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Foto: Pascal Rohé

„Innen vor außen“: Für einen lebendigen Ortskern im Landkreis Schweinfurt nach dem Motto „Flächenverbrauch ist Zukunftsverbrauch“


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LANDKREIS SCHWEINFURT – „Flächenverbrauch ist Zukunftsverbrauch“- So lässt sich das Ziel der Bundesregierung zusammenfassen, den Flächenverbrauch in Deutschland bis 2030 auf unter 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Der Freistaat Bayern bekennt sich zu dieser Zielsetzung und legt für sich als Richtgröße einen Flächenverbrauch von 5 Hektar pro Tag zu Grunde.

Die Realität sieht aktuell noch anders aus: So lag der tägliche Verbrauch für Wohnungsbau und Verkehrsflächen in Bayern 2020 bei 11,6 Hektar, was der Größe von rund 16 Fußballfeldern entspricht. 2019 waren es noch 10,8 Hektar am Tag. Unterfrankenweit betrug der tägliche Flächenverbrauch 2020 0,8 Hektar, was der Größe von mehr als einem Fußballfeld gleichkommt. Diese und weitere Angaben zum Flächenverbrauch in Bayern finden Bürgerinnen und Bürger über das Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.


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Anfang Oktober fanden zu diesem Thema unter der Moderation des Büros KlimaKom drei Workshop-Veranstaltungen im Landkreis Schweinfurt statt. Das Büro KlimaKom ist eine Genossenschaft, die Kommunen unter anderem bei Fragen zum Klimaschutz, zur demographischen Entwicklung oder zur Energiewende berät. Eingeladen waren Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Mitglieder der Gemeinderäte und die sogenannten Innenentwicklungslotsinnen und –lotsen. In der Regel sind das Mitarbeitende aus den Bauämtern der Kommunen. Im gemeinsamen Austausch wurden Probleme im Umgang mit den Themen Innenentwicklung und Flächensparen zusammengefasst und diskutiert.


Das Büro KlimaKom verwies im Laufe der Veranstaltung auf weitere Ideen und Möglichkeiten für die Zukunft, bei denen vor allem der stete Ausbau der Netzwerke im Fokus steht. In einem Punkt waren sich die Teilnehmenden einig: Das Thema Flächensparen ist ein äußerst komplizierter und sensibler Bereich, der insbesondere unter dem Gesichtspunkt des anhaltend starken Siedlungsdrucks kontinuierlich weiterentwickelt werden muss. Aufgrund der demographischen Lage ist jedoch zu erwarten, dass sich dieser Trend in Zukunft umkehren wird.

Verlässliches und zielorientiertes Vorgehen beim Thema „Innenentwicklung“

Der Landkreis Schweinfurt steht seit mehr als zehn Jahren für eine verlässliche, zielorientierte und kontinuierliche Arbeit in der Innenentwicklung. Ziel ist es dabei, die Ortskerne der Kommunen attraktiv für (Um-) Bauwillige zu gestalten und somit Neuausweisungen von Bauvorhaben am Ortsrand möglichst gering zu halten. Diese Vorgehensweise lässt sich auf den Grundsatz „Innen vor Außen“ herunterbrechen. Bildlich gesprochen verfolgt man hierbei die Absicht, sogenannte „Donut-Dörfer“ zu verhindern. Damit sind Orte gemeint, die im Außenbereich von austauschbaren Neubausiedlungen geprägt sind, während die historischen Innenbereiche veröden und durch Leerstand geprägt sind – so wie ein Donut ein Loch in der Mitte aufweist. Stattdessen setzt man durch geeignete Maßnahmen auf die Entwicklung hin zu „Krapfen-Dörfern“ – Ortschaften mit einer individuellen und attraktiven „Füllung“ im Zentrum.

Enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden

Der Landkreis Schweinfurt geht und denkt seit Jahren gemeinsam mit seinen Gemeinden neue Wege in der Innenentwicklung. Das 2017 durch den Kreisausschuss gemeinsam verabschiedete Innenentwicklungskonzept wird kontinuierlich fortentwickelt und um neue Akzente hin zu einer nachhaltigen Flächensparpolitik ergänzt.

Das Innenentwicklungskonzept des Landkreises Schweinfurt

Das Konzept basiert im Wesentlichen auf vier Bausteinen, die durch das Regionalmanagement am Landratsamt bespielt werden und dabei immer auch die Gemeinden und Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis einbindet.
Baustein 1 umfasst den Bereich „Information und Sensibilisierung“, in dem nicht nur Workshop- und Austauschangebote wie die genannten Treffen beinhaltet sind, sondern auch vielfältige Flyer und Broschüren zur Innenentwicklung gestaltet werden. Exemplarisch ist das mit zahlreichen guten Beispielen zur Innenentwicklung bebilderte „Baukulturhandbuch“ zu nennen, das jederzeit kostenfrei beim Regionalmanagement bestellt werden kann.

Die drei weiteren Bausteine im Innenentwicklungskonzept umfassen mit den Themen „Anerkennung“, „Bauberatung“ und „Bauabfall“ ein (finanzielles) Anreizsystem, das die (Um-) Bauwilligen direkt adressiert. Mit der „Erstbauberatung“ sowie der „Abriss- und Entsorgungsförderung“ existieren zwei finanzielle Unterstützungsangebote für Bauvorhaben in den alten Ortskernen. Der Baustein „Anerkennung“ wird durch die Auslobung des Gestaltungspreises „punctum“ umgesetzt. Der mit bis zu 1.000 Euro prämierte Preis zeichnet besonders gelungene Sanierungs-, Um- und Neubaubeispiele in den Altorten bzw. Maßnahmen an historischer Bausubstanz aus.

Der nächste Wettbewerb findet 2022 statt und wird im Frühjahr ausgeschrieben.

Das Regionalmanagement des Landkreises Schweinfurt steht als Ansprechpartner zum Thema Innenentwicklung für alle Akteure – von den Gemeinden und ihren Verwaltungen bis hin zu den Bürgerinnen und Bürgern – zur Verfügung und stellt die aktuellen und zurückliegenden Projekte auf der Landkreis-Homepage unter www.landkreis-schweinfurt.de/innenentwicklung bereit.

Neue Projekte, die im Jahr 2022 starten werden, befinden sich derzeit in Vorbereitung. Ein Schwerpunkt wird dabei auch auf dem Angebot von weiteren Veranstaltungen liegen.

Im Bild: Ein gelungenes Beispiel zum Thema „Innenentwicklung“: Das Pfarrhaus in Zell, 2018.
Foto: Pascal Rohé

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