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Keine Aufhebung des Reaktivierungs-Beschlusses: Die Diskussion über die Steigerwaldbahn ist neu entfacht


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SCHWEINFURT – Wie sehr Sebastian Remelé gegen eine Reaktivierung der Steigerwaldbahn ist, zeigte sich spätestens dann, als er am Dienstag die aus München angereisten Vertreter der Bayerischen Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) verabschiedete. „Wir laden sie wieder ein, wenn der erste Wasserstoff-Bus die Strecke entlang fährt“, deutete Schweinfurts Oberbürgermeister an, dass für ihn die Gleisen zwischen seiner Stadt und Kitzingen bald der Vergangenheit angehören werden.

Obwohl der Schweinfurter Stadtrat fast ein bisschen überraschend seinen Reaktivierungsbeschluss vom April 2020 am Dienstag nun doch nicht aufhob, sondern einfach nur den Vortrag von Andreas Kovac (Verkehrsforschung) und Florian Liese (Planungsabteilung) von der BEG anhörte. Um danach nun zu warten, wie sich künftig alles entwickelt. Denn ein Zug durch Gerolzhofen – das kann nach wie vor Realität werden.


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Die Gäste aus München erklärten ihre Potenzialanalyse und wie es dazu kam, weniger als die 1000 Fahrgäste pro Tag zu prognostizieren. Doch die neue bundesdeutsche Staatsregierung hat im Koalitionsvertrag veränderte Richtlinien angedeutet für die Reaktivierung von stillgelegten Bahnlinien. Und deshalb will die Stadt Schweinfurt wie vorher schon der Landkreis Kitzingen erst einmal abwarten, wohingegen der Landkreis Schweinfurt sich schon von den Plänen verabschiedet hat, in Gochsheim oder Gerolzhofen bald wieder einen Zug halten zu lassen.


Mutmaßlich hat den Stadtrat weniger die Demonstration vor Beginn am Eingang beeindruckt als viel mehr das generelle Umdenken in großen Teilen der Bevölkerung. Stellvertretend betonte Dr. Ulrike Schneider (ödp, Zukunft.) die Mobilitätswende, höhere Benzinpreise, weniger Parkplätze oder die Pläne eines 365 Euro-Tickets. Mit Prognosen hat sich die BEG in der Tat nicht beschäftigt, die Potenzialanalyse basiert noch nicht mal auf dem Ist-Zustand, sondern aus den Zeiten vor Corona. Freilich sei aber auch zu berücksichtigen, dass durch verstärkt Homeoffice oder Videokonferenzen auch der Berufsverkahr künftig abnehmen dürfte.

Realisierungperspektiven könnten sich künftig aaber such bei unter 1000 Personen ergeben. Die Thüringer Eisenbahn will zudem die Ablehnung anfechten, bei der ihr die Betriebsgenehmigung für touristischen Verkehr und Güterverkehr zunächst verboten wurde. Güterverkehr war übrigens ohnehin nicht Bestandteil der Untersuchungen der BEG, deren Vertreter eineinhalb Stunden informierten und Fragen beantworteten. Und dabei keineswegs den Eindruck erweckten, als wären sie gegen eine Reaktivierung.

„Es gibt unterschiedliche Vermutungen, was in der Zukunft passieren wird. Wir sollten die Entwicklung abwarten“, so der Grüne Dr. Reginhard von Hirschhausen. Oliver Schulte (CSU) betonte natürlich völlig zurecht die „nicht vorhandenen Enden in den Städten“ als Problem. Vor Kitzingen käme der Zug über Großlangheim nicht hinaus, weil das Schlussstück und der Anschluss an den Bahnhof auf der anderen Seite auch mangels Brücke fehlt. Und in Schweinfurt ist am Hauptbahnhof Schluss, müssten Fahrgäste umsteigen, um in die Stadtmitte zu kommen – es sei denn, sie steigen am Bahnhof in Sennfeld (der sich an der Ludwigsbrücke bei Schweinfurt befindet) aus und laufen die rund 500 Meter.

