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Fehlender Nachwuchs: Deutsche Polizeigewerkschaft Unterfranken blickt mit großer Sorge auf die Entwicklung der Bewerberzahlen bei der Polizei


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UNTERFRANKEN – „Die Entwicklungen der Bewerberzahlen bei der unterfränkischen/bayerischen Polizei lassen uns aufhorchen und rufen uns als Polizeigewerkschaft alarmierend auf den Plan“, zeigt sich der Bezirksvorsitzende und stv. Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Thorsten Grimm, besorgt.

„Die rosigen Zeiten, in denen gerade im mittleren Dienst (jetzt 2. Qualifikationsebene) auf einen freien Platz sechs bis sieben Bewerber/-innen zur Verfügung standen und somit auch eine Auswahl bestand, sind längst Geschichte. Wir müssen auch als bayerische/unterfränkische Polizei gerade jetzt umso deutlicher feststellen, dass wir uns nicht nur im direkten Konkurrenzkampf mit der freien Wirtschaft befinden, sondern auch mit anderen Sicherheitsbereichen, z.B. der Bundespolizei oder auch der Bundeswehr. Hier zeichnet sich ein Szenario ab, dass wir diesen Wettbewerb verlieren könnten“, so der Polizeigewerkschafter weiter.





Natürlich hatte die Corona-Pandemie auch ihren negativen Einfluss, denn die Einstellungsberatungen bei der Polizei oder die polizeilichen Präsenzen in den Schulen waren entweder gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Aber das kann nach Aussage von Thorsten Grimm unmöglich die alleinige Ursache sein. „Wir müssen Werbekampagnen überdenken, neue Wege in der Nachwuchswerbung gehen und als Arbeitgeber attraktiver werden“ bekräftigt Thorsten Grimm die Forderung nach gezielten Werbeoffensiven für die bayerische Polizei, die auch die fachlichen Bereiche wie Cyber-Cops oder Wirtschaftskriminalisten ins Auge fassen muss.


„Wir können und dürfen uns das im Sinne der inneren Sicherheit einfach nicht leisten, und am Ende des Tages kosten diese Maßnahmen natürlich Geld, das in die Hand genommen werden muss. Wir befinden uns inzwischen in Bayern in der 2. Qualifikationsebene in einer Situation, dass wir nach Einstellungstests und Auswahlverfahren nicht mehr jeden freien Platz anhand der verbliebenen Bewerber/-innen besetzt bekommen. Die Stellen sind da, das Personal dafür leider nicht und am Ende fehlt das Personal bei wachsenden Aufgaben auf der Straße. Hinzu kommt, dass überproportional viele Auszubildende die Ausbildung abbrechen, sich beruflich nochmal umorientieren oder die Ausbildung aus verschiedenen Gründen nicht bestehen – auch dieses Personal fehlt unwiderruflich“ stellt Thorsten Grimm ernüchternd fest.

„Leider ist auch für die nahe Zukunft hier keine Verbesserung zu erwarten, es könnten ganz im Gegenteil noch mehr verfügbare Ausbildungsplätze leer bleiben“ prognostiziert der Polizeigewerkschafter. „Erschwerend kommt hinzu, dass mit dem Jahr 2025 auf Grund der Umstellung von G8 auf G 9 ein abiturfreier Jahrgang kommen wird, d.h. ein ganzes Jahr ohne Großteile der Bewerber. Die Einstellungsberater vor Ort will ich ausdrücklich in Schutz nehmen, denn diese machen einen hervorragenden Job und werfen auch mit neuen Gedanken sowie neuen Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung alles in die Waagschale.“

Es sind zwei Fragen, die die Deutsche Polizeigewerkschaft umtreiben. „Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen? Und wie kann man dieser Negativspirale bei den Polizeibewerbungen sinnvoll und konsequent entgegenwirken?“

Eine der Hauptursachen liegt nach Aussage von Thorsten Grimm in den politischen Entwicklungen der letzten Jahre. „Wir beobachten schon seit Jahren, und haben das als Deutsche Polizeigewerkschaft auch immer wieder betont, dass die Kollegen/-innen die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ausbaden müssen. Das zeigt sich zum Einen über Jahre an den steigenden Zahlen im Bereich der Gewalt gegen Polizei. Aber auch im Rahmen der unzähligen Corona-Versammlungen, Querdenker-Demos und sonstiger Veranstaltungen der letzten zwei Jahre hat sich eine Stimmung contra Polizei entwickelt und so wurde die Polizei zum staatlichen Sündenbock gemacht. Insofern haben Querdenker, Corona-Leugner und weitere polizeifeindliche Gruppierungen, auch über soziale Netzwerke wie Telegram mit einem Teil ihrer perfiden Taktik Erfolg gehabt, denn das Bild der Polizei in der Öffentlichkeit und die Attraktivität des Polizeiberufs haben deutlich gelitten. Das wirkt sich am Ende auch negativ auf Bewerberzahlen aus, zehrt aber auch an den Nerven des bestehenden Personalkörpers. Da reichen gut gemeinte Worthülsen der Politik nicht aus.

Wertschätzung und Anerkennung müssen für die Kollegen/-innen spürbar und greifbar sein, und das insbesondere von der Politik, so dass es am Ende überhaupt bei den Bürgern/-innen ankommen kann“, fordert Thorsten Grimm hier auch klare Bekenntnisse und Verbesserungen von der Politik bis hin zu einer Imagekampagne.

„Wir müssen insbesondere aber auch über unsere bestehenden Einstellungsvoraussetzungen bei der bayerischen Polizei nachdenken, ob diese noch zeitgemäß und angemessen sind? Ist es noch nachvollziehbar, dass alle Interessenten mit einer sichtbaren Tätowierung von vornherein abgelehnt werden? Warum stellt die bayerische Polizei erst mit 17 Jahren ein, während z.B. die Bundespolizei dies schon mit 16 Jahren praktiziert? Ist eine mögliche Rot-Grün-Schwäche oder eine Sehschwäche mit einem Wert von über 1,0 Dioptrin ein zwingender Ausschlussgrund?“ so Thorsten Grimm.


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