde. Klar ist jedenfalls: Ganz so schnell, vielleicht noch nicht mal die nächsten Jahre, wird Matthias Mölter keine komplett entspannten Tage in seinem Garten zuhause verbringen. Aber einige Zeit mehr mit der Familie – die soll nun schon drin sein, nachdem die große Reiserei beendet ist.

Mehr unter www.freizeitland-geiselwind.de







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