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IHK-Sommercamp für förderwillige Achtklässler: Fit für die Lehrstelle nach drei Wochen in der Oberpfalz


Keiler

Schweinfurt – 20.000 Euro lässt sich die Stadt Schweinfurt, immerhin 10.000 Euro der Landkreis Schweinfurt die Unterstützung eines bislang einmaligen Projektes in der Region Mainfranken kosten. Die IHK Würzburg-Schweinfurt hat ein Sommercamp initiiert, bei dem vom 11. August bis 2. September drei Wochen lang Achtklässler der Mittelschulen (frühere Hauptschulen) aus Stadt und Landkreis fit gemacht werden für ihren Quali und die danach folgende Berufsausbildung. Das Angebot richtet sich gezielt an Jugendliche mit individuell gelagerten Defiziten. 45 Schülerinnnen und Schüler, bei deren Auswahl auch die Jugendhilfe mit einbezogen wird, können die drei Wochen bewusst abseits von Zuhause im Tagungshaus Stützelvilla in Windischeschenbach (Oberpfalz) verbringen.

Rund 200.000 Euro kostet das gesamte Projekt inclusive der Nachbetreuung in der Heimatregion. Damit keine Familie irgendwelche Kosten zu tragen hat, fördert die Bundesagentur für Arbeit das IHK-Sommercamp mit fast 100.000 Euro. Das restliche Geld tragen die IHK Mainfranken und Unternehmen zusammen. „Es ist auch unsere Intention, Jugendarbeitslosigkeit zu vermeiden und im System keine Jugendlichen zu verlieren“, bestätigt mit Thomas Stelzer der Leiter der Agentur für Arbeit Schwienfurt sein Interesse. „Mit einer erhöhten Berufswahlkompetenz können wir spätere, kosteintensivere Reparaturmaßnahmen vermeiden“, hofft Stelzer. Dass Pädagogen und Lerntherapeuten der Leuphana Universität Lüneburg bei dieser Sommerakademie mit dem Motto „Fit für die Lehrstelle“ die Schwächen der Jugendlichen in schulischen Fächern aufpolieren, vor allem in Mathematik und Deutsch, Bewerbeungsgespräche mit ihnen trainieren, ist nur die eine Seite des Camps. Das Projektbüro Leuphana Sommerakademie, das seit 2007 bereits 16 solcher Camps bundesweit mit mehr als 600 Jugendlichen realisierte, sorgt in Windischeschenbach auch für sportliche Aktivitäten, für Musik, Tanz und Schauspiel. „Es sollen auch die Talente der Jugendlichen ausgereizt, nicht nur ihre Lernschwäche gefördert werden“, erklärt Schweinfurts Landrat Harald Leitherer.



„Bildung ist im Prinzip Sache des Staates, nicht der Kommunen“, weiß Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé. Deshalb will das Pilotprojekt auch nicht in einen Wettbewerb mit den Schulen treten. „Das ist ein Angebot, das wir nicht leisten können“, zeigt sich Veronika Klose vom Schulamt Schweinfurt angetan von der Initiative. Die Ferne zur Heimat sei dabei wichtig. Gerade bei Kindern aus Familien, die in schwierigen Verhältnissen leben, hätten die sechs Wochen Sommerferien oft keinen geregelten Tagesablauf.


In Windischeschenbach erwartet die Schüler trotz Ferien drei Wochen lang täglich von 9 bis 21 Uhr Programm. „Das ist kein Zuckerschlecken“, sagt Prof. Dr. Kurt Czerwenka von der Leuphana Universität Lüneburg, der sich das Camp ausgedacht hat. „Was kannst Du? Was brauchst Du?“, lauten die Fragen vorab, wonach sich sein Team individuell um dieTeilnehmer kümmert. Das Festigen des Grundlagenwissens in den Bereichen Mathematik und Deutsch sowie Kenntnisse in PC-Techniken stehen im Vordergrund. Aber auch ein gemeinsames Theaterspiel. „Wir nehmen jeden, egal ob groß oder klein, egal ob er gut riecht oder nicht“, sagt Prof. Dr. Czerwenka. „Ich bürge dafür, dass wir höchste Qualität liefern.“

