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Wie geht es weiter mit dem „Neuschwanstein Unterfrankens“? Gerhard Eck präsentierte einen „Fahrplan Schloss Mainberg“


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MAINBERG – Die Medien und höhere Tiere der politischen Ebene geben sich in diesen Wochen fast schon gegenseitig die Türklinke in die Hand. Das Interesse an Schloss Mainberg, dem überregional bekannten Baudenkmal, ist seit einiger Zeit gewaltig groß. Das Schloss ist in die Jahre gekommen, die Vorburg droht gar einzustürzen. Unterirdische Stollen haben Risse im Bauwerk verursacht und statische Probleme. Hoch gelegene Dachrinnen wurden lange schon nicht mehr gereinigt, weshalb das Wasser die Fassade der Hauptburg hinunter fließt und ins Innere eindringt. Die Gemeinde Schonungen hat längst eine Resolution zum Erhalt verabschiedet. Der junge SPD-Bürgermeister Stefan Rottmann wuselt gewohnt umtriebig umher, um das  „Neuschwanstein Unterfrankens“ (Rottmann) zu retten. Inmitten der Turbulenzen steckt die Schlossherrin fest.

Renate Ludwig hat das Schloss 2008 den 14 Erben des einstigen, 1999 verstorbenen Besitzers und Geschäftsmannes Gerhard Eichhorn für rund 1,5 Millionen Euro abgekauft. Mit Geld, das sie sich bei einer Bank aus dem Süden des Landkreises holen musste. Von einem augenblicklichen Grundbucheintrag in Höhe von über zwei Millionen Euro ist zu hören. Dass es der heute 63 Jahre alten Eigentümerin, die einst in einem im Schloss eingerichteten Büro arbeitete, finanziell nicht richtig gut gehen kann, liegt auf der Hand. Im Dezember 2011 musste sie die Schloss-Gastronomie auf Anweisung des Landratsamtes schließen. Eine Brandmeldeanlage, um die 300.000 Euro teuer, fehlt bis heute. Räume für Tagungen, Events und Übernachtungen bot Ludwig mit ihrer GmbH bis dato an. Im Herbst vorletzten Jahres präsentierte der Historiker Dr. Thomas Horling das Buch „Fürsten & Industrielle. Schloss Mainberg in acht Jahrhunderten“. Um die 100 Personen wohnten der Vorstellung bei, obwohl das Schloss für maximal 60 Personen zugelassen war. Der damalige Landrat Harald Leitherer zeigte sich in aller Öffentlichkeit und vor allen Gästen erbost. Das war der Anfang, naht nun das Ende?


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„Ich bin zu allen Gesprächen bereit. Mein Wunsch aber ist, das Schloss weiterzubetreiben und es wieder hochzupuschen“, sagt Renate Ludwig. Rund 5000 Quadratmeter Nutzfläche hat Schloss Mainberg. Obwohl sie bei weitem nicht alle Räum warm halten kann, laufen zu den gut 500 Euro Stromkosten im Monat an die 8000 Euro an Heizkosten im Jahr auf. Derzeit sorgt ein Elektro-Ofen in denjenigen Räumen für heiße Luft, die bewohnt sind und die genutzt werden. 100.000 Euro würde es wohl kosten, um die akutesten Schäden zu beheben, das Schloss wenigstens wieder dicht zu bekommen vor dem Regeneinfall. 350.000 Euro sind insgesamt geschätzt für die weiteren, wichtigsten Reparaturmaßnahmen.


Der große Ritterssal kann nicht mehr genutzt werden, nur noch die Brunnenstube als kleines Restaurant mit 50 Plätzen. Dort könnte Ludwig Geld erwirtschaften, „höchstens aber genug, um den Strom zu bezahlen“, weiß sie. Ein dringend erforderliches, geologisches, also statisches Gutachten würde das Landesamt für Denkmalpflege nicht fördern. 100.000 Euro sind auch hier veranschlagt um zu erfahren, inwieweit vermutete Luftschutzstollen für einen instabilen Untergrund sorgen. Drinnen sieht man die „ungeschminkte Wahrheit“: Das Lucretienzimmer im ersten Obergeschoss hat es besonders schwer getroffen. Aufgeplatzte Wasserleitungen während einer Frostperiode setzten die Räumlichkeiten unter Wasser und beschädigten Mauerwerk und Holzboden massiv. Zurück blieb der „echte Hausschwamm“: Der herausgerissene Parkettboden und die abgenommene historische Türvertäfelung zeugen von der Hilflosigkeit. Schimmelspuren und Risse überziehen die gewölbte Decke.

