18. 11. 2017
Schweiz, Zürich, Gehege, Wildkatze, BUND e.V. Bundesgeschäftsstelle; Projekt Wildkatzensprung, Projektmanagerin: Christiane Bohn, Am Köllnischen Park 1; 10179 Berlin; Tel.: +49/ (0)30/ 275 86 – 496; christiane.bohn@bund.net; honorarfreie Nutzung nur für das BUND Projekt Wildkatzensprung [Fotografie ©Thomas Stephan, Wiener Weg 12, D-89597 Munderkingen; Tel: +49(0)7393-4272; email:service@thomas-stephan.com; www.thomas-stephan.com; Veroeffentlichung nur gegen Honorar (MFM), Urhebervermerk und Belegexemplar; Bankverbindung: VOBA Ehingen, BLZ 63091010, Konto 630967008; IBAN DE85 63091010 0630967008 USt-IdNr. DE145238676] [#0,26,121#]

Wildkatzen am Brönnhof: Eine echte Europäerin beginnt mit zaghafter Rückkehr – „Wie einen Sechser im Lotto“



BRÖNNHOF – Die Europäische Wildkatze ist eine echte Ureinwohnerin – sie durchstreifte unsere Wälder schon lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen aus Afrika mitbrachten. Deutschlandweit wurde sie durch intensive Bejagung fast ausgerottet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Wildkatze (Felis silvestris) in Bayern und Baden-Württemberg ausgestorben, noch immer steht sie auf der Roten Liste. Straßen, wachsende Siedlungen und Ackerflächen beschneiden ihren Lebensraum und sind deswegen heute ihre größten Gefahren. In den letzten Jahren zeigte sich aber auch eine erfreuliche Entwicklung. Intensive Öffentlichkeitsarbeit und viele Gespräche mit Landwirten und Jägern zeigten Wirkung: der BUND konnte im Rahmen des beinahe deutschlandweiten Projekts „Wildkatzensprung“ nachweisen, dass sich die Wildkatzenbestände erholen, dass sie ihre ehemaligen Lebensräume wieder erobern kann.

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Um an diese Nachweise zu gelangen, setzt der BN eine effiziente Methode ein: Baldrian lockt die scheuen Katzen an. Raue Holzstäbe als „Lockstöcke“ werden an geeigneten Stellen in den Waldboden gesteckt und mit Baldrian-Lösung besprüht. Reiben sich Wildkatzen daran, so bleiben einige Haare, eingeklemmt im Holz, zurück.

Obwohl in den Jahren 2013-2015 bereits viele Regionen in Bayern auf das Vorkommen von Wildkatzen untersucht wurden, gab es immer noch einige „weiße Flecken“ auf den Karten, darunter auch der Landkreis Schweinfurt.

Daher hat der BUND Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe Schweinfurt mit vielen Helfern – wie z.B. auch den Kindergruppen Werneck unter der Leitung von Gerhard Röthlein – im letzten Jahr ein Wildkatzen-Monitoring begonnen. Im Bereich des ehemaligen Truppenübungsplatzes Brönnhof bekam die Kreisgruppe tatkräftige Unterstützung durch Jörg Tuchbreiter und Matthias Enslein vom Bundesforstbetrieb Reußenberg.

Von Februar bis Mitte April 2017 wurden die Stöcke wöchentlich kontrolliert, evtl. abgesammelt und neu präpariert. Nach acht Kontrollen wurden alle Haarproben an das Projektteam des BN gesendet und nur die nach Katzenhaare aussehenden Haarproben an die Arbeitsgruppe Wildtiergenetik des Senckenberg-Instituts in Gelnhausen weitergeleitet. Die Kosten für die Analysen können vom BUND Naturschutz nur getragen werden, weil Herr Weniger von der Unteren Naturschutzbehörde finanzielle Unterstützung zugesagt hat.

Und jetzt liegen endlich die Ergebnisse vor: Wildkatzen Vorkommen konnten nachgewiesen werden im Gebiet Gramschatzer Wald und – besonders erfreulich für die Kreisgruppe Schweinfurt – am Brönnhof. War doch das Gebiet erst im letzten Jahr ins Nationale Naturerbe übernommen worden. Vorsitzender Edo Günther wies daraufhin, dass das Monitoring auf jeden Fall im Februar/März 2018 weitergeführt wird und bittet jetzt schon Interessierte, sich beim Bund Naturschutz zu melden.

Abschließend betonte Edo Günther: „Natürliche Entwicklung am Brönnhof liegt uns im Sinne der Natur und Umwelt am Herzen. Sanfte naturnahe Erholung ja, aber unter besonderer Berücksichtigung von Tieren und Pflanzen, damit naturnahe Lebensräume erhalten bleiben und sich nachhaltig entwickeln können“.

„Wie einen Sechser im Lotto“, sieht der Vorsitzende der BN Kreisgruppe Schweinfurt Edo Günther die aktuelle Meldung: Wie es sich herausstellte, handelt es sich beim dem Fund am Brönnhof um einen Wiederfund: der Kuder (= männliches Tier) wurde 2015 im Naturschutzgebiet „Lange Rhön“ schon zweimal nachgewiesen.

Dieses Beispiel der Wanderbewegung der Wildkatzen – Luftlinie ist der jetzige Fundort mindestens 30km vom ersten Fundort entfernt – zeigt die Bedeutung und Notwendigkeit von Lebensraumvernetzungen. Durch grüne Korridore kann die Wildkatze neue Gebiete erschließen und der genetische Austausch zwischen bisher isolierten Vorkommen wird ermöglicht.

Edo Günther / Fotos: Thomas Stephan

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