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Ressourcen bei der stillen Reserve: Das Netzwerk Wiedereinstieg Main-Rhön will Frauen in den Arbeitsmarkt zurückholen


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SCHWEINFURT / MAIN-RHÖN – „Dramatische Zahlen“ sind es für Thomas Bold. Das Potenzial an Arbeitskräften im Main-Rhön-Bereich wird die nächsten Jahren drastisch sinken. Und deshalb gehörte Bad Kissingens Landrat zu den vielen Vertretern, die in den Räumen der Agentur für Arbeit in Schweinfurt das „Netzwerk Wiedereinstieg“ gründeten. Es geht um Frauen, die nach der Familienphase erneut als Arbeitskräfte gewonnen werden sollen.

Ein paar dieser Zahlen zunächst, von denen Bold sprach: Laut Prognose verliert Deutschland bis 2015 6,5 Millionen Erwerbspersonen. Aus dann noch verbleibenden 38,1 Millionen könnten bis 2050 nur noch 27 Millionen werden. Bis 2030 sollen womöglich 5,2 Millionen Fachkräfte fehlen. Oder auf das Beispiel Bad Kissingen heruntergebrochen: Dem Landkreis dürften bis 2018 über 14.000 Erwerbspersonen fehlen. Parallel aber arbeiten nur 55 Prozent der Frauen in Deutschland im Vollzeit, gar nur 45 Prozent sind in in der Region Main-Rhön. Der Grund hierzulande: Kinderbetreuung oder Pflege Angehöriger lassen nicht mehr zu. Oder doch? „Da sind Ressourcen vorhanden“, denkt mit Thomas Stelzer der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur. Zumal mit 18,5 Stunden Wochenarbeitszeit die Frauen Deutschlands auch noch am wenigsten in Teilzeit beschäftigt sind. Im europäischen Vergleich, wo Schweden mit 25 Stunden vorne liegt. In Griechenland übrigens arbeiten mit 90 Prozent die meisten Frauen in Vollzeit. „Ich weiß aber nicht, ob das momentan unser Vorzeigeland sein soll….“, sagt Agenturleiter Stelzer.





Jedenfalls sitzen die Stadt Schweinfurt und die vier Landkreis der Region, jeweils mit ihrer Gleichstellungsbeauftragten, nun mit der Agentur für Arbeit in einem Boot. Dazu kommen die Vertreter der Mehrgenerationenhäuser aus Bad Kissingen, Bad Königshofen und Haßfurt, um den Horizont dieses Netzwerkes zu erweitern. Die Beratungsstelle Frau und Beruf des Rhön-Saale Gründer- und Innovationszentrums Bad Kissingen und der Zonta-Club Bad Kissingen-Schweinfurt, ein Zusammenschluss rund 30 berufstätiger oder ehemals berufstätiger Frauen komplettieren den Zusammenschluss. Zonta-Mitglied Doris Engelhardt ist zugleich Abteilungsleiterin Ausbildung der Handwerkskammer für Unterfranken und weiß: „Es geht zunächst mal um das Mobilisieren!“


Durch Infotage, Internetplattformen, Marketing, Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Beratung, Vernetzung oder zunächst mal einem Ermutigungstraining für länger aus dem Berufsleben ausgeschiedene Frauen soll eine „stille Reserve“ zu einem Wiedereinstieg ermutigt und dann auch begleitet werden. Doris Küfner-Schönfelder, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur, spricht von ungewöhnlichen Maßnahmen. Komplett umstylen würde man Frauen können, mit Make-Up oder neuer Frisur von Kopf bis Fuß auf eine Rückkehr von heimischen Herd in den Arbeitsmarkt vorbereiten. Die Einstiegsberatung geht dem vor, danach folgt eine gezielte Schulung durch einen Coach und nach einer Arbeitsaufnahme eine weitere Begleitung durch einen Trainer eines Bildungsträgers. Die Landkreise und ab 2014 die Stadt Schweinfurt kofinanzieren die Maßnahme, die „ein überschaubares Volumen“ ansprechen dürfte, glaubt Thomas Stelzer. „Tausende Frauen werden es nicht, hunderte wohl auch nicht. Aber das Problem dieser ´stillen Reserve´ ist halt nunmal, dass sie wirklich still ist. Es geht um Frauen, die wir brauchen, die sich bisher aber nicht trauen.“

Soll heißen: Es müssen erst einmal Frauen gefunden werden, die nicht arbeitslos gemeldet sind und die für einen Wiedereinstieg sensiblisiert werden können, die Beruf und Familie miteinander verbinden wollen. Kick-off war mit der Gründungsveranstalung und der Vertragsunterunterzeichnung am Mittwochmorgen. Erste Arbeitskreise bildete sich schon gleich danach. Bis Ende 2014 dürfte die empirische Erhebung Zeit in Anspruch nehmen, um potenzielle Kandidatinnen zu finden. Dann folgen die angedachten Maßnahmen. „Das muss ein langfristiger Prozess sein. Es kann zehn bis 20 Jahre dauern“, glaubt Bad Kissingens Landrat Thomas Bold, „aber wir müssen zunächst die Ansprüche und das Bewusstsein der Frauen ändern.“ Abschließend Thomas Stelzer: „Frauen mit glücklichen Familien sind zufriedenere Mitarbeiterinnen und können hervorragend auch Chefin sein.“

Die Personen auf dem Gruppenbild, das auf dem Dach der Agentur entstand, sind von links nach rechts: Thomas Habermann (Landrat Rhön-Grabfeld), Sonja Schmitt (Beratungsstelle Frau und Beruf Bad Kissingen), Bernhard Russ (stellvertretender Landrat Haßberge), Thomas Bold (Landrat Bad Kissingen), Iris Hönig, (Mehrgenerationenhaus Bad Kissingen), Doris Engelhardt (ZONTA Gruppe Schweinfurt-Bad Kissingen), Gudrun Greger (Mehrgenerationenhaus Haßfurt), Anne Hüttner (Mehrgenerationenhaus Bad Königshofen), Thomas Stelzer (Leiter der Agentur für Arbeit), Klaus Rehberger (Schweinfurter Bürgermeister) und Florian Töpper (Schweinfurter Landrat).


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