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Initiative gegen das Vergessen fordert vom Stadtrat eine klare Abgrenzung zum überzeugten Nazi Willy Sachs


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SCHWEINFURT – Weil für Willy Sachs die Zuordnung „überzeugter Nazi“ nachgewiesenermaßen zutreffe, müsse der Stadtrat den Namen aus der städtischen Ehrenbürgerliste streichen und das nach ihm benannte Stadion umbenennen. Die Initiative gegen das Vergessen unterstützt mit dieser in der Vergangenheit selbst schon gestellten Forderung den gleichlautenden Antrag von CSU, SPD, Grünen, Linken, Freien Wählern, prosw, FDP und Initiative Zukunft/ÖDP, über den der Stadtrat in seiner Sitzung am 23. März entscheidet.

Für die Initiative erinnern in einer Pressemitteilung Norbert Lenhard und Werner Enke daran, dass sich auch der FC 05 Schweinfurt als Nutzer des Stadions und 125 Persönlichkeiten in einer aus Spenden finanzierten Anzeige hinter den Antrag gestellt haben. Erfüllt werden müsse zudem die Antragsforderung, die Öffentlichkeit mit einer am Stadionvorplatz aufgestellten Tafel über das Wirken der Familie Sachs, das Unternehmen und die Leistung der Mitarbeiter aufzuklären zu informieren.





Das es seit Bekanntgabe des Antrags auch zahlreiche Pro-Sachs-Stimmen gab, sei zu erwarten gewesen. Auffällig sei allerdings, dass in den meisten dieser Meinungsäußerungen wie auch in Schreiben an den OB und Stadträte gar nicht auf die klare Faktenlage und den Antragsinhalt eingegangen wurde, sondern sich die Autoren eher um verharmlosende Aspekte bemühten. Dabei ist vielfach belegt, dass Willy Sachs sich schon an die Seite der Nationalsozialisten stellte, als sich die neuen Machthaber selbst noch nicht sicher wähnten. Als 1933 in Schweinfurt Demokraten verhaftet wurden, verkündete Willy Sachs, aus dem „roten“ Betrieb einen „braunen“ machen zu wollen.


Sachs verherrlichte Kriegsmaschinerie und Nazis mit Propagandareden sogar im Werk. Von diesem frühen Zeitpunkt bis Kriegsende waren das zwölf Jahre Anbiederung an die nationalsozialistische Führungselite, zwölf Jahre Erfüllung ihres Willens, zwölf Jahre Blindheit für einen Unrechtsstaat. All das sind Bausteine, die das Unrechtssystem salonfähig gemacht und verharmlost, ja, die dieses verbrecherische System erst ermöglicht haben.

Sachs trat auch schon frühzeitig verschiedenen NS Organisationen (SA, SS, NSDAP, Freundeskreis Himmler…) bei und unterhielt persönliche Freundschaften mit hochrangigen Funktionären. Es ist deshalb denkbar, dass die Menschen in Schweinfurt dachten: Wenn der Willy Sachs, gar noch als Ehrenbürger der Stadt, so gut mit Göring, Himmler & Co. kann, dann wird das System wohl nicht so schlimm sein.

Nach den mittlerweile umfassend ausgewerteten Quellen setzte Willy Sachs seine Begeisterung für die Naziideologie nach der Befreiung nicht fort. Im Gegenteil erkannte er seine Chancen zum Wiederaufstieg, jetzt halt ohne die Nazis. Aber: Willy Sachs fand 1948 nach der Rückkehr aus der Internierung ein funktionsfähiges Unternehmen vor, das mit der harten D-Mark nach der Währungsreform durchstartete.

Erinnert werden muss an die über 12000 Zwangsarbeiter in Schweinfurt, viele auch bei Sachs, etliche ließen ihr Leben, genauso wie zahlreiche Schweinfurter, die sich dem Nazi-Regime entgegenstellten. Sie litten in Konzentrationslagern wie der Sozialdemokrat Fritz Soldmann, ihre Familien wurden schikaniert. Die Mitverantwortung von Willy Sachs zu relativieren oder gar zu leugnen ist schon alleine aus Respekt gegenüber allen diesen Opfern nicht hinnehmbar.

76 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur in Deutschland muss deshalb das Wirken von Willy Sachs endlich angemessen politisch eingeordnet werden. Eine Rolle sollte dabei auch das nach den Recherchen der Historiker Rott und Dornheim keinesfalls ehrenwerte Verhalten als Privatmann spielen, das in der bisherigen Diskussion ausgespart blieb. Sachs` übergriffiges Verhalten Frauen gegenüber ist jedenfalls ein offenes Geheimnis. Willy Sachs ist als Ehrenbürger ungeeignet, er taugt nicht als Vorbild. Dem von acht Fraktionen im Stadtrat eingereichten Antrag muss deshalb stattgegeben werden.

Für die Initiative gegen das Vergessen
Werner Enke und Norbert Lenhard
zwangsarbeit@web.de
www.initiative-gegen-das-vergessen.de

Die Pressemitteilung basiert auf einem zehn Punkte umfassenden Papier mit den wichtigsten Fakten und Argumenten, das zum Jahresende 2020 dem OB, Stadträten und Stadtarchivar Uwe Müller zugegangen ist. Es ist hier zu sehen:

Brief Schlussfassung OB

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