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Kernkraftwerk-Ende: Das Holzofen-Feuer geht am 27. Juni aus: Doch erst bis 2031 steht an der Stelle des Produktions-Weltmeisters in Grafenrheinfeld wieder eine Grüne Wiese


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GRAFENRHEINFELD – Reinhold Scheuring schüttelt immer mal wieder den Kopf. Nein, aus technischer Sicht sei es für ihn schon unverständlich, dass das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld nun endgültig am Samstag, den 27. Juni, in der Nacht auf den darauf folgenden Sonntag abgeschaltet wird. Seit 18 Jahren schon leitet er das KKG. Nun gab´s die wohl letzte Pressekonferenz während eines Betriebes. Im Informationszentrum, das seit einigen Jahren schon geschlossen hat.

500.000 Besucher seien dahin gekommen in all den Jahren, berichtete Dr. Erwin Fischer ein bisschen stolz dem großen Medienaufgebot aus wohl ganz Franken. Der Technische Geschäftsführer der E.ON Kernkraft GmbH packte diese Information mit ein in eine rund halbstündige Rückschau zur Geschichte des Kernkraftwerks. Hätte es nicht mal in Tschernobyl oder in Fukoshima so furchtbare Unfälle gegeben, man hätte nach dem Vortrag am liebsten applaudiert und gefragt: „Wo kann ich unterschreiben, damit die Laufzeit verlängert wird?“


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33 Jahre sind´s. „Sicherer, zuverlässiger und wirtschaftlicher Betrieb“, sagt Dr. Fischer. Bei 236 meldepflichtigen Ereignissen („wer viel untersucht, der findet auch etwas!“) sei kein einziger Störfall dabei gewesen. Nur mal ein Fall mit „leichter sicherheitstechnischer Bedeutung“. Andere Zahlen klangen natürlich richtig gut. 333 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugte das KKG in den 33 Jahren. Man könnte damit ganz Bayern vier Jahre lang versorgen. Mit den erzeugten zehn Milliarden schon im ersten Betriebsjahr war man „Produktions-Weltmeister“, steigerte das auf 10,5 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr 1984, deckte 2014 noch 11,5 Prozent des Strombedarfs in Bayern ab.


Innovativ sei man in Grafenrheinfeld, solide, konnte immer Strom garantieren, brachte die moderne Anlage stets auf den neuesten Stand. Um die 600 Millionen Euro gab E.ON als Nachfolger des Bayernwerks, das den Meiler baute, insgesamt aus für Optimierungen. 72 Millionen alleine in den letzten dreieinhalb Jahren. Um die 400 Millionen Euro flossen in die Region. „Auch wenn wir die politische Entscheidung akzeptieren, so ist es nicht gerechtfertigt, das Kernkraftwerk außer Betrieb zu nehmen“, sagt Dr. Fischer nochmals. Und er vermutet, dass die Gegend ein Braunkohlekraftwerk bekommen hätte ohne die damalige Entscheidung für das KKG. 350 Millionen Tonnen CO2 hätte man damit in all den Jahren ausgestoßen, errechnete der Technische Geschäftsführer und rätselt, wie man denn die weltweiten Klimaziele erreichen wolle ohne Kernenergie.

Lob für alle Mitarbeiter gab´s, und auch für die künftigen, die sich ab sofort – oder eben ab Samstag nächster Woche – mit der Zeit nach der Stromerzeugung befassen. „Wir können das“, versichert Dr. Erwin Fischer und meint damit den anstehenden Rückbau, den die E.ON Kernkraft GmbH schon mal üben konnte beim Siedewasserreaktor Würgassen. 1,2 Milliarden Euro hat der Konzern zurückgelegt, damit aus dem bisherigen Kernkraftwerk-Areal wieder eine Grüne Wiese wird. Allerdings dürften bis dahin weitere mindestens 15 Jahre vergehen.

Erst Ende 2017 dürfte überhaupt mal die Genehmigung für den Rückbau eintreffen. Vor 2027 wird auch gar nicht nuklear abgebaut werden können. 500.000 Tonne werden dann bewegt. Zu 94 Prozent konventioneller Abfall, viel Beton halt. Radioaktiv sei nur ein Prozent, das Volumen eines Drei Familien-Hauses. Bis 2020 wird man das Thema Brennelemente in Grafenrheinfeld nicht los. Im Zwischenlager, wo jetzt schon 21 Castor-Behälter lagern, dürften es irgendwann mal 55 Stück sein. Dieses Zwischenlager könnte bald – der Antrag läuft – aus sicherheitstechnischen Gründen von zehn Meter hohen Mauern umgeben sein. Und ob dann Atommüll anderer Kernkraftwerke darin aufgenommen werden muss, konnte E.ON nicht dementieren. Genauso wenig wie die Möglichkeit, eine weitere Bereitstellungshalle errichten zu müssen für Rückbau-Reststoffe.

Doch abgeschaltet wird nun endgültig am 27. Juni. „Das ist wie beim Holzofen zuhause. Das Feuer geht irgendwann aus“, sagt Reinhold Scheuring. Genauso wie bei der jährlichen Revision wird der Reaktor von Hand heruntergeregelt. Diesmal für immer. Aus den aktuell noch 270 reinen E.ON-Mitarbeitern (um die 150 externe Fachkräfte kommen hinzu) werden bis 2021 um die 180. Neue Stellen freilich für Strahlenschutz oder dann den Rückbau sind schon geschaffen. Auch nach Ende Juni also und dem Aus für die Stromerzeugung bleibt das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld ein markantes und lebendiges Objekt.

 


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