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Wollschild-Aktionen: Eine erste Installation im Außenbereich der Keßlergasse von Marc-Dominic Boberg


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SCHWEINFURT – Das Hauptziel Marc-Dominic Bobergs neuer Serie von Aktionen ist es, ein stärkeres Bewusstsein innerhalb der Gesellschaft anzuregen. Es geht ihm um die gebaute Umgebung, insbesondere die alte Bausubstanz verschiedener Epochen.

Im Vordergrund steht nicht nur das einzelne Objekt, sondern die Bewusstseinsbildung und die Frage nach dem Umgang mit der (Bau-)Substanz. Der Beginn der Aktionen: Das frühere „Nordsee“-Gebäude neben dem Krönleinhaus in der Kesslergasse. Boberg lud ein Abschied zu nehmen und dazu, Gewohntes ausdrücklich noch einmal Wert zu schätzen. Boberg will der Bevölkerung bewusst machen, dass alles, was abgerissen wird, unwiederbringlich verloren ist und somit ein Teil der Identität der Stadt für immer verschwindet.


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Über diese Aktion setzt er Impulse des Erinnerns und des Nachdenkens. Wie die Gesellschaft mit diesem vom Künstler gesetzten Impulsen umgeht, kann sie selbst entscheiden. Boberg entlässt die sie jedoch nicht aus ihrer Mitverantwortung für die Entwicklung ihrer Stadt und wird auch darum selber aktiv.

Die Vorgehensweise: Boberg platzierte im Zuge seiner Installation im Außenbereich einen Schild wie einen symbolischen Schutz vor oder an ein schützenswertes Gebäude. Hierbei tritt der Akteur selbst in den Hintergrund. Es entsteht ein eindrucksvolles Bild, das sich sowohl durch die Installation vor Ort, als auch in Form von Dokumentationsfotos manifestiert. Dieses Bild soll aufmerksam machen, die öffentliche Auseinandersetzung anregen und ein späteres Erinnern unterstützen.

Durch mit der Zeit in der Menge zunehmenden Aktionen soll der Prozess der Bewusstseinsschärfung in der Gesellschaft verstärkt werden. Es handelt sich also um im weitesten Sinne gesellschaftspolitische Aktionen. Die Aktionen sind nicht illegal, denn die Besitzer der Immobilien sind (zumindest in diesemFalle) informiert und widersprachen nicht.

Wollschild 1Inhalt / Metaphorik: Der Künstler verwendet für den Schild das Material Wolle, hier einen „Loden“ (Reclams Mode- und Kostümlexikon: v. ahd. lodo – grobes Wolltuch-). Dessen Eigenschaften (robust, lokal tradiert, hoch qualitativ, Schutz vor Wetter – Kälte, Wärme, Wind, Regen, Schnee – Temperaturausgleich usw.) nutzt er, um ihn symbolisch aufzuladen. Der Stoff wird wie ein Schutz – Schild verwendet.

Doch während man mit einem Schild ursprünglich Härte verbindet, entsteht hier eher eine „Schutz – Membran“. In Verbindung mit der Bezeichnung „Schild“ kommt also die Assoziation an Undurchdringlichkeit und Wehrhaftigkeit hinzu, während die membran-spezifische Durchlässigkeit für Gedanken, Zeitabläufe und Erinnerungen bleibt. In Bobergs erster Wollschild- Aktion, wird auch der Schutz vor dem Vergessen angestrebt.

Boberg ist seit Anfang seines Berufslebens mit dem Themengebiet „Stoffe / Textiles“ emotional stark verbunden. Hierbei sind ihm die traditionellen und charaktervollen Wollstoffe Loden und Tweed von besonderer Bedeutung.

Historisch gesehen entwickelt Boberg konsequent seine Geschichte der öffentlichen Von einem sprengstoffattrappenähnlichen Pappkästchen, das er in den 1990er Jahren an einem Castortransport Waggon befestigte, um auf die Verwundbarkeit der Castortransporte hinzuweisen, ging er bis zum bekannten Rettungsversuch des Alten Krankenhauses in Schweinfurt (u.a. am Ende mit einer „Mauerdemo“ an dessen Grundstücksmauer).

Wollschild 2Nun gilt seine inhaltliche Sorge dem architektonischen Erbe, das in Schweinfurt aus Sicht des ehemaligen Grünen-Stadtrates allzu leichtfertig vergeudet wird. Indirekt stellt Boberg somit auch die Frage, ob Zusammenhänge zwischen der dramatischen Negativentwicklung der Innenstadt als Einkaufszentrum und dem seit Jahrzehnten schleichenden Verlust attraktiver und identitätsstiftender historischer Gebäudesubstanz bestehen.

Hintergrund der Aktionen in Schweinfurt: Seit Jahren verschwinden in dem vom Krieg schwer zerstörten Schweinfurt alte Gebäude aus dem Stadtbild – Gebäude, die der Stadt nicht nur ein Gesicht gegeben haben, sondern die, gerade wegen dem oft beklagten Fehlen historischer Bausubstanz, auch für historische Identität gesorgt haben. An ihre Stelle traten gesichtslose, zweitklassige Neubauten.

Im krassen Gegensatz zu einem notwendigerweise verantwortungsvollen und kreativen Umgang mit historischen Gebäuden wird neuerdings sogar mit dem Höppelesturm „ein pseudohistorisches Gebäude“ völlig neu erbaut. Die Stadt verliere also alte Gebäude aus „Kostengründen“ und erhält eine aus Spendenmitteln finanzierte, romantisierende Kulissennostalgie.

Im Fall des Hauses in der Kesslergasse, in dem früher u.a. das Schnellrestaurant „Nordsee“ untergebracht war, verliert das Stadtbild nicht nur eine weitere original-historische Fassade, sondern mit ihr auch den Anblick der einzigen gusseisernen Säulen an einer Hausfront, gefertigt in dem früheren Schweinfurter Betrieb Karl Joachim, sowie die den Gesamteindruck stark prägende Eingangstüre. Wie schon beim Städtischen Krankenhaus werden auch hier eventuell gesicherte und später anderenorts isoliert ausgestellte Artefakte (in diesem Fall z.B. die gusseisernen Säulen) für ein real existierendes Gebäude kein geeigneter Ersatz sein können.

Leider lag der Zeitpunkt dieser Aktion sehr knapp vor dem Abriss. Das hatte aber laut Boberg organisatorische Gründe. Der Künstler plant derzeit bereits einige weitere, ähnliche Aktionen in Schweinfurt.



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