Renate Ludwig würde Schloss Mainberg ja schon veräußern. „Auch wenn ich sehr daran hänge. Ich war sogar schon einmal in Moskau auf einer Millionärsmesse. Doch die Russen wollen es nicht kaufen. Denen ist es nicht prunkvoll genug. Die zieht es eher an die Côte d’Azur“, weiß sie und möchte schon nicht unter drei Millionen Euro erzielen. Makler bieten das Schloss derzeit an. „Doch sobald ich das Gutachten offen lege, wonach alleine für Sanierungsmaßnahmen an Vorburg und Stollen rund eine Million Euro notwendig sind, hat keiner mehr Interesse.“

Die kurzfristigen Ziele von Bürgermeister Stefan Rottmann lauten: Kunstminister Wolfgang Heubisch soll zu einem Ortstermin eingeladen, gleichzeitig sollen Gelder aus dem Entschädigungsfonds des Landes für notdürftigste Reparaturen bereitgestellt werden. Schon zu Besuch waren vier Landtags-Abgeordnete der SPD. Der Freistaat müsse kurzfristig helfen, auch finanziell, wenn die Eigentümerin schon nicht in der Lage ist, die Reparaturmaßnahmen zu stemmen, lautet deren Meinung. Durch eine Verschleppung der Maßnahmen werde die Behebung der Schäden am Ende noch teurer.

Auch Gerhard Eck schaute sich die Schäden bereits an. Der CSU-Innenstaatssekretär kennt die aktuelle Rechtssprechung: Der Staat beziehungsweise seine Körperschaften können nicht so einfach auf Privateigentum zugreifen, vor allem nicht schnell. Einige Aussagen der SPD-Abgeordneten „stören mich, die waren sehr, sehr unglücklich“, sagt Eck und betont: „Das Schloss ist es nicht wert, daraus einen Wahlkampf zu machen. Parteipolitik ist mir hier vollkommen wurscht. Schloss Mainberg ist ein Wahrzeichen Unterfranken, ich habe es lieb gewonnen. Aber zu sagen, der Staat soll das finanzieren, ist nicht so einfach. Man muss da schon Bürokratie lösen – und ist vielleicht gar nicht so verkehrt, wenn wir mal nach Griechenland blicken“, vergleicht der Politiker. Und weiter: „In Bayern gibt es mehr als 3000 denkmalgeschützte Gebäude und unzählige Schlösser, die zum Verkauf stehen. Wenn wir überall so denken würden, dann wäre das nicht zu finanzieren. Die Eigentümerin muss mit ins Boot, das ist der Dreh- und Angekpunkt.“

Eine eigene Pressekonferenz setzte Eck an, um auch für die Schonunger CSU-Gemeinderäte Elisabeth Weger, Thomas Rösch und Georg Brückner klar zu machen, wie ein „Fahrplan Schloss Mainberg“ auszusehen habe. Notsicherungsmaßnahmen müsse Renate Ludwig baldmöglichst beantragen, damit möglichst bis November 2013 das Dach wieder dicht ist. Selbst das aber könne bis zu 100.000 Euro kosten, schätzt Eck. Die Finanzierung bleibt da zwar offen, vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege bekam der Innenstaatssekretär jedoch die Zusage einer Finanzierung für Voruntersuchungen am Schloss. „Das ist die Grundlage für alles Reden und Tun. Wir müssen das Investitionsvolumen klären und wissen, was statisch zu machen ist, was auf Zimmerer, Maurer oder Metallbauer zukommt.“

Untersuchungen des Stollens, des Baugrundes und der Stützmauer sind freilich nur bedingt zuschussfähig und mit 155.000 Euro an Kosten geschätzt. Wer die Sanierung von Stollen und Baugrund, mindestens eine Million Euro teuer, übernimmt, ist genauso fraglich wie weitere, dann folgende Maßnahmen wie ein Tragwerksgutachten. „Wenn der Eigentümerin das über den Kopf wächst, dann ist sie vielleicht ein Stück weit verkaufsbereiter“, denkt Eck, „momentan glaubt sie wohl, das Problem ist mit ein paar Spengleraufgaben gelöst.“ Der CSU-Bezirksgeschäftsführer Gerhard Schmitt kommentierte die Denkweise zum Vorgehen bezüglich des Schlosses mit seinem ganz eigenen Vergleich: „Es ist nicht so, dass einfach mal Cinderella vorbei kommt und einmal mit den Zauberstab rührt!“ „Das ist ein riesengroßes Projekt“, weiß Gerhard Eck. Eine Instandsetzung des Hauptschlosses aber sei auch ohne Sanierung des Stollens möglich. Dann müsste die Vorburg allerdings abgebrochen werden. Gleich wie auch immer: Belastbare Zahlen, die nun ermittelt werden, sollen als Grundlage dienen für einen möglichen Verkauf von Schloss Mainberg oder zum Finden eines liquiden Investors.



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