Home / Lokales / Schweinfurter Bestatter wird nach einer erwirkten einstweiligen Verfügung und einem Angriff auf die Pressefreiheit freigesprochen
Foto: Pixabay / carolynabooth

Schweinfurter Bestatter wird nach einer erwirkten einstweiligen Verfügung und einem Angriff auf die Pressefreiheit freigesprochen


Sparkasse

SCHWEINFURT – Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, denn es wird dadurch sicher gestellt, dass sich niemand hinter Mauern aus Schweigen und Geld verstecken kann. Ein Schweinfurter Bestatter hat es trotzdem versucht – und hat vom Landgericht Schweinfurt recht bekommen.

Was war passiert? Im Juli 2018 berichtet SW1.News nach der bundesweiten Berichterstattung von BR, Süddeutsche, Tag24, Stern und Co. über den Schweinfurter Bestatter (den Namen dürfen wir – gerichtlich verfügt – nicht mehr nennen), der in vier oder fünf Fällen die Totenruhe gestört haben soll. Auch die Mainpost (Schweinfurter Tagblatt) hatte berichtet. Alle MIT Namensnennung.


Wolf-Moebel

Hier die Links zu ganz vielen Beiträgen im Vorfeld, in denen der Name genannt wird:
www.mainpost.de/regional/schweinfurt/13-Zeugen-fuer-Prozess-gegen-Bestatter;art742,10184082
www.br.de/nachricht/unterfranken/inhalt/vorwuerfe-bestatter-schweinfurt-100.html
www.tag24.de/nachrichten/schweinfurt-bestatter-leiche-muennerstadt-ausbildungszentrum-leihen-angehoehrige-695337
www.stern.de/panorama/gesellschaft/stoerung-der-totenruhe–bestatter-soll-leichen-entwendet-haben-8177582.html
www.sueddeutsche.de/bayern/ohne-wissen-der-angehoerigen-auszubildende-sollen-an-leichen-geuebt-haben-1.4063030
www.mainpost.de/regional/schweinfurt/13-Zeugen-fuer-Prozess-gegen-Bestatter;art742,10184082

Der besagte Bestatter, dessen Namen ausgerechnet nur SW1.News nicht nennen darf, ist Vizepräsident des Bestatterverbandes Bayern – ein Mann in einer Vorbildstellung also. Trotzdem soll er angeblich Verstorbene, die seinem Bestattungsunternehmen anvertraut waren, ohne Wissen der Angehörigen dem Ausbildungszentrum für Bestatter in Münnerstadt zu Übungszwecken überlassen haben. Das wäre an sich eine Straftat, die mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden kann. Natürlich galt die Unschuldsvermutung, solange kein Urteil gefällt war.


Er ist aber nicht nur Vizepräsident des Bestatterverbandes Bayern, er steht auch sonst in der Öffentlichkeit – auch wenn er das bestreitet. Er gehört dem Bundesvorstand seit 1997 an und ist Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des „Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur“ und Mitglied des Aufsichtsrates der „Deutschen Bestattungsvorsorge Treuhand AG“. Außerdem ist er Mitglied des Vorstandes des VBW. Der Verband sagt auf seiner Internet-Seite selbst: „Wir sind die freiwillige, branchenübergreifende und zentrale Interessenvereinigung der bayerischen Wirtschaft und vertreten 133 bayerische Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände sowie 42 Einzelunternehmen. In den Branchen der vbw Mitgliedsverbände sind bayernweit etwa 4,8 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte tätig, das sind fast 90 Prozent aller Beschäftigten im Freistaat.“

Kein Mann der Öffentlichkeit? SW1.News sieht das anders: viel mehr ist er ein Mann im öffentlichen Interesse, ein Mann, der Vorbild sein sollte für alle seine Kollegen und die gesamte Bestatterbranche. Ein Mann, der zusätzlich natürlicherweise im Interesse der Öffentlichkeit steht, vertrauen ihm doch Menschen in Zeiten der Trauer und Verletzlichkeit ihre verstorbenen Angehörigen an!

