Home / SLIDER / „Ich liebe Schweinfurt“: Tassilo Leitherer über die Momente vor dem Abschiednehmen, über sich als Viel- und Schnellschreiber und über die 7 Stufen des Wahnsinns – Teil 3 von 3

„Ich liebe Schweinfurt“: Tassilo Leitherer über die Momente vor dem Abschiednehmen, über sich als Viel- und Schnellschreiber und über die 7 Stufen des Wahnsinns – Teil 3 von 3


LRASW Am Main daheim

SCHWEINFURT / DONNERSDORF / MÜNCHEN – In Teil 2 der Story über Tassilo Leitherer ging es um seine politischen Ambitionen und den Austritt aus der CSU. Teil 3 handelt von seinem Beruf als Kommunikationsberater, Mediator, Autor und freier Redner. Der Friedhof als Ort des Interviews ist nicht zufällig gewählt.

Der 27-Jährige will das Bewusstsein der Menschen schärfen, sich Gedanken zu machen über das Thema Tod. Deshalb arbeitet er unter anderem als Trauerredner und gestaltet Trauerfeiern sinnstiftend. „Ich habe erlebt, wie ein Pfarrer sein Programm abspult und wie nur mit Glück der biografische Teil dann zutrifft“, berichtet er von Erfahrungen. Die letzten Momente vor dem Abschiednehmen sind für ihn die wichtigsten im Bezug auf die Erinnerungen, die von einem Toten aufrecht erhalten werden.

Das fast zwei Stunden dauerende Zeremoniell beim Begräbnis des von ihm geschätzten Hansgerhard Stockinger ist so ein Beispiel dafür. Maximal 30 Minuten könne eine Trauerfeier dauern, um an die Einzigartigkeit eines geliebten Verstorbenen zu erinnern, sagt Leitherer. Derzeit hat er seinen beruflichen Schwerpunkt diesbezüglich im Münchner Raum, erzählt von einem Todesfall eines 51-Jährigen, der völlig überraschend durch den plötzlichen Herztod aus dem Leben gerissen wurde.


Kindertafel


Die Lebensgefährtin und die fünf besten Freunde weilten mit ihm beim persönlichen Trauergespräch. „Sie schilderten ihn als lebensfroh, eine traurige Feier wäre dieser Person deshalb nicht gerecht geworden.“ Tassilo Leitherer erzählt von dem Verstorbenen, einem Franken, der sich auch schon mal spontan ein Fass Bier aus der Heimat mit dem Taxi nach München liefern ließ. Am Ende der Trauerfeier wurde das Lieblingslied des Mannes gespielt: Ein Countrysong! „Beim Abschiednehmen hatten die Menschen Tränen, aber zum Teil auch ein Lachen im Gesicht. In dem Moment weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat!“





Wie wirst Du beim Bürgerentscheid abstimmen?

Unter trauerredner-leitherer.de stellt Tassilo Leitherer sein Tun vor und präsentiert auf dieser Homepage auch Links zu seinen anderen Seiten. Diese anderen Seiten hat er: Nach dem Studium für Medienmanagement in München und Mittweida arbeitete er eine kürzere Zeit für eine PR-Agentur, sammelte da Erfahrungen, erfuhr für sich aber, dass dies nicht seine Berufung sein kann. Einzelpersonen und Unternehmen berät er jetzt in Sachen Kommunikation, vermittelt Kontakte, analysiert Werbemaßnahmen.

Und er schreibt. „Reletiv schnell und viel“, lacht Tassilo Leitherer. Derzeit arbeitet er an einem Projekt mit einer Augsburger Kollegin: Ein Buch über die Trauerbewältigung soll möglichst schon 2014 erscheinen. Je zwei Romane und Gedichtbände hat der 27-Jährige aber schon veröffentlicht. „Das Besondere liegt in der Überwindung der Schwierigkeit“, schreibt Leitherer gleich anfangs seiner eigenen, persönlichen Homepage. „Die Phantasie der Wirklichkeit“ heißt sein einer Gedichtband, der im Telar-Verlag des von ihm geschätzten Bolivien-Straßenarbeiters Frank Weber erschienen ist. „Träume wie die Wirklichkeit“ heißt Gedichtband zwei.

In „Die Sehnsucht nach der richtigen Welt“ geht es um die fiktive Reise eines Mannes. Der Roman „Die 7 Stufen des Wahnsinns“ erschien vor rund zwei Jahren. Derzeit befindet er sich mit gleich drei fertigen, komplett verschiedenen Romanen in Vertragsverhandlungen mit Verlagen. Es geht um Belletristik, um Unterhaltungsliteratur mit weltanschaulichen Elementen. Der eine handelt von einem Engel auf Erden, wo die Menschen den Glauben verloren haben. Roman zwei begleitet einen Menschen, der keine Gefühle mehr hat. „Alle meine Bücher sollen nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen“, sagt Leitherer.

Werk drei spielt im fiktiven afrikanischen Schurkenstaat „Astana“, in der eine Diktatorenfamilie bis auf den jüngsten Sohn ausgelöscht wird. Ausgerechnet dieser Feingeist soll nun als Nachfolgediktator künftig Hinrichtungen vornehmen. Der Autor gibt zu, dass er damit auf die Unfähigkeit des Westens anspielt, in Krisenregionen wie Syrien oder Nordkorea für Ordnung zu sorgen. Ganz unfehlbar ist natürlich auch Leitherer nicht. „Ich habe beim Schreiben nicht gewusst, dass Astana die Hauptstadt Kasachstans ist“, lacht er und zwinkert.

Damit endet das Gespräch. Mit einem vielbeschäftigten, wuseligen und gleichermaßen ausgeglichen wirkenden Freigeist, von dem man die nächsten Jahre definitiv immer mal wieder etwas hören und vor allem auch lesen wird. Tassilo Leitherers schlimmste Vorstellung? „Dass ich in 40 Jahren jeden Tag das Gleiche mache!“

Tassilo Leitherer sagt: „Ich liebe Schweinfurt…, weil ich hier aufgewachsen bin, viele Menschen kenne und weil mein komplettes politisches und soziales Engagement hier geboren wurde“.

Ende dieser Dreierserie.
In dieser Rubrik veröffentlichten wir bereits Beiträge über den Rechtsanwalt Peter Hofmann, über die Kreishandwerkskammer-Meisterin Margit Rosentritt und über den IG Metall-Bevollmächtigten Peter Kippes.







© 2fly4 - Alle Angaben ohne Gewähr!
Endzeiten der Events sind Schätzungen!
Fotos ggf. beispielhaft!
Kommentare von Lesern stellen keinesfalls die Meinung der Redaktion dar!

#Schweinfurt #News #Nachrichten #Veranstaltungen #Events

Lesen Sie auch

Wiedereröffnung nach Brandschaden: Sparkassenfiliale Oberndorf erstrahlt in neuem Glanz

SCHWEINFURT-OBERNDORF - Filialleiter Thomas Donath und sein Team freuen sich, nach gut elf Monaten im „Sparkassen-Container“ wieder in die Sparkassenfiliale Oberndorf einzuziehen. Grund für die lange Zeit im Ausweichquartier war ein Brand, der in der Nacht vom 15. auf 16. Januar 2018 in der Sparkasse im Schweinfurter Stadtteil Oberndorf für erheblichen Schaden gesorgt hatte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.