27. 05. 2017
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Grüne zum Aus für den Krankenhausstandort Hofheim: Die stationäre Versorgung auf dem Land wird Stück für Stück abgewickelt



HASSBERGE – Die Grüne Bundestagskandidatin Manuela Rottmann kritisiert den Abbau der stationären Grundversorgung im ländlichen Raum und fordert ein radikales Umdenken in der Bundesgesundheitspolitik. „Der Beschluss, den Krankenhausstandort Hofheim ganz aufzugeben und in Haßfurt die Geburtshilfe aufzulösen, bedeutet einen tiefen Einschnitt für die Gesundheitsversorgung der Menschen im Landkreis Haßberge“, so Manuela Rottmann und die Kreistagsfraktion der Grünen.

„Es ist schlicht nicht wahr, wenn der Bund und die Krankenkassen den Leuten erzählen, dass sie davon profitieren, wenn etwa die Geburtshilfe auf immer weniger Standorte konzentriert wird. In der Theorie mag die geburtshilfliche Versorgungsqualität bei mehr Geburten pro Haus steigen. Tatsächlich jedoch sind die großen Geburtshilfestationen schon jetzt völlig überlastet. Schwangere werden dort oft schon abgewiesen, weil Personal und Kapazitäten über dem Anschlag sind,“ kritisiert Rottmann die Entwicklung.

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Die Entfernungen, die Schwangere nach der Schließung der Geburtsstation in Haßfurt überwinden müssten, um in ihr Krankenhaus zu kommen, seien unzumutbar. Rottmann weiter: „Im Kreis Bad Kissingen gibt es seit zwei Jahren keine Geburtshilfestation mehr. Während früher die Geburt im Rettungswagen dort die absolute Ausnahme war, kommt dies mittlerweile etwa zehn Mal pro Jahr vor. Die Frauen schaffen es schlicht nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus. Im Rettungswagen haben sie von der angeblich höheren Versorgungsqualität in den großen Geburtsstationen aber rein gar nichts. Das ist ein Skandal für ein hochentwickeltes, reiches Land wie Deutschland.“

Die 44-jährige Juristin war selbst sechs Jahre lang als Gesundheitsdezernentin in Frankfurt am Main für die Krankenhausversorgung und die kommunalen Krankenhäuser verantwortlich. „Das ist ein sehr bitterer Tag auch für die Beschäftigten in den beiden Häusern, deren jahrelanger Kampf gegen das Defizit und die Schließung umsonst war, ebenso wie für die Kreispolitiker im Landkreis Haßberge, die hier an einer unlösbaren Aufgabe gescheitert sind. Die Krankenhausfinanzierung führt dazu, dass die stationäre Versorgung auf dem Land Stück für Stück abgewickelt wird. Das lässt sich mit besserem Management vor Ort genauso wenig lösen wie mit einer Privatisierung.“

Rottmann forderte Patientinnen und Patienten, Beschäftigte im Gesundheitswesen, Gewerkschaften und Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker dazu auf, im kommenden Bundestagswahlkampf gemeinsam für eine grundsätzliche Neuordnung der Krankenhausfinanzierung im Bund zu kämpfen: „Die Finanzierung der Krankenhäuser nach Fallpauschalen ist gescheitert. In allen Krankenhäusern, egal ob sie kommunal, freigemeinnützig oder privat betrieben werden, ob sie in einem Ballungsraum liegen oder auf dem flachen Land, arbeiten die Beschäftigten seit Jahren über dem Limit, und es ist keine Stabilisierung in Sicht. Jede neue Budgetfestsetzung bringt die kommunalen Träger wieder in die Verlustzone. Die Patientinnen und Patienten werden nicht so versorgt, wie es erforderlich ist, sondern so, wie es die Abrechnungslogik vorgibt,“ zieht Rottmann Bilanz. „Das gehört nicht nur auf die Tagesordnung der Kreistage, sondern auf die des Deutschen Bundestags. Wir brauchen eine grundlegende Veränderung der Leistungsfinanzierung im Gesundheitswesen, die nicht mehr nur Masse, sondern auch die unerlässliche Vorhaltung von stationären Angeboten auf dem Land finanziert. Wir müssen endlich raus aus dieser Abwärtsspirale,“ fordert Rottmann ein Umdenken im Gesundheitsministerium.

Rita Stäblein, die als Mitglied im Verwaltungsrat die traurigen Entscheidungen über die Schließung des Hauses Hofheim und das wahrscheinliche „Aus“ der Geburtsstation im Haus Haßfurt mittrug, „damit unkalkulierbare finanzielle Belastungen nicht weiter den Kreishaushalt einschränken“, bekräftigt, dass „niemand einschneidende Veränderungen gerne macht. Die Gesundheitsversorgung auf dem Land müsse aufrecht erhalten werden, aber auch finanzierbar sein, ohne dass an anderer Haushaltsstelle gekürzt werden muss. In immer kürzeren Zeitabständen habe es in den letzten Jahren gravierende Veränderungen im Gesundheitssektor gegeben – nicht nur im Landkreis Haßberge.

Stäblein, selbst Krankenschwester und daher mit den Vorgängen in Krankenhäusern bestens vertraut, zeigt sich froh, dass das Haus Ebern derzeit nicht zur Diskussion stünde, auch, „weil die dortige Palliativ-Station in diesem Haus bestens aufgehoben ist“.

Stäblein und die gesamte Grüne Kreistagsfraktion hoffen und wünschen, dass die Bevölkerung in und um Ebern durch die Diskussion der vergangenen Monate nun „aufwacht und das Einrichtungsangebot ,Krankenhaus am Ort’ mehr nutzt und nicht auch in Ebern die gleichen Faktoren greifen, die das Haus Hofheim, wo von 25 vorhandene Betten durchschnittlich nur 13 belegt sind, so schwer belastet haben.

Dass der Raum Hofheim allerdings künftig nicht ohne Gesundheitsversorgung da steht, sondern diese nur von stationär auf ambulant verändert werde, ist für Rita Stäblein ein Lichtblick: „Damit wird das ambulante Versorgungsangebot im Haßgau erheblich ausgeweitet.“



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