Foto: Pixabay / lechenie-narkomanii

 

Handschellen für die Presse?

Trotzdem versuchte der Unternehmer schon bei unserem ersten Bericht durch eine Düsseldorfer Anwaltskanzlei zu verhindern, dass sein Name genannt wird – obwohl dieser schon mehrfach in anderen Medien Teil der Berichterstattung war. Wir hatten dem nicht zugestimmt. Unser Bericht vom 22. Februar mit einem Bild von ihm aus guten Zeiten, lächelnd stehend vor einem Stadtbus mit seiner Werbung darauf, war dann für ihn Anlass eine einstweiligen Verfügung zu erwirken. Wir waren der Meinung, dass er durch oben genannte Öffentlichkeitswirkung sein Persönlichkeitsrecht zurückstellen muss. Doch die Pressefreiheit wurde vom Gericht nicht höher gestellt als die Rechte des Unternehmers. Dessen Name darf – nur von uns aber – nicht mehr genannt werden. Wir halten uns natürlich daran.

Was bleibt, das ist die Frage: soll die Pressefreiheit etwa nur für vermeintlich kleine Nachrichtenmagazine wie SW1.News eingeschränkt werden? Vor dem BR, dem Stern, der Main-Post oder der Süddeutsche Zeitung hatten der Bestatter und seine Düsseldorfer Anwälte wohl doch zu viel Angst!

Die Verhandlung zur Störung der Totenruhe stand am 16. April im Amtsgericht Schweinfurt an und es wurden 13 Zeugen geladen. Es kam zur einer Hauptverhandlung statt eines Strafbefehls für den Bestatter. Ehemalige Mitarbeiter des Bestatters, der in seiner Branche auch ausbildet, hatten über regelmäßige Transporte von Verstorbenen nach Münnerstadt berichtet, wo Schüler ohne Zustimmung der Angehörigen an Leichen geübt und ihnen sogar absichtlich Wunden zugefügt haben sollen, damit angehende Bestatter Naht-Techniken üben können. Er hatte stets alle Vorwürfte bestritten.

Strafrichter Borchert urteilte am Dienstag und sprach den 51-Jährigen trotz der an sich schwer wiegenden Vorwürfe frei. Zeugen bestätigten zwar, von der Versorgung der Leichen in einer Bestatterschule nichts gewusst zu haben und man hätte dem auch nicht zugestimmt. Er aber argumentierte, dass eine Versorgung der Toten im Bestattungsunternehmen nicht üblich sei und dass sein Handeln „zum Wohl aller Beteiligten“ erfolgte. Über den Transport nach Münnerstadt informierte er nicht – im Glauben, es wäre für die Hinterbliebenen nicht von Bedeutung.

Dies sah auch der Richter so. Das „Üben“ von Auszubildenen an Leichen konnte vor Gericht nicht nachgewiesen werden.



Heute mal ausgehen? Wie wäre es mit:
Pure Club
Eisgeliebt
Gastro-Musterbanner
Geiselwind oben
Ozean Grill
Pinocchio
Yummy
Du willst hier auch DEINE Werbung sehen?








© 2fly4 - Alle Angaben ohne Gewähr!
Endzeiten der Events sind Schätzungen!
Fotos ggf. beispielhaft!
Kommentare von Lesern stellen keinesfalls die Meinung der Redaktion dar!

#Schweinfurt #News #Nachrichten #Veranstaltungen #Events

Lesen Sie auch

SPD-Fraktion im Austausch mit dem Fresenius Medical Care-Betriebsrat

SCHWEINFURT - SPD-Stadträte trafen sich zum Meinungsaustausch bei Fresenius Medical Care in Schweinfurt mit der Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Stefanie Lang und weiteren Mitgliedern des Betriebsrats.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.