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Veranstaltung der Petra Kelly-Stiftung zur Zukunft der Energiewende: „Stromnetze gehören in Bürgerhand!“


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SCHWEINFURT – Das Fazit von Dr. Gerd Rosenkranz war eindeutig: Die Energiewende ist machbar, sie wird etwas kosten und sie ist ein Generationenprojekt. Aber das Projekt Energiewende ist keine Investition auf Kosten zukünftiger Generationen, sondern sie wird sich auszahlen und das Leben zukünftiger Generationen enorm erleichtern. Rosenkranz war auf Einladung der Petra Kelly-Stiftung nach Schweinfurt gekommen und erläuterte in seinem kenntnisreichen Vortrag Herausforderungen und Perspektiven der Energiewende. Und er räumte auf mit Lügen und Halbwahrheiten, die die gegenwärtige Diskussion bestimmen.

So seien es keineswegs die erneuerbaren Energien (EE) und die sogenannte EEG-Umlage, die für den steigenden Strompreis sorgen. Im Gegenteil: An der Strombörse führt der wachsende Anteil von EE-Strom sogar zu sinkenden Preisen. Doch die gesenkten Kosten werden von den vier großen Energiekonzernen nicht an die Verbraucher weitergegeben. Und auch am Steigen der EEG-Umlage sind die EE ebenfalls nur teilweise „schuld“. Deren Höhe hängt nämlich nicht nur von den eigentlichen Förderkosten ab. Viel stärker ins Gewicht fallen laut Rosenkranz die Ausnahmeregelungen, mit denen die energieintensive Industrie entlastet wird. Rosenkranz: „Ich habe Verständnis für die Klage mittelständischer Unternehmen, die knapp unter der Privilegierungsgrenze liegen, denn die trifft die gestiegene Umlage besonders hart.“ Dieselbe Bundesregierung, die die Energiewende ausgerufen habe, bedient sich – so Rosenkranz – einer perfiden Strategie, um sie jetzt zu hintertreiben: Sie bürdet den BürgerInnen, aber auch Teilen des Mittelstandes höhere Lasten auf als notwendig und entlastet im Gegenzug die großen Industrien.


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Wesentliches Ziel der Energiewende ist es laut Rosenkranz, den Atomausstieg zu vollziehen und gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Trotz stetig wachsender Zunahme der EE wird es notwendig sein, Speicherkapazitäten auszubauen und auch weiter effiziente und flexibel einsetzbare Gaskraftwerke vorzuhalten, um den Ausgleich zwischen Stromnachfrage und Stromerzeugung sicherzustellen. Diesbezüglich völlig kontraproduktiv nannte es Rosenkranz, wenn derzeit neue Kohlekraftwerke mit entsprechendem CO2-Ausstoß gebaut würden, weil die Emissionszertifikate zu Schleuderpreisen erhältlich seien. Rosenkranz forderte eine neues Preissystem, das nicht nur die Lieferung von Kilowattstunden honoriere, sondern auch die Bereitstellung der notwendigen Leistung für den Bedarfsfall. Nur so könne verhindert werden, dass hocheffiziente, moderne Gaskraftwerke stillgelegt würden.

Udo Rumpel, Geschäftsführer von zwei Bürgerwindrädern im Landkreis Schweinfurt, sieht das finanzielle Engagement der Menschen, die sich dort für die Energiewende engagiert haben, und die ohnehin relativ kleine Rendite dieser Windräder durch die aktuelle Politik der Bundesregierung massiv gefährdet. Er forderte verlässliche Rahmenbedingungen für solche Investitionen, wenn das Motto „Energie in Bürgerhand“ ernstgenommen werden soll. Auch der grüne Landtagskandidat Rafiq Iqbal, selbst beruflich in der Energiebranche tätig, unterstützt diese Forderung: „Stromnetze gehören in Bürgerhand und in die Hand der Kommunen.“ Iqbal betonte auch die Vorbildwirkung Deutschlands: „Wenn Deutschland die Energiewende nicht schafft, dann wird es damit auch global nicht klappen.“

Einig waren sich die Diskutanten über die Bedeutung der Energiewende für die regionale Wertschöpfung. Wenn die Energie „vor Ort“ erzeugt wird, bleibt das Geld in der Region. Dass es beim Bau neuer Windräder oder Speicherkraftwerke zu Konflikten zwischen Natur- und Umweltschutz auf der einen und der Energiewende auf der anderen Seite kommen könne, darf – so Gerd Rosenkranz – nicht unterschlagen werden. Die Ablösung der katastrophenträchtigen Fossil- und Atomenergien durch erneuerbare Energien wird zu einer tiefgreifenden Transformation der Natur- und Kulturlandschaft führen. Dabei sei in jedem Einzelfall eine Güterabwägung notwendig, um zu Lösungen zu kommen, die auch von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen werden.

Auf dem Foto von links nach rechts Dr. Gerd Rudel (Petra-Kelly-Stiftung), Dr. Gerd Rosenkranz, Rafiq Iqbal, Udo Rumpel.



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