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Sommerempfang des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes: „Das Wirtesterben wird weitergehen!“ – und dennoch hat die lokale Gastronomie gute Chancen


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GRAFENRHEINFELD – Ernst Böhm vom Madenhäusle als eine Art unterfränkischer Thomas Gottschalk führte locker und mit Wortwitz durch das Programm. Die Übernachtungszahlen in Schweinfurt dürften künftig weiter steigen, „weil jetzt doch jeder mal sehen will, wo das mit diesem legendären Abi-Jahrgang passiert ist“, spaßte der Gastronom auf Kosten der zahlreichen Durchgefallenen einer Schule, die deutschlandweit die letzten Wochen Schlagzeilen machte. Ganz so im Brennpunkt steht die Kreisstelle des Schweinfurter Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG) natürlich nicht. Auch nicht beim jährlichen Sommerempfang.

Der elfte seiner Art fand am Samstagvormittag im Biergarten der Alten Amtsvogtei in Grafenrheinfeld statt, was natürlich Landrat Florian Töpper bei seinem Antrittsbesuch freute. Der BHG, zuständig für Stadt und Landkreis, lud aber auch neben seinen Mitgliedsbetrieben Vertreter beispielsweise von der Sparkasse (Vorstand Johannes Rieger kam persönlich), der AOK, der Regierung von Unterfranken, von der Arbeitsagentur oder der Tourismus-Information ein. Schweinfurts Bürgermeisterin Kathi Petersen kam, der stellvertretende Landrat Paul Heuler. Florian Töpper betonte die Notwendigkeit eines Profils, wie es beispielsweise gerade das Madenhäusle habe, und die Beständigkeit in Sachen Qualität als wichtige Voraussetzungen für eine gut gehende Gaststätte. Der Landkreis werde unterstützen, wo es nur geht, um Übernachtungen und Besucherzahlen zu erhöhen.


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In der Stadt Schwienfurt wuchs die Zahl dieser Übernachtungsgäste in den letzten Jahren gerade durch das Hotel auf der Maininsel um 80 Prozent an. 178.000 Übernachtungen gan es alleine 2012 zu verzeichnen, wobei die Kapazität schon nicht mehr ausreicht. Über 43.000 Gäste sorgten im Landkreis Schweinfurt für 107.000 Übernachtungen. Tendenz nicht steigend. „75 Prozent der Gastwirte sagen dennoch, ´es geht uns gut!´“, weiß Dieter Pfister, Präsident der IHK, der als Gastredner über die Rolle der Gastronomie im Kammergebiet sprach.


Klar ist: Diese Gastwirte haben es in der heutigen Zeit nicht leicht. 25 Prozent aller Betriebe auf dem Land schlossen in den vergangenen Jahren. „Das Wirtesterben wird weitergehen und ist nicht zu verhindern“, glaubt Michael Berghammer, unterfränkischer BHG-Bezirksvorsitzender. Weil die Menschen weniger und älter werden, weil der Mangel an in Mainfranken derzeit schon 3000 fehlenden Fachkräften dafür sorgt, dass Berufe in der Gastronomie mit ihren Arbeitszeiten nicht mehr begehrt sind. „Trotzdem haben wir eine Chance“, entwarnte Berghammer und sprach von notwendiger Qualität, einer besseren Vermarktungen und dem wichtigen „Selbstbewusstsein, den richtigen Preis zu verlangen“. Das freilich setze „eine Wertschätzung der ländlichen Gastronomie“ voraus. Der Gast müsse akzeptieren, dass Qualität, gute Mitarbeiter, deren gerechte Bezahlung und eine Altersvorsorge der Inhaber auch ihren Preis habe. Gleichwohl fordert der deutsche Hotel- und Gaststättenverband von der Politik den Erhalt von Minijobs und ein Ende der Debatte um Mindestlöhne. Flexible Lösungen und der Einsatz auch Geringqualifizierter mit entsprechender Entlohnung seien gerade im Gastgewerbe von Bedeutung.

Der erst 15 Jahre alte Zauberer Odini verblüffte in Grafenrheinfeld im geselligen Teil wie ein alter Hase mit so manchem Trick. Die Sorgen der Gastronome waren da schon wieder ein wenig vergessen. Während früher Gasthäuser auf den Dörfern die Ausflüger anlockten, abends gezecht wurde ohne Ende, Fasching oder Kirschweih für beste Umsätze sorgten, „kämpfen nun auch alteingesessene Betriebe um ihre Existenz“, weiß Edmund Beck, der Schweinfurter BHG-Kreisvorsitzende, der in Zell sein Gasthaus Zellertal in der vierten Generation führt. Einerseits seien die kleinen Preise von damals, die anlockend wirkten, heute nicht mehr zu rechtfertigten. Und dann haben Vereinsheime, Pfarrheime oder sogar Feuerwehrhäuser mittlerweile gastronomische Einrichtungen, in denen man sich auf dem Dorf trifft. Der Versuch der Kommunen, in den Ortskernen alte Gasthäuser zu sanieren und wieder zu beleben, gehe auf Kosten der bestehenden Gasthäuser. „Diese Betriebe brauchen Hilfe. In vielen steckt viel Potenzial“, weiß Beck, der ein Beispiel nannte für die notwendige Hilfe der Kommunen. In Hausen würde Ullrich Martin seinen Biergarten gerne bis 23 Uhr öffnen, darf nach Beschwerden von Nachbarn aber nicht. „Und auf dem Land zecht die Jugend bis sechs Uhr in der Früh…“, so Beck.

Auf Geschenke an die Gäste verzichtete der BHG heuer beim Sommerempfang und bat lieber um Spenden für Flutopfer. Gerade in Deggendorf oder Passau wurden einige gastronomische Betriebe zerstört. Den Betrag werden die Schweinfurter Wirte großzügig aufstocken. Und bei der Übergabe dann vielleicht auch mal auf einen Standortvorteil im Schweinfurter Land hinweisen. „Eine Speisekarte von hier müsste man mal im Müncher Merkus veröffentlichen“, meinte Dieter Pfister, „die Leser würden die Preise sicherlich nicht glauben…“

Die fünf Personen auf unserem Bild beim Anstoßen zeigen von links: Edmund Beck, Dieter Pfister, Kathi Petersen, Florian Töpper und Michael Bergmann.


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