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Tod mit 84: Schweinfurt trauert um seinen langjährigen Oberbürgermeister Kurt Petzold – Update!


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SCHWEINURT – Eine Stadt trauert: Kurt Petzold starb am Dienstag im Alter von 84 Jahren nach längerer Krankheit. Er war von 1974 bis 1992 der letzte SPD-Oberbürgermeister Schweinfurts, ehe die eigene Fraktion ihn bei den darauf folgenden Wahlen ablehnte. So kam Gudrun Grieser für die kommenden 18 Jahre ins Amt…

Rechtsanwalt Petzold war seit 2010 Ehrenbürger der Stadt und seit 2015 Inhaber der Willy-Brandt-Medaille. Stellvertretend trauert mit Ralf Hofmann der aktuelle Fraktionsvorsitzende der SPD. „Er war für mich, für viele meiner Weggefährten in der Kultur ein großer Förderer. Seine Weltoffenheit ließ zu, dass wir Dinge ausprobieren durften, die heute unvorstellbar wären. Als 1989 die ersten Schweinfurter Bluestage meines Freundes Dominik erfolgreich Premiere feierten, war er es, der dafür sorgte, dass dieses (kommerzielle) Pflänzchen städtische Unterstützung unterhielt“, schreibt Hofmann in einem persönlichen Nachruf.


AOK - Keine Kompromisse

Er schreibt weiter: „Als ich 1996 erstmals für den Stadtrat kandidierte, lernte ich Kurt Petzold dann noch einmal völlig anders kennen. In der SPD herrscht ja bekanntlich das „Du“. War es bei Bürgermeister Herbert Müller völlig normal, dass man sich dutzte (das tat er gefühlt mit der ganzen Stadt), habe ich Jahre gebraucht, bis ich Kurt Petzold direkt mit Du ansprechen konnte und nicht immer irgendwelche Dritte-Person-Konstrukte wählte. Er war für mich eine echte Respektsperson, und das dauerte das Leben lang. Wenn er mich anrief, hatte ich immer den Reflex aufzustehen. Einem Kurt Petzold tritt man auch am Telefon nicht sitzend gegenüber. So zumindest mein Empfinden.“


Ralf Hofmann: „Es war ein Geschenk und eine große Ehre, ihn gekannt zu haben. … Lieber Kurt, es wird vielen Menschen in Schweinfurt so gehen wie mir und viele werden eine ganz persönliche Geschichte mit Dir verbinden. Und all diesen Menschen wird gemeinsam sein: Sie werden Dich nie vergessen. Ich werde Dich nie vergessen. Vielen Dank. Vielen Dank für alles. Ruhe in Frieden.“

Auch SW1.News ist traurig, dass die Stadt Schweinfurt einen ihrer ganz großen Bürger verloren hat… Unser Bild zeigt Petzold zusammen mit Hofmann im Jahr 2016.

Auch der amtierende Oberbürgermeister Sebastian Remelé würdigt nun den verstorbenen Oberbürgermeister a.D. Kurt Petzold, Ehrenbürger der Stadt Schweinfurt und Inhaber der Goldenen Bürgermedaille.

„Die Stadt Schweinfurt trauert um ihren Ehrenbürger und Oberbürgermeister a.D. Kurt Petzold, der am 02. Dezember 2020 verstarb. In aufrichtiger Dankbarkeit und größter Hochachtung nehmen wir Abschied von einer Schweinfurter Persönlichkeit, deren Bescheidenheit, Zurückhaltung und Gabe, allen Menschen mit derselben Wertschätzung zu begegnen, unvergessen bleibt. Wir verlieren mit Kurt Petzold alle einen Weggefährten und treuen Freund.

18 Jahre lang, von 1974 bis 1992 war Kurt Petzold Oberbürgermeister der Stadt Schweinfurt. Noch heute steht sein Name in Verbindung mit vielen Meilensteinen, die Schweinfurt zu dem gemacht haben, was es heute ist. So zum Beispiel wurde in seiner Amtszeit das Leopoldina Krankenhaus gebaut – er selbst nannte dies „seine erste große Herausforderung“ – und die Schweinfurter Altstadt saniert. Er erschloss die Stadtteile Deutschhof und Eselshöhe, schaffte die Fußgängerzone in der Innenstadt.

Weil ihm Schule und Bildung am Herzen lagen sorgte er für die Ausweitung der Volkshochschule und die Erweiterung des Walther-Rathenau-Gymnasiums mit Realschule. Selbst aktiver Sportler, galt sein Engagement auch dem Beschluss zum Bau des Sport- und Freizeitzentrums Bergl und dem Bau des Sportparks Hundertäcker.