Ein erfolgreicher Schulabschluss und die Integration in den Arbeitsmarkt sind die Hauptziele des Sommerakademie-Projektes. Aus München meldet Leuphana vom Jahrgang 2010/2011 große Erfolge: 42 der 43 Jugendlichen schafften ihren Hauptschulabschluss, 34 von ihnen und damit 80 Prozent den „Quali“. 22 der Jugendlichen gingen direkt in die Berufsausbildung über, 15 besuchen nun die zehnte Klasse, um ihren Realschulabschluss zu absolvieren.

Dieter Pfister, Präsident der IHK-Mainfranken, weiß um die Notwendigkeit de Unterstützuing seitens der Industrie- und Handwerkskammer. 15 Prozent der Abgänger in Haupt- und Mittelschulen in Bayern gehen ohne Abschluss. Auch den regionalen Firmen fehlen kurz- bis mittelfristig die jungen Fachkräfte. Das Sommercamp sei kein Versuchsballon, sondern „ein Projekt, das allen hilft: Der Gesellschaft und den Unternehmen.“ Daher wolle man Gutes tun, so Pfister, den Jugendlichen die Hilfe leisten, damit sie ihre teilweise einfach nicht vorhandene Ausbildungsreife erlangen können. In der Vollversammlung gaben die IHK-Unternehmen einstimmig ihr Okay für die finanzielle Unterstützung. Auch in anderen Kommunen könne das Pilotprojekt über 2012 hinaus durchaus fortgesetzt werden.

Pfister, der in seinem Unternehmen Maincor selbst 60 Auzubildende beschäftigt und der um die manchmal fehlende Unterstützung aus dem Elternhaus weiß, hatte neulich ein seltsames Erlebnis, als in Würzburg eine Firma fünf Fensterputzer suchte und dabei die Hilfe eines teuren Headhunters in Anspruch nehmen musste. Mit dem Sommercamp könne man einen kleinen Beitrag dazu leisten, junge Arbeitskräfte gestärkt an das Berufsleben heranzuführen. „Wer Fortbildungen macht, hat bei seinem Auto später vielleicht mal 30 Prozent mehr“, lautet Pfisters Motivation für die Mitarbeiter im eigenen Unternehmen. Dass nicht jeder Heranwachsende aus Eigeninitiative vorankommen kann, ist dem IHK-Präsidenten bewusst. Ein „schockierender Spruch“ ist für ihn der gehörte Dialog: „Was machst Du nach der Schule?“ „Ich gehe hartzen. Ich bin der einzige Zuhause, der früh aufstehen muss!“ Dieter Pfister weiß: „Da ist die berufliche ´Karriere´ doch schon vorgezeichnet!“ Und genau da setzt das IHK-Sommercamp 2012 an.

Auf dem Bild bei der Vertragsunterzeichnung – hinten von links: Professor Dr. Kurt Czerwenka (Leuphana Universität Lüneburg), Harald Leitherer (Landrat Landkreis Schweinfurt), Maren Voßhage-Zehnder (Projektbüro Leuphana Sommerakademie), Sebastian Remelé (Oberbürgermeister der Stadt Schweinfurt), Jürgen Bode (IHK Würzburg-Schweinfurt); vorne: Thomas Stelzer (Agentur für Arbeit Schweinfurt) und Dieter Pfister (IHK Würzburg-Schweinfurt).

Beerbungsunterlagen gibt´s genauso wie mehr Informationen im Internet unter www.leuphana.de/sommerakademie. Bewerbungsschluss ist am 30. Juni. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass sich interessierte Jugendliche aus Eigenmotivation selbst bewerben. Nachdem die Projektleiterin Maren Vohage-Zehnder bereits im Februar in den Klassen aller Schulen in Stadt und Landkreis das IHK-Sommercamp vorstellte, liegen für die Hälfte der Plätze bereits Bewerbungen vor.


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