So oder so: Sie ist wieder zurück, die Diskussion über eine mögliche Reaktivierung der Steigerwaldbahn. Sehr zum Ärger freilich vor allem der Schweinfurter CSU-Fraktion. Was am Dienstag am Ende des Tagesordnungspunktes 2 im Stadtrat überaus deutlich wurde…

Nach den Bildern geht´s weiter…

Dazu passt die Pressemitteilung des VCD Bayern e.V.:

Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken in Bayern werden einfacher
 
Weihnachtsgeschenk aus München – VCD Bayern höchst erfreut über neue Fördermittel und Neugestaltung sog. „1000-er-Kriteriums“ für Bahnreaktvierungen

„Die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer hat mit ihrem sogenannten „Arbeitspapier“ für Bahnreaktivierungen vielen Initiativen ein willkommenes Weihnachtsgeschenk bereitet“, freut sich der Landesvorsitzende des ökologischen Verkehrsclubs VCD, Dr. Christian Loos, über die Nachrichten aus München. Dieses hat der mobilitätspolitische Sprecher der bayerischen Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen, Dr. Markus Büchler, am 17.12.2021 auf seiner Internetseite veröffentlicht. Das beste Papier würde aber nichts nutzen, wenn damit keine finanziellen Mittel verbunden wären. Mit Blick auf den Landeshaushalt stellt Dr. Loos fest, dass für nicht bundeseigene Bahnen und Bahnreaktivierungen für den Haushalt 2022 35 Mio. € eingeplant sind. „Dies ist eine wichtige finanzielle Grundlage, um im nächsten Jahr endlich die Bahnreaktivierungen voran zu bringen“, so Dr. Loos weiter.

Gerd Weibelzahl, Bahnexperte im VCD-Landesvorstand, hat sich das sogenannte „Arbeitspapier“ genauer angeschaut. Weibelzahl im Detail: „Faktisch hat das Land einen Vorschlag des VCD übernommen, welchem wir bei der ersten VCD-Bahnreaktivierungstagung im Jahr 2014 unterbreitet haben. Erreicht eine Bahnlinie die vorgegebene Grenze von 1000 Reisenden am Tag je Kilometer Strecke nicht, so kann die Bahnlinie unter Einsatz von Mitteln der örtlichen Landkreise dennoch reaktiviert werden. Der kommunale Eigenanteil ist umso höher, je größer die Differenz zur „1000-er-Vorgabe“ ausfällt. Wird die Grenze innerhalb einer gewissen Zeitspanne überschritten, so erstattet der Freistaat die gezahlten Mittel an die örtlichen Landkreise. Dies ist ein großer Anreiz für die Landkreise, gute Verkehrskonzepte vor Ort zu erarbeiten, um möglichst viele Fahrgäste für das Gesamtsystem ÖPNV aus Bahnen und Bussen zu gewinnen.“

Mit der Bahnreaktivierung zwischen Viechtach und Gotteszell gibt es bereits ein Beispiel für das neue Konzept. Dort hat der Landkreis Regen Teile der Kosten für die Bahnreaktivierung übernommen. Dieses Beispiel hat aber auch gezeigt, dass die Kostenübernahme seitens der Landkreise auch Risiken in sich birgt. So hat es einen Bürgerentscheid gebraucht, um die Verantwortlichen beim Landkreis von der Sinnhaftigkeit kommunaler Mittel für den Bahnverkehr zu überzeugen. Weibelzahl abschließend: „Für die Mobilitätswende brauchen wir mutige Kommunalpolitiker und keine Bedenkenträger. Diese sollten nicht kurzfristig auf die Bestellkosten für den Bahnverkehr schauen, sondern stattdessen die ausgestreckte Hand des Freistaates ergreifen und mit diesem zusammen gute ÖPNV-Konzepte entwickeln. Dabei sollten die Politiker vor Ort berücksichtigen, dass sie ohne Bahnreaktivierung die gesamten Kosten für den Busverkehr finanzieren müssen, welcher statt des Bahnverkehrs auch z.B. an allen Tagen von morgens bis abends vorzuhalten ist. Ein Vergleich eines hochwertigen Bahnverkehrs mit einem mehr oder weniger auf den Schülerverkehr ausgerichteten Busverkehr ist nicht vertretbar.“


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