21. 08. 2017
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Depeche in Mode



Wenn man mal ganz ehrlich ist: Auch die früheren Werke von Depeche Mode hatten ihre Längen. 33 Jahre alt ist beispielsweise „Some Great Reward“, das Album also, das mit „People are People“ eine echte Nummer 1 enthielt, ansonsten aber nur acht weitere Stücke wie „Lie to me“ oder „It doesn´t matter“. Fallobst, Supermarktmmusik war das, belanglos.

Nur: Die damals vier Briten brachten in den 80ern halt fast ein jedes Jahr eine Platte heraus, mit „Construction Time Again“ 1983 den Synthiepop auch nach Deutschland. 1986 und 1987 waren „Black Celebration“ und „Music for the Masses“ Meilensteine der elektronischen Musik. 1990 dann „Violator“ mit den Perlen „World in My Eyes“, „Personal Jesus“, „Enjoy the Silence“ und „Policy of Truth“ – auch in dieser Hochphase der Band aber presste das Quartett gerade mal neun Songs auf diese CD. Die anderen fünf? Heute vergessen!

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Und was kam dann? Eine eigentlich unfassbare diametrale Entwicklung! Alan Wilder stieg aus der Band aus, die seitdem nur noch alle vier Jahre Longplays produziert. „It´s no good“, „Precious“ oder „Wrong“ hießen seitdem die einzigen Singles mit echtem Hit-Potenzial. Seit über 20 Jahren ist das ein verdammt geringer Output.

Parallel dazu wuchsen die Stadien, in denen Depeche Mode live spielten und spielen, verkürzte sich dafür die Zeit, in denen diese Arenen ausverkauft sind. Um die 500.000 Besucher werden kommenden Sommer alleine in Deutschland die Tournee sehen. „Ausverkauft“ binnen weniger Tage. Zumindest so gut wie. Und das war längst der Fall, da stand noch nicht mal der Titel der aktuellen CD fest.

„Spirit“ heißt die nun, kam letzten Freitag heraus – und ist nach sensationell belanglosen Werken wie „Exciter“ (2001), „Sounds of the Universe“ (2009) oder „Delta Machine“ (2013) nun der nächste Versuch der inzwischen Mit-50er, irgendwelche Trends zu setzen. Ohrwürmer haben Depeche Mode seit Jahren keine mehr geschrieben. Auch auf der neuen CD befindet sich keiner. Der Band sind die eingängigen Refrains ausgegangen. Aber das schon vor Jahrzehnten.

Immerhin hat man mit James Ford einen neuen Produzenten gefunden, der schön am Sound schraubte und wenigstens wieder ein bisschen blubbernde Elektronik zurück brachte. Doch das war´s dann auch schon. So richtig ins Ohr will keiner der Titel gehen oder anders: Es beißt sich keiner fest. Die beinharten Fans, die auf der Seite www.depechemode.de zuhause sind, überschlagen sich dennoch – wie immer – mit Lob, während andere gähnen und – mit Recht! – behaupten, die Band habe ihre gute Zeit längst schon hinter sich und bessere halt dank ihres guten Namens alle vier Jahre die Kasse auf. Gewaltig sogar!

Die vorerst 63 Konzerte umfassende Welttournee wird ein Renner. Am 5. Mai geht´s los. Leipzig, Dresden, München, Frankfurt – die Fans aus der Region Schweinfurt werden sich wohl überwiegend auf diese Schauplätze verteilen. Oder mal ab August in die Staaten fliegen, vielleicht nach New York in den Madison Square Garden. Oder nach Mailand pilgern ins Stadion San Siro. Depeche Mode bedeutet ja auch immer so ein bisschen Grounhopping…

Der Autor dieser Zeilen war 1986 mit jugendlichen 17 Jahren erstmals dabei. In der Rüsselsheimer Walter-Köbel-Halle mussten DM damals noch auftreten. Zu DM-Preisen und vor knapp 3000 Fans, die 27 Mark zahlten. Heute werden fast 80 Euro aufgerufen, damit man in Dresden auf der Festwiese im Ostragehege in der sogenannten „Rinne“ eine(r) von 80.000 sein kann. Moment mal, wir rechnen schnell mal hoch: 80 mal 80.000 macht um die 6,4 Millionen Euro an Einnahmen. Alleine an Eintritt…

Wäre „Spirit“ das Erstlingswerk der Band, würde man noch nicht mal mit Freikarten den Schweinfurter Stattbahnhof vollbekommen. Doch in den Stadien werden open-air die Fans sich die Kehlen heißer schreien – zumindest dann, wenn der Block mit den Songs ab 1993 abgearbeitet ist und die Hits kommen. Bei „Never let me down again“ singen alle mit, schwenken die Arme und vergessen die ersten drei Stunden des Warten auf a.) das Konzert überhaupt, b.) bis endlich die Vorband aufhört und c.) den ersten Song zum Mitgröhlen.

Und dann: Auf ein Neues 2021.

Michael Horling
redaktion@inundumsw.de



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