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Die Mighty Dogs und ihre planlose Suche nach der Eishockey-Euphorie


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Es schaut gut aus für die Mighty Dogs: Der Aufstieg in die Eishockey-Bayernliga könnte für die Schweinfurter die nächsten Wochen ein heißes Thema bleiben. Aber ob er gelingt oder nicht: Sicherlich muss man sich auch über den Frühling hinaus Gedanken machen, wie es denn generell weiter gehen soll mit der Puckjagd rund um den Icedome.

Fakt ist, dass die Begeisterung rund um die Sportart schon seit Beginn dieses Jahrzehnts akut nachgelassen hat. Erstaunlicher Weise mit dem Aufstieg 2012 in die Oberliga, als beim entscheidenden Spiel um die Bayernliga-Meisterschaft noch hunderte Fans nach Weiden mitreisten. Damals gewannen die Mighty Dogs. Bei einer Niederlage hätten sie zwei Tage später eine entscheidende dritte Partie im sicher ausverkauften Icedome bestritten.


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Es ist mehr als ein Gerücht, dass damals schon Spieler wie Mikhail Nemirovsky und Marcel Juhasz bei der sportlichen Leitung in Ungnade fielen, weil sie in Weiden unbedingt siegen wollten – was durch ihre Tore dann auch gelang. „Nemo“ wurde zwei Jahre später entsorgt, ist seitdem mit seinen Bad Kissinger Wölfen mindestens auf Augenhöhe mit den Schweinfurtern. Juhasz ging damals gleich, weil laut Verantwortlicher bei ihm das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr stimmte. In der Tat: „Nur“ 49 Scorerpunkte folgten für ihn in 71 Partien für die Bayreuth Tigers in der Oberliga. Die schoss er zuvor mit nach oben.


Sergej Waßmiller stand da schon an der Bande, führte die Oberfranken mittlerweile in die DEL 2. Den Russen wollte man beim ERV nicht mehr, weil er anscheinend zu profesionell dachte und zu viel verlangte. Was man mit so einer Einstellung erreichen kann, sieht man in Bayreuth. Fast 50 Tore für Landsberg gelangen dem heute 35 Jahre alten Juhasz nach der Bayreuth-Zeit in der Bayernliga für Landsberg. Man kann nur vermuten, dass er in vier Jahren Landesliga für Schweinfurt womöglich dreistellig eingenetzt hätte.

Keiner weiß, wo die Mighty Dogs heute spielen würden, wären Sergej, Marcel oder Nemo noch hier. Oder Marc Hemmerich, mittlerweile wieder in Bad Kissingen gelandet. Obwohl man in Schweinfurt das Team aus der Kurstadt als „Bad Russingen“ verspottet aufgrund der hohen Anzahl an Kontingentspielern dort, macht man es beim ERV mittlerweile fast genauso, erhöht die Anzahl der Ausländer im Kader, weil man zu genau weiß, dass ansonsten vermutlich noch nicht mal der Sprung in die Aufstiegsrunde zur Bayernliga gelungen wäre. Die guten einheimischen Talente spielen inzwischen längst fast alle bei ambitionierteren Vereinen.

In der Hochphase des Booms schafften es die Mighty Dogs nach der Überdachtung des Eisstadions einfach nicht, die DEL 2 und somit die zweithöchste Profiliga Deutschlands in Angriff zu nehmen. Dort spielen einstige Weggefährten wie Bietigheim, Ravensburg, Crimmitschau, Dresden, Weißwasser oder eben Bayreuth. Kaum eines dieser Teams hat eigentlich bessere Voraussetzungen als die Schweinfurter, abgesehen mal von teils weitaus komfortableren Eisarenen. Hier hat man im Jahr 2000 einen Icedome eröffnet, der vom ersten Tag an eigentlich untauglich war für höhere Ambitionen. Hätte man da gleich mehr Geld in die Hand genommen und die eine Längsseite mit der furchtbaren Tribüne und den Stehrängen mit der grauenvollen Sicht mit mehr Weitblick gestaltet – wer weiß, was alles möglich gewesen wäre.

Doch selbst die Oberliga ist derzeit meilenweit entfernt. Miesbach, Waldkraiburg, Memmingen, Lindau, Weiden, Sonthofen… – die dort spielenden Mannschaften haben dem ERV Schweinfurt nichts voraus, als dass man nicht wenigstens drittklassiges Eishockey bei den Mighty Dogs nicht als definitiv umsetzbar bezeichnen könnte. Höchstadt will diesen Winter noch dort wieder hin. Peißenberg auch. Sogar Landsberg, Geretsried oder Dorfen. Nichts, aber auch rein gar nichts begründet, warum diese Teams derzeit am Tor der Oberliga klopfen dürfen, in Schweinfurt aber ein fünftes Jahr in der Landesliga droht und weitere Partien gegen Selb 1b, deren erste Mannschaft man vor gar nicht allzu langer Zeit sogar mal zweistellig aus der Halle in Hochfranken fegte.

Eines der Hauptprobleme: Es gibt nach wie vor einen harten Kern von vielleicht 600 Fans, die so gut wie immer zu den Heimspielen kommen und die mit ihrer „Ist doch alles super“-Mentalität den Verantwortlichen signalisieren, dass doch alles bestens läuft. Das tut es aber nicht. Nur gegen Haßfurt war der Icedome zuletzt richtig gut voll, was am Höhenflug der Hawks lag, die nun aber bis Saisonende auf Hexer Martin Hildenbrand verzichten müssen. Gut möglich, dass mit Michael Tscherepanow von der Schweinfurter 1b im Kasten es nun abwärts geht – und dass ohne Euphorie mainaufwärts beim Nachholtermin im März die Gästefans nur noch in zweistelliger Zahl kommen.

Trotzdem „alles super!“? Nein! Gar nicht!! Seitens des sich um Öffentlichkeitsarbeit kümmerndes Teams werden Spielberichte vom letzten Wochenende erst am darauf folgenden versendet, meist mit Kurzhinweis auf die anstehenden Partien. Die Rückkehr von Simon Knaup in den Kader hat man bis heute nicht gemeldet, den jüngst verpflichteten Tschechen als Zugang erst dann, als er bereits in der Zeitung verkündet wurde. Das ist Öffentlichkeitsarbeit eines Landesligisten aus der zweitniedrigsten Eishockey-Liga. Passt also! Doch die Mighty Dogs haben doch an sich einen ganz anderen Anspruch…

Und nun? Als Dritter der Aufstiegsrunde zur Bayernliga spielen die Mighty Dogs am Sonntag bei Tabellenführer EV Moosburg. Zuzutrauen ist ihnen auch da ein Erfolg. Und dann steht das wegeisende nächste Wochenende an mit den Partien in Bad Kissingen und gegen den ERSC Amberg, die beide in der Hauptrunde vor den Schweinfurtern landeten. Gerade gegen den alten Rivalen aus Amberg, noch Letzter mit nur zwei Punkten aus drei Partien, müsste der Icedome am 4. Februar eigentlich brennen. Doch man darf sich fragen: Was macht der ERV Schweinfurt eigentlich dafür, damit dem auch so sein wird?

Michael Horling


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