Herzensangelegenheit war ihm immer die Kultur und deren Förderung. Er wollte, dass „Kunst und Kultur nicht nur in städtischen Einrichtungen, sondern auch im bürgerschaftlichen Raum lebt und von der Stadt gefördert wird“, weshalb die Musikschule unter ihm, in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Landkreis zu einer der größten und erfolgreichsten in Bayern wurde. Die erfolgreichen Verhandlungen, die er mit den Erben Georg Schäfers mit dem Ergebnis einer entsprechenden Vereinbarung führte, legten den Grundstein auf dem Weg zum heutigen Museum Georg Schäfer. Zudem war er mit großer Leidenschaft Vorstandsvorsitzender der Karl-Haus-Stiftung.

Den Bürgern dienen, eine liebenswerte Stadt für sie zu schaffen, so verstand er sein Amt als Oberbürgermeister. Die kostenfreien Freizeiteinrichtungen Waldspielplatz und Baggersee hatten für ihn deshalb stets höchste Priorität. Maßstäbe setzte Kurt Petzold im Bereich Umwelt mit dem Bau des Gemeinschaftskraftwerkes GKS und der Fernwärmeversorgung. Die Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld gehörte zu seinen großen Wünschen für Schweinfurts Zukunft.

Im März nächsten Jahres hätte Kurt Petzold seinen 85. Geburtstag gefeiert. Diesen Ehrentag werden wir nicht mehr mit ihm gemeinsam begehen können. Nur schmerzlich können wir dann erinnern an all das, was Kurt Petzold für seine Heimatstadt Schweinfurt und seine Bürger getan hat.

Er selbst war nach seiner Zeit als Oberbürgermeister ein engagierter Bürger, war Mitglied in zahlreichen kleinen und großen Vereinen, unterstütze und förderte diese so gut er konnte.

Bis zu seinem Tod widmete er sich mit großer Hingabe der Oskar-Soldmann-Stiftung, deren Vorstandsvorsitzender er war und die all das zum Ziel hatte, was ihm immer besonders am Herzen lag: die Förderung von Schweinfurter Sportvereinen, des aktiven Sports von Kindern und Jugendlichen, der sportlichen Betätigung älterer Menschen, die Unterstützung von Jugendverbänden und Schweinfurter Gruppen, die sich für die Entwicklung junger Menschen zu selbstverantwortlichen Bürgern einsetzen oder das Zusammenleben von Bürgern verschiedener Herkunft in Schweinfurt verbessern wollen und sich um internationale Begegnungen junger Menschen bemühen. Die Stiftung und auch Kurt Petzold persönlich richteten sich zu jedem Zeitpunkt immer und ausdrücklich gegen rechtsradikale Ideologien und Verhaltensweisen.

Sein Leben und Wirken erhielt die größte Ehrung der Stadt Schweinfurt am 18. Februar 2011 als ihm die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde. Zuvor wurde ihm durch die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie der Goldenen Bürgermedaille bereits große Anerkennung zuteil.

Heute nun müssen wir Abschied nehmen von Kurt Petzold, einem Mann, der an jedem einzelnen Tag all die Werte lebte, die so wichtig sind für eine Welt ohne Hass und einer Gemeinschaft in Frieden: Toleranz, Solidarität, Respekt, und Demokratie ebenso wie Bescheidenheit, Rücksicht, Zurückhaltung und Mitgefühl. Gerne zitierte Kurt Petzold den „größten Schweinfurter“, Friedrich Rückert, mit dem er sich intensiv befasste, den er sehr schätze mit den Worten:

„Von allen Ehren mir am meisten werth
ist die, womit die Vaterstadt mich ehrt.“

Und dessen kann er sich ganz sicher sein. Denn die Stadt Schweinfurt wird dem Verstorbenen immer ein ehrendes Andenken bewahren. Seiner Frau und seiner Familie sowie allen Angehörigen, spreche ich, auch namens des Stadtrates und der gesamten Stadt Schweinfurt, meine aufrichtige Anteilnahme aus. Es ist schwer, einen geliebten Menschen zu verabschieden. Mögen sie Trost in der Tatsache finden, dass die Trauer von all denen mitgetragen wird, die ihn kannten und schätzten.

Möge er in Frieden ruhen!

Ab Montag, 07.12.2020 können sich all diejenigen, die ihre Anteilnahme bekunden wollen, zwischen 10:00 und 16:00 Uhr in der Ausstellungshalle Altes Rathaus in ein Kondolenzbuch eintragen. Wir bitten Sie die Hygienevorschriften einzuhalten